Karlsruhe, 3. Juni: Kein Platz für Nazis!

16. Mai 2017

aktuelle infos: http://ka-gegen-rechts.de/  

                                http://www.antifa-buendnis-ka.de  

 

ab 9 Uhr Mahnwache am Hbf Karlsruhe: Treffpunkt zur gemeinsamen Anfahrt

ab 11:00 Uhr Mahnwachen bei der Nazi-Route:

Hubstr. , Pforzheimerstr./Waldshuterstr., Ochsentorstr., Bergbahnstr.

ab 11:00 Uhr Kundgebung der Stadt Karlsruhe Busbahnhof Durlach
ab 14:00 Uhr Demo und Kundgebung des DGB

Aufruf: Kein Platz für Nazis, weder in Karlsruhe noch anderswo

Wir rufen alle Menschen in unserer Stadt auf, gemeinsam den Aufmarsch am 3. Juni 2017 zu verhindern: Für den 3. Juni 2017 hat die Nazi-Szene angekündigt, einen Aufmarsch zum sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ in Karlsruhe durchzuführen – eine seit 2009 stattfindende bundesweite Nazi-Demonstration mit großer Bedeutung für die extreme Rechte. Dafür mobilisiert die Nazi-Szene bundesweit genauso wie im europäischen Umfeld. Wie diese Aufmärsche der letzten Jahren gezeigt haben, können im Juni bis zu 1000 Nazis nach Karlsruhe kommen. Durch rassistische Stimmungsmache wird versucht, gezielt Zukunftsängste zu schüren und eine Drohkulisse gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete aufzubauen. Die mittlerweile mehr als tausend Übergriffe und Brandanschläge auf Geflüchtete und deren Unterkünfte in den letzten Jahren sowie die rassistischen Morde des „NSU“ zeigen, dass es sich dabei um eine reale Gefahr für viele Menschen handelt. Wir wollen in einer vielfältigen, weltoffenen und solidarischen Stadt leben. Wir wollen in einer Stadt leben, in der sich alle Menschen angstfrei vor rassistischen Übergriffen und Diskriminierung bewegen können. Deshalb müssen wir diesen Nazi-Aufmarsch verhindern. Gemeinsam stellen wir uns Rassismus, Menschenfeindlichkeit und den Nazis in den Weg!

 

Konstanz: Anti-AfD Aktionskonferenz 10. Juni

16. Mai 2017

Einladung zur Anti-AfD-

Aktionskonferenz in Konstanz

Ein breites Bündnis aus Konstanzer Initiativen lädt für den 10. Juni 2017 zu einer regionalen Anti-AfD-Aktionskonferenz ein.

Wir stehen vor einer großen Herausforderung: Mit der AfD will im September 2017 eine Partei in den Bundestag einziehen, die für unverhohlen rassistische und ausgrenzende Politik steht. Während des Wahlkampfs wird sie auch im Landkreis Konstanz von der Fußgängerzone bis auf die Bildschirme überall präsent sein und versuchen, den politischen Diskurs nach rechts zu verschieben. Nicht mit uns! Auf einer Anti-AfD-Aktionskonferenz wollen wir gemeinsam mit euch Strategien gegen einen (Wahl)erfolg der AfD entwickeln und uns für eine emanzipatorische und solidarische Gesellschaft stark machen.

In Vorträgen, Workshops und Diskussionen wollen wir Menschen zusammenbringen, die sich im anstehenden Bundestagswahlkampf gegen die AfD und die wachsende Rechtsentwicklung engagieren sowie an der Konferenz Inputs sammeln und Aktionsideen ausprobieren.

Wann?

Samstag, 10. Juni 2017 10:00 – 18:00 Uhr

Wo?

Treffpunkt Petershausen Georg-Elser-Platz 1 78467 Konstanz

 

Karlsruhe, 21.5.: Esther Bejerano & Microphone Mafia

10. Mai 2017

So., 21.05.Bejarano & Microphone Mafia 19:00 Uhr „la vita continua“ 18:00 Uhr Einlass

 

la vita continua“ Lesung und Konzert mit der jüdischen Musikerin Esther Bejarano und der Hip-Hop Band Microphone Mafia.

Mobilisierungsveranstaltung zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch „Tag der deutschen Zukunft“ am 03. Juni 2017 in Karlsruhe. Wir freuen uns, die 90-jährige Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano gemeinsam mit ihrem Sohn und den Rappern der Microphone Mafia aus Köln am 21. Mai 2017 in Karlsruhe begrüßen zu können.Ab 19:00 Uhr werden die Künstler*innen Lieder ihrer beiden Alben “La Vita Continua” und “per la vita!” im Jubez auf der Bühne präsentieren. Zusätzlich wird die jüdische Musikerin Esther Bejarano aus Ihrem 2013 im Laika-Verlag erschienenen Buch “Erinnerungen – Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts” lesen und aus ihren Erfahrungen in der NS-Zeit berichten. Wie kann Mensch so viel Liebe und Kampf aufbringen und Viva la libertà! singen, welcher das KZ überlebt hat?!Die liebevolle Beziehung zwischen BEJARANO & MICROPHONE MAFIA wirkt in der Tat befreiend, hilft, Krisen und Konflikte anzugehen, wie es weitergehen kann, selbst, wenn Mensch nicht mehr weiß, wie. Aufrecht und selbstbewusst wird eine Kraft erzeugt, die ansteckt und generationsübergreifend funktioniert: für das Leben, für den Kampf gegen Nazis. Ein beeindruckendes Projekt. (underdogfanzine.de) Seit nunmehr fünf Jahren tritt die Familie Bejarano gemeinsam mit der Kölner Rap-Gruppe Microphone Mafia auf. „Esther Bejarano hat Geschichte am eigenen Leibe erlebt, hat den Schrecken des dritten Reiches mitsamt…“ Inhaftierung „…in den KZs Auschwitz und Ravensbrück auf schmerzliche Art und Weise spüren müssen. Ihre Eindrücke, ihre Herkunft, ja ihre Geschichte drückt sie dabei seit Jahren schon zusammen mit ihrem Sohn Joram, sowie weiteren Musikern als Mitglied der Gruppe “Coincidence” aus. Die dabei behandelten Themen wie Ausgrenzung, Rassismus oder etwa Gewalt sind dabei damals wie heute unglücklicherweise noch aktuell und gehören noch längst nicht der Vergangenheit an. Den Beweis dafür liefert die Microphone Mafia, welche schon seit mittlerweile sage und schreibe zwanzig Jahren ihre Erfahrungen mit Rassismus als sogenannte “Jugendliche mit Migrationshintergrund” in ihren Musikstücken verarbeitet und sich nicht zeitwilligen Trends, wie bspw. dem bis vor kurzem noch extrem populären Gangsta-Rap, beugt, sondern auf konsequent gehaltvolle Texte, mit Sinn und Verstand getextet und eingerappt, setzt. (Aus der Kritik von Jai Welc) Das Programm motiviert mit Geschichten aus der schrecklichen Zeit des Nationalsozialismus und kraftvollen antifaschistischen Liedern sich jedem aufkeimenden Faschismus und den aktiven Nazis in den Weg zu stellen. Gerade in Zeiten des weltweiten Rechtsrucks und dem Erstarken autoritärer Politik, deren Ziel es ist menschenverachtende Einstellungen in der Gesellschaft zu verfestigen und voran zu treiben, erhoffen wir mit dieser Veranstaltung einen Gegenpol setzen zu können. Für den 3. Juni 2017 hat die Nazi-Szene angekündigt, einen Aufmarsch zum sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ in Karlsruhe durchzuführen. Als Rahmenprogramm möchten wir daher mit einem Infostand und einem kurzen Infobeitrag auf die Hintergründe eingehen und über den Aufruf „Gemeinsam stellen wir uns Rassismus, Menschenfeindlichkeit und den Nazis in den Weg“ für eine vielfältige, weltoffene und solidarische Stadt informieren.

Mit freundlicher Unterstützung von: Fachstelle gegen rechts im StJA e. V., Rosa Luxemburg Stiftung Termin So., 21.05.2017, Beginn 19:00, Einlass 18:00 Preis: 9,90 € VVK / 12,00 € AK / Erm. 8,00 € Plätze: Sitzplätze, freie Platzwahl Raum: Großer Saal

Tickets: Jubez Karlsruhe, https://www.reservix.de/tickets-bejarano-microphone-mafia-la-vita-continua-in-karlsruhe-jubez-am-21-5-2017/e1022545 

Facebook: https://www.facebook.com/events/422219024804236/?active_tab=about

 

Tübingen, 11. Mai Stadtführung Deserteuere und Kriegsverweigerer

10. Mai 2017

Stadtteilführung mit Holger Starzmann und anschließende Podiumsdiskussion im Werkstadthaus

Treffpunkt: Platz des unbekannten Deserteurs im Französischen Viertel, 17:00 Uhr

Thema: Deserteure und Kriegsdienstverweigerer in Tübingen

Bei der Führung zum Areal rund um den Platz des unbekannten Deserteurs und die Schießbahn der ehemaligen Hindenburgkaserne soll Spuren der Wehrmachtsjustiz in Tübingen nachgegangen werden.

 

Bei einem anschließenden Podiumsgespräch (ab ca. 18:30 Uhr im Werkstatthaus) wird das Thema vertieft und der Bogen zum Heute gespannt. Teilnehmer sind der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Christoph Scheytt, der Jurist und Historiker Jens Rüggeberg und der Friedensaktivist Martin Hank. Moderation: Pfarrer Harry Waßmann, Eberhardsgemeinde Tübingen.

Mannheim: Einweihung des André-Sheperd-Weges (US-Deserteur)

10. Mai 2017

Einweihung André Shepherd Weg

15. Mai 2017, 18.30 bis ca. 21.30 Uhr, Fritz-Salm-Str. 12, 68167 MA

Am Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung würdigt das mit dem Miethäuser-Syndikat verbundene Wohnprojekt umBau² Turley den US-amerikanischen Deserteur André Shepard. Dafür, dass André im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak nicht mehr mitmachen wollte, benennt umBau² Turley einen Weg nach ihm. DFG-VK und Friedensplenum unterstützen die Aktion, bei der André anwesend ist.

Wenn die BewohnerInnen von umBau² Turley auf dem ehemaligen Kasernengelände jetzt André Shepherd durch eine Wegbenennung ehren, dann ist das genau der richtige Ort. André Shepherds Desertieren ist eine beispielhafte Tat. Bereits vor dem Irak-Krieg war klar gewesen, dass dieser Krieg völkerrechtswidrig, politisch falsch und Terrorismus fördernd und v. a. für die Menschen im Irak und in der Region eine Katastrophe furchtbar sein würde.

Auch für den Irak-Krieg waren die US-Kasernen in Mannheim eine wichtige logistische Drehscheibe. Die US-Armee hat die Kasernen bis auf die Coleman-Kaserne geräumt und zum Teil in andere US-Kasernen verlagert (zum Beispiel nach Wiesbaden). Ein Teil der ehemaligen Kasernen wird heute für die aus dem Irak und anderen Ländern geflohenen Menschen genutzt.

Das Wohnprojekt umBau² Turley wirbt für die Veranstaltung mit dem folgenden Text.

Wir freuen uns sehr, die öffentliche Namensgebung des kleinen Weges zwischen unserem gemeinschaftlichen Wohnprojekt und dem Nachbargebäude auf dem Gelände der ehemaligen Turley Kaserne in Mannheim ankündigen zu dürfen.

Vielen Dank an André Shepherd , der uns dazu seine Zustimmung gegeben hat und auch selbst an diesem Abend anwesend sein wird.

André Shepherd ist ein ehemaliger GI einer Hubschrauberstaffel, die im Irakkrieg 2006 eingesetzt war. Unter dem Einfluss der Massaker an der Zivilbevölkerung seitens der US Armee bei Falludscha ist André Shepherd desertiert und hat als erster US amerikanischer Deserteur politisches Asyl in Deutschland beantragt.

Seitdem klagt er sich in Deutschland durch alle denkbaren gerichtlichen Instanzen.

Er wird unterstützt von dem Verein Connection e.V., der sich weltweit für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und Desertion einsetzt.

Wir von umBAU² Turley halten die Turley Kaserne in Mannheim für den passenden Ort, ihm als Deserteur eine dauerhafte Widmung und einen dauerhaften Platz auf einem ehemaligen Militärgelände zu geben.

Die Kaserne war fast 120 Jahre unter militärischer Nutzung, zuletzt unter US-Amerikanischer. Der Namensgeber Turley ist einer der ersten schwarzen Unteroffiziere, der bei der Befreiung gegen die Nazis gefallen ist.

Mehr als 70 Jahre später sucht ein Ex GI – ebenfalls afro-amerikanischen Ursprungs – Asyl in Deutschland.

In einer Zeit wieder zunehmender Nationalismen und  damit verbundener zunehmender militärischer Gewaltbereitschaft sehen wir es als ein inhaltliches Zeichen von „Konversion“ nicht nur der militärischen Nutzung, sondern auch dem militärischen Denken eine Absage zu erteilen.

Viele FriedensaktivistInnen und Menschen aus Mannheim haben während der Irakkriege versucht, die Mannheimer US Kasernen zu blockieren. Dies, um auf die blutigen Kriege im Nahen Osten aufmerksam zu machen, zu einer Zeit, als der Krieg dort noch weit weg war.  Auch das ist ein Teil der jüngsten Mannheimer Geschichte.

Wenn man die Irakkriege als eine erste Destabilisierung des nahen Ostens sieht, dann besteht ebenfalls ein Zusammenhang zur Flüchtlingssituation und zu den beiden syrischen Familien in unserem Haus, deren Männer vor der Wahl Assad oder IS nicht desertiert, aber geflohen sind.

André Shepherd ist für seine Zivilcourage, die ihm dauerhaft die Rückkehr in seine Heimat verwehrt und eine zunächst ungewisse Zukunft bereitet hat, vielfach ausgezeichnet worden.

Er ist Träger des pro Asyl Menschenrechtspreises 2015 und des TAZ Panterpreises für Zivilcourage 2010.

Sein Handeln ermöglicht unser Handeln!

Auf zum Ostermarsch!

6. April 2017

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Deckblatt3-001

Ostermarsch Baden-Württemberg 2017 in Stuttgart

Samstag, 15. April 2017 – 12:00

„Verantwortung für den Frieden, nicht für den Krieg!“,

Auftaktkundgebung: 12 Uhr, Lautenschlagerstr. (gegenüber dem Hauptbahnhof), anschl. Demo durch die Innenstadt, zur

Abschlusskundgebung: ca. 14 Uhr, Schlossplatz,

Redner*innen: Konrad Ott (1. Bev. IG Metall Ludwigsburg), Paul Schobel (Betriebsseelsorger a.D.), Düzgün Altun (DIDF Bundesvorstand), Betül Havva Yilmaz (Akademiker für Frieden), Musik: „Los Cholerikos“,

OM Flyer Pdf zum download

www.friedensnetz.de

 

Ostermarsch 2017 in Mannheim

Samstag, 15. April 2017 –

12:00 „Sicherheit durch Abrüstung – Holt unsere Soldaten*innen aus den Kriegsgebieten zurück„,

Auftaktkundgebung: 12 Uhr, kl. Platz in L1 (gegenüber vom Schloss), anschl. Demo durch die Innenstadt, zur

Abschlusskundgebung: 14 Uhr, Paradeplatz, Redner*innen: Regina Hagen (Darmstädter Friedensforum), Renate Wanie (Werkstatt für gewalfreie Aktion Baden, Heidelberg), Thomas Mikan (DFG/VK), Hedi Saur-Gürth (Mannheimer Friedensplenum), Musik: Uwe Neuendorf, [Flyer siehe hier]

 

Ostermarsch 2017 in Ellwangen Samstag, 15. April 2017 – 10:00 „Frieden braucht Mut! – Mut zum Abzug und Verbot von Atomwaffen! – Mut zur Abrüstung! Mut zur Integration von Fremden! Mut auf dem langen Weg zu gewaltfreien Konfliktlösungen!“, Auftakt: 10 Uhr, Bahnhofsplatz, anschl. Demonstration, 11 Uhr, Fußgängerzone, Kundgebung am Fuchseck, Redner*innen: Clemens Ronnefeldt (Internationaler Versöhnungsbund, Freising), Christa Schmaus (Lyrikaden, Friedenswerkstatt Mutlangen); Marigona Avdijai & Marvin Wünsch (Schüler*innen der Mittelhofschule Ellwangen), kulturelles Rahmenprogramm mit Andrea Batz  und Norbert Botschek & Rolf Siedler [Flyer siehe hier],  Aktionsbündnis Mahnwache Ellwangen

 

Ostermarsch 2017 in Müllheim Montag, 17. April 2017 – 14:00 20. Ostermarsch in Müllheim „Für eine menschliche Welt in Frieden!“ / Pour un monde humain en paix! und „Entschieden gegen rechts! / Décidé contre la droite!“ Auftakt: 14 Uhr, Robert-Schumann-Kaserne, anschl. Demo in die Stadt zur Abschlusskundgebung: 15 Uhr, Marktplatz, [Flyer siehe hier], VA: Friedensrat Müllheim, DGB Markgräflerland http://www.friedensrat.org/pages/aktionen/2017/ostermarsch-2017.php

 

Bodensee-Ostermarsch 2017 / Internationaler Bodenseefriedensweg Friedrichshafen

Montag, 17. April 2017 –

11:30 „Von der Kriegslogik zu einer Friedenskultur – unser Weg“, Auftaktkundgebung: 11.30 Uhr, Romanshornerplatz, anschl. Demo durch die Stadt mit Zwischenhalten, 1. Station: „Rüstungskonversion ist die Schwester der Abrüstung“ – Rednerin: Anne Rieger (D, Bundesausschuss „Friedensratschlag“, Kassel); 2. Station: „Zivile Konfliktlösung, aber wie?“ – Rednerin: Claudia Haydt (D, Informationsstelle Militarisierung -IMI-), 3. Station: „Europa und die Solidarität mit den Menschen in der Osttürkei“ – Rednerin: Claudia Friedl (CH, St. Gallen, Nationalrätin, SP),

Abschlusskundgebung 14.30 Uhr, Rathaus, Redner: Andreas Zumach (UNO-Korrespondent Genf), „Friedenskultur entwickeln – die zentrale Herausforderung für uns alle.“ Im Anschluss (15.30 Uhr) Podium mit allen Rednerinnen und Rednern, Ende: ca 16.20 Uhr,

Flyer siehe hier],

[Schweizer fahren ab Romanshorn mit der Fähre 10.36 Uhr] http://bodensee-friedensweg.org/ostermarsch/2017/friedensweg-2017/

25.3. Kirchheim/T: Kundgebung gegen rechte Gewalt nach Anschlag auf Kulturhaus

23. März 2017

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In der Nacht vom 20. auf den 21. März 2017 wurde in den frühen Morgenstunden das Haus eines Kirchheimers, der Mitglied im “Volkshaus Kirchheim” ist, mit Parolen aus dem rechten Lager besprüht. In der Vergangenheit ist er bereits mehrfach von Mitgliedern der faschistischen Partei “Der III. Weg” beleidigt und bedroht worden.

Am selben Tag ist das Gebäude, in welchem sich das Kulturhaus “Volkshaus Kirchheim” befindet, angegriffen worden. Es wurde eine Scheibe eingeworfen und Buttersäure in dem Gebäude freigesetzt. Dies führte zu einer stundenlangen Sperrung der Alleenstraße und einem Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei.

„Die beiden Taten sind in direktem Zusammenhang zu sehen und stehen beispielhaft für den ideologischen Aufschwung rechter Kräfte und das Gewaltpotenzial gegen Migranten und Andersdenkende in Deutschland“, sagt dazu Aleyna Bayrak eine Sprecherin des Volkshauses.
Vor kurzem kam es bereits zu einem ähnlichen Anschlag auf das Haus der Jugend in Göppingen, als dort bei einer antifaschistischen Veranstaltung eine Dokumentation über die faschistische Partei „Die goldene Morgenröte“ aus Griechenland gezeigt wurde.

„Wir werden uns von solchen Angriffen jedoch nicht einschüchtern lassen und sehen dies als Beweis für die Notwendigkeit antifaschistischer Arbeit und unseres Engagements gegen Rassismus“, bekräftigt Aleyna Bayrak.

Deshalb wird es am Samstag den 25. März 2017 ab 12.00 Uhr vor dem Rathaus in Kirchheim eine Kundgebung unter dem Motto „Gegen Faschismus und rechte Gewalt in Kirchheim“ geben.

 

23. Februar: Pforzheim nazifrei!

15. Februar 2017

EL Demo + Kundgebung 23. Februar

am 23. Februar findet wieder die jährliche Fackelmahnwache des Freundeskreis Ein Herz für Deutschland auf dem Wartberg statt. Der DGB-Kreisverband Pforzheim / Enzkreis und die Initiative gegen RECHTS laden euch zur Kundgebung und Demonstration unter dem Motto „Pforzheim NAZIFREI! Kein Platz für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt“ ein. Redner:               Martin Kunzmann (DGB-Bezirksvorsitzender Baden-Württemberg) Katrin Lechler (Sprecherin der Initiative gegen RECHTS) 17.15 Uhr            Musikalischer Auftakt und Begrüßung auf dem Marktplatz Pforzheim 17.30 Uhr            Demonstrationszug auf den Wartberg 18.30 Uhr            Kundgebung Wir leben in einer Zeit, in der Rechtspopulismus im ganzen Land und darüber hinaus, die Demokratie und den Frieden gefährdet. Gerade in Pforzheim haben wir am 23. Februar mit der Fackelmahnwache des Freundeskreis Ein Herz für Deutschland eine Auseinandersetzung, die wir in unserer Stadt nicht wünschen. Zeigt deshalb Flagge gegen jegliche Art von Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und rechter populistischer Hetze. Lasst uns gegen menschenverachtende Einstellungen ein gemeinsames Signal am 23.2.2017 auf dem Wartberg setzen. Kommt mit Fahnen, Trillerpfeifen u.a. zu unserer Kundgebung und beteiligt euch am Demonstrationszug und an der Kundgebung. Mit eurer Teilnahme stehen wir zusammen für eine friedliche, demokratische sowie weltoffene Stadt und wollen über die Grenzen hinaus ein deutliches Zeichen setzen. Flyer download:   14-04-12 Aufruf_Kundgebung_Rheinau

21. 1. – Protest gegen AFD-Parteitag: Nürtingen bleibt bunt!

17. Januar 2017

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Aufruf der IG Metall Esslingen:

Samstag, 21. Januar 2017
um 11 Uhr
auf dem Nürnger Schillerplatz
ab 9 Uhr Vorprogramm

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die AfD hat ihren in Esslingen geplanten Parteitag wegen der angekündigten
Aktionen eines breit aufgestellten Akonsbündnisses, in dem auch die IG Metall
Esslingen vertreten ist, abgesagt.
Nun veranstaltet die AfD ihren Parteitag am Wochenende, 21./22. Januar 2017,
in der Stadthalle Nürngen.
Das Akonsbündnis „Nürngen ist bunt“ will das Aufreten der AfD nicht einfach
nur zur Kenntnis nehmen.
Wir Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen stehen für „Respekt“ in Betrieb
und Gesellschaft. Wir sind gegen Rassismus und Intoleranz und wollen dies auch
öffentlich zeigen.
Wir laden euch alle zu einer bunten Kundgebung ein, bei der u.a. auch
Gerhard Wick, 1. Bevollmächgter der IG Metall Esslingen, sprechen wird.
Bunte Fahnen / Kleidung sind erwünscht.

 

Aufruf des Antifaschistisches Bündnis Kreis Esslingen

Auf die Straße gegen Rassismus und

Menschenfeindlichkeit!

Die rechtspopulistische sogenannte „Alternative für Deutschland“ plant in den kommenden Monaten zwei Landesparteitage in der Region Esslingen.

Am 21./22.01.17 wollen die Rechten in der Nürtinger Stadthalle „K3N“ die noch ausstehenden Listenplätze für die Bundestagswahlen 2017 verteilen. Kurz darauf, am 18./19.02.17, soll in Esslingen ein zusätzlicher Landesparteitag im Neckarforum stattfinden.

Schon jetzt steht fest, dass an beiden Parteitagen die Weichen für den bevorstehenden Wahlkampf zu den Bundestagswahlen 2017 gestellt werden sollen.

Mit der „Agenda 2010“ und den Folgen der Weltwirtschaftskrise nach 2008 haben sich die Verschlechterungen für einen Großteil der Menschen weiter zugespitzt. Die AfD greift real existierende, jedoch aus dem Kapitalismus resultierende Missstände wie Armut, Existenzängste durch Arbeitslosigkeit und steigende Lebenserhaltungskosten auf.

Längst schon ist die gewollte Spaltung der Menschen durch die AfD anhand ihrer Hautfarbe, Kultur oder Religion bekannt. Diese willkürlichen Merkmale werden bei ihr zu den zentralsten Eigenschaften eines Menschens erklärt.

Auf Arbeitsmarkt strebt die Partei einen Umbau an: Unternehmen und Eigentümer sollen weiter „entlastet“ werden. Die Kehrseite dieser „Entlastung“ ist die gewollte Komplett-Demontage des Arbeitsrechts, massive Kürzungen im sozialen Bereich, sowie das Konzept, Arbeitslose zu Zwangsarbeit zu verurteilen. Auch Frauen sollen aus der Arbeitswelt verbannt, an den Herd zurück und aller Rechte über ihren eigenen Körper beraubt werden. Die AfD steht mit ihrer Politik für ein durch und durch reaktionäres Frauenbild, für Ausgrenzung, Überwachung und Abschottung.

Das Programm der AfD gilt es zu entlarven und eine wirkliche, ehrliche Alternative aufzubauen. Eine Alternative welche die Menschen zusammenführt und uns gemeinsam und solidarisch füreinander eintreten lässt.

  • Lasst uns gemeinsam gegen rechte Hetzer und Rassisten auf die Straße gehen!
  • Kommt und beteiligt euch an Protesten vor der Nürtinger und der Esslinger Stadthalle!
  • Um so vielfältiger die Protestformen, desto effektiver der Widerstand.
  • Solidarität statt Spaltung!

Nürtingen: Sa, 21.01 – 8 Uhr
Stadthalle K3N – Kundgebung und anschließende Demo gegen den AfD – Landesparteitag

Alfred-Hausser-Preis für „Geraubte Kinder – vergessene Opfer“

29. November 2016

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Alfred-Hausser-Preis 2016

Laudatio auf den Preisträger:

Geraubte Kinder – vergessene Opfer e.V.

Gehalten von Jens Rüggeberg, VVN-BdA Tübingen-Mössingen Lieber Herr Lüdeking,

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Jens Rüggeberg

liebe Frau Schwarz, lieber Herr Schwarz, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kameradinnen und Kameraden, „Geraubte Kinder – vergessene Opfer“ – unser Thema heute dürfte selbst Menschen, die schon lange antifaschistisch engagiert sind, wenig sagen. Worum geht es? Statt langer Worte zitiere ich Reinhard Strecker, geboren 1930, der als einer der ersten über alte Nazis in der BRD informierte, mit Material insbesondere aus DDR-Archiven und in Zusammenarbeit mit der VVN, und der 1959/60 mit einer Ausstellung über Nazi-Blutrichter in westdeutschen Justizdiensten einen Skandal auslöste. Strecker also fasste vor drei Jahren in einem Interview, angesprochen auf seine Globke-Dokumentation von 1961, unser heutiges Thema kurz und prägnant zusammen: Frage: Wir würden gerne noch einmal zurück zu Globkes Aktivitäten im Nationalsozialimus kommen. Als Ministerialrat im Reichs- und preußischen Ministerium des Inneren war er maßgeblich mit Namensrecht und Personenstandsfragen beschäftigt.   Antwort Strecker: Sagt Ihnen der Name Zamość etwas? Zamość liegt im südöstlichen Bereich des polnischen Bezirks Lublin, Schwarzerdegebiet, von Himmler ausgesucht als Hauptsitz seines eigenen Kurfürstentums. Es wurde eingedeutscht unter dem Namen Himmlerstadt. Die Polen und Juden dort am Ort und in dem ganzen Bereich Zamość störten und kamen … die ersten hatten noch Glück, die kamen zum Teil mit Kindern in Zwangsarbeit, die anderen wurden getrennt und die Kinder wurden durchgemessen, ob sie eventuell regermanisierungsfähig seien und kamen dann nach Łódź , Litzmannstadt. Wenn sie dann für wieder „rückdeutschungsfähig“ gehalten wurden, dann kriegten sie einen Namen von einem der Globkeschen Sonderstandesämter – eine Erfindung Globkes von 1934 – und wurden dann einer guten, ich nehme an vorwiegend einer SS-Familie zugeteilt. Die wenigsten Eltern haben überlebt, aber wenn dann nach dem Krieg Eltern die Spur ihrer Kinder fanden und vor deutschen Gerichten auf Rückgabe der Kinder an die Eltern klagten, dann urteilten die Amtsgerichte in aller Regel, es sei im wohlverstandenen Interesse des Kindes, nicht einem Aufwachsen und Leben im kommunistischen Osteuropa ausgeliefert zu werden. Es gab einen einzigen Mann an der Spitze des Deutschen Roten Kreuzes, Kurt Wagner [ausgerechnet Wagner, ein alter Faschist, der sich an anderer Stelle für ehemalige Nazi-Verbrecher einsetzte!], der sich, und das hat ihn mehrere Jahre gekostet, durchgesetzt hat, dass schließlich die Kinder zu den Eltern, soweit sie überlebt hatten, zurückkamen.[1] Strecker über Globke und in diesem Zusammenhang über geraubte Kinder – das war 1961. Elf Jahre zuvor war zuletzt über das Thema verhandelt worden, und zwar vor einer Münchner Spruchkammer. Es war um die Entnazifizierung von Beteiligten an dem Verbrechen gegangen. Fast alle wurden als „Mittäter“ eingestuft und freigesprochen.[2] Immerhin waren aber kurz zuvor einige Hauptverantwortliche in einem Prozess vor einem Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Nürnberg verurteilt worden, wenngleich sie verhältnismäßig mild davonkamen. Das war 1948.[3] Nach 1961 waren die geraubten Kinder für viele Jahre kein Thema mehr. Zwar veröffentlichte der Rowohlt-Verlag 1981 eine polnische Dokumentation zum Thema[4], aber die Wissenschaft wandte sich ihm erst in den letzten fünfzehn Jahren zu. 2003 erschien eine Neuausgabe einer Studie über den „Lebensborn e.V.“[5], im selben Jahr die grundlegende Dissertation von Isabel Heinemann „’Rasse, Siedlung, deutsches Blut‘. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas“[6], 2007 eine weitere, umfassende Studie über den „Lebensborn e.V.“[7] und 2010 schließlich die österreichische Studie „Geraubte Identität. Die gewaltsame ‚Eindeutschung‘ von polnischen Kindern in der NS-Zeit“ von Ines Hopfer[8]. Aber die wissenschaftlichen Untersuchungen blieben ohne öffentliche Resonanz – das ist meistens das Schicksal wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Als der Verein „Geraubte Kinder – vergessene Opfer“ 2014 unter Federführung von Christoph Schwarz seine gleichnamige Ausstellung in Freiburg eröffnete, war also eine Pioniertat vollbracht. Von einer Pioniertat zu sprechen, ist aber auch deshalb angebracht, weil die Ausstellung von der Konzeption her ganz auf die Opfer ausgerichtet ist, ihre furchtbaren Schicksale vorstellt, sie damit dem Vergessen entreißt und ihre Entschädigung einfordert. Ich spreche deshalb im Präsenz, weil die Ausstellung nach wie vor gezeigt wird. Man kann sie ausleihen! Zwei Beispiele, die der Verein auf seiner Internetseite gibt, seien Ihnen / Euch vorgestellt. Ich möchte mit Hermann Lüdeking beginnen – als diese Laudatio vorbereitete, wusste ich ja noch nicht, dass Sie heute hier sein würden. Ich hoffe, dass Sie, lieber Herr Lüdeking, damit einverstanden sind! Sie können das ja nachher gerne noch ergänzen.

 Hermann Lüdeking alias Roman Roszatowski:

 Auch heute noch fühlt sich Hermann Lüdeking alias Roman Roszatowski in Deutschland oft als „Fremder“. Durch die Nazis wurde er gewaltsam geraubt und zum „Deutschen“ Hermann Lüdeking gemacht. In „Litzmannstadt“, dem polnischen Lodz, wurde während der Besatzungszeit besonders intensiv Jagd auf „rassisch wertvolle“ Kinder gemacht. Als Sechsjähriger wurde Roman Roszatowski von der SS aus dem Waisenhaus entführt. Im September 1942 wurde er zunächst in das „Gaukinderheim Bruckau“ – eine fürchterliche Umerziehungsanstalt – gesteckt, in der die geraubten Kinder nur Deutsch sprechen durften und bei geringsten Verstößen körperlich misshandelt wurden. Die nächste Station der „Germanisierung“ war dann das Lebensbornheim „Sonnenwiese“ bei Kohren-Salis. Von hier aus wurde er der Pflegefamilie Lüdeking mit dem neuen Namen „Hermann Lüdeking“ übergeben. Seiner Kindheit und eigentlichen „Heimat“ beraubt, seelisch und körperlich misshandelt, kennt er bis heute seine familiären Wurzeln nicht. Seine Pflegemutter verstieß ihn, als er Klarheit bei der Suche nach seiner Identität einforderte und machte ihn dadurch erneut zum Opfer. Von staatlicher Seite erfuhr er für sein Schicksal, so wie die anderen geraubten Kinder auch, keinerlei Anerkennung und finanzielle Entschädigung.

 Aus Halina Bukowiecka wurde Helene Buchenauer:

 Als [weiteres] Beispiel möge hier das Schicksal von Halina Bukowiecka stehen: Unter dem Vorwand einer notwendigen medizinischen Untersuchung wurde 1942 die damals siebenjährige Halina Bukowiecka gemeinsam mit ihrer Großmutter in das „Jugendamt Litzmannstadt“ (Lodz) einbestellt. „Rasseeignungsprüfer“ der SS – getarnt mit weißen Mänteln – fotografierten Halina und vermaßen sie von Kopf bis Fuß, Augenabstand, Nasenbreite und Schädelform. Heimlich wurde sie dann in das Kinderheim in der Kopernikusstraße 13 in Lodz gebracht – ohne dass die Großmutter, bei der sie lebte, informiert wurde. Anschließend kam Halina für sechs Wochen in das „Assimilierungsheim“ nach Bruckau (Brockow). Dort wurden die entführten Kinder gezüchtigt und für jedes geringe Vergehen geschlagen. Zyta Suse – ein ebenfalls aus Lodz geraubtes Kind – berichtete, dass man aus den Kindern „das Polentum herausprügelte“. Nach einer leidvollen und tränenreichen Zeit wurde Halina Bukowiecka schließlich Ende 1942 in die „Reichsschule für Volksdeutsche“ nach Achern in Baden deportiert. Dort wurde den entführten Kindern erzählt, dass alle ihre Verwandten und Angehörigen tot seien. Mit dieser Lüge wollten die Nazis nach der räumlichen Trennung von den Angehörigen nun auch die seelische herbeiführen.[9]  Zum historischen Hintergrund: Die Nazis wollten Osteuropa nicht nur erobern, ausbeuten und ausplündern, sondern auch „germanisieren“. An Deutschland grenzende Gebiete wie Teile Frankreichs, Belgiens, Sloweniens, der Tschchoslowakei und Polens wurde annektiert, so auch die Provinz Posen, von den Nazis „Reichsgau Wartheland“ genannt. Dort begann die Germanisierungspolitik. „Volksdeutsche“ aus allen Teilen Europas wurde dort angesiedelt, die Juden deportiert, und die nicht-jüdische polnische Bevölkerung wurde in Kategorien aufgeteilt: „Volksdeutsche“, „Eindeutschungsfähige“ usw. und eben unerwünschte Polen. Letztere wurden ins „Generalgouvernement“ abgeschoben. Kinder in Waisenhäusern und in Pflegefamilien wurden, wie wir schon von Reinhard Strecker hörten, von so genannten „Experten“ geprüft. Für „gutrassig“ befundene Kinder wurden geraubt. In der Anordnung 67/1 vom 19.02.1042 des „Chefs des Stabshauptamtes des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“, des SS-Gruppenführers Ulrich Greifelt (der wurde in dem erwähnten Prozess in Nürnberg zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt und starb in der Haft) hieß es dazu: Die auf Grund des rassischen und psychologischen Ausleseverfahrens als eindeutschungsfähig bezeichneten Kinder werden deshalb im Alter von 6 bis 12 Jahren in Heimschulen und im Alter von 2 bis 6 Jahren in vom Lebensborn e.V. nachzuweisenden Familien untergebracht.[10] Nach Nr. 7 der Anordnung sollte die Überprüfung der Kinder im „Gaukinderheim“ in Bruckau erfolgen, wo die Kinder sechs Wochen bleiben sollten. Dort war auch Hermann Lüdeking gewesen, wie wir gehört hatten. In den verschiedenen Einrichtungen wurde versucht, die Kinder mit Zwang und Gewalt „einzudeutschten“. Die deutschen Pflegefamilien, in die viele Kinder später kamen, hatten die Möglichkeit, die Kinder zu adoptieren. Warum sprach Strecker davon, dass vielfach nach dem Krieg die Eltern der geraubten Kinder nicht mehr lebten? Der Raub von Kindern aus dem „Warthegau“ war ja nur der Anfang – siehe zum Beispiel Zamość. In vielen Gebieten wurden die Kinder von Eltern, die als vermeintliche oder tatsächliche Partisanen ermordert worden waren, einer „Rasseprüfung“ unterzogen und, wenn sie für „gutrassig“ befunden worden waren, zwecks „Eindeutschung“ in eine entsprechende Einrichtung gesteckt – siehe oben. Ein Beispiel: Nach dem Mord an Heydrich wurde das tschechische Dorf Lidice Anfang Juni 1942 dem Erdboden gleichgemacht. Die 199 männlichen Bewohner wurden sofort erschossen, die 184 Frauen kamen ins KZ Ravensbrück, und die 98 Kinder wurden von „Rasseprüfern“ untersucht: Drei Kinder wurde gleich vor Ort von Vertretern der Rasse- und Siedlungsaußenstelle Böhmen und Mähren als „eindeutschungsfähig“ ausgesondert. Sieben Kinder unter einem Jahr wurden in ein Kinderheim nach Prag gebracht; sie galten als noch zu klein für eine Prüfung. 88 Mädchen und Jungen wurden nach Litzmannstadt gebracht. Dort wurden sieben als „rassisch tauglich“ eingestuft, in das Kinderheim Puschkau gebracht und kamen später in deutsche Pflegefamilien. Die übrigen 81 Kinder wurden schließlich in Chelmno ermordet.[11] Das furchtbare Schicksal dieser 81 Kinder zeigt, dass es notwendig ist, auch danach zu fragen, was andernorts aus den Kindern wurde, die nicht geraubt wurden, weil man sie nicht als „gutrassig“ einstufte. Für Polen ist bekannt, dass Himmler bereits 1939 für sie eine Art Versklavung vorsah.[12] Die bereits erwähnte Historikerin Isabel Heinemann schätzt die Gesamtzahl der geraubten Kinder auf 50.000, davon 20.000 aus Polen, während frühere polnische Regierungen die Zahl der aus Polen geraubten Kinder auf 200.000 schätzten, was wahrscheinlich zu hoch gegriffen war. Aber es gibt eine hohe Dunkelziffer, und manche der damals geraubten Kinder, die später in Deutschland adoptiert wurden, wissen bis heute nicht, dass sie eigentlich aus Polen stammen, oder sie kennen ihre wirklichen Eltern nicht. Eine Anmerkung noch aus baden-württembergischer Sicht: Der damalige „Kreishauptmann“ von  Zamość (das entspricht einem heutigen Landrat, allerdings in seinen Befugnissen nicht durch einen Kreistag oder ähnliches eingeschränkt), Helmut Weihenmaier, war von 1955 bis 1960 Erster Beigeordneter in Tübingen und von 1960 bis 1970 Landrat von Freudenstadt.[13] Der Leiter der „Deutschen Heimschulen“, August Heißmeyer, zugleich oberster Napola-Chef, lebte nach der Befreiung zusammen mit seiner Ehefrau, der ehemaligen „Reichsfrauenführerin“ Gertrud Scholtz-Klink, in Bebenhausen bei Tübingen.[14] Und Alois Gabrysch, der in Slowenien Widerstandskämpfer umbringen ließ, deren Kinder möglicherweise geraubt wurden (das müsste man noch untersuchen), war von 1965 bis 1970 Leiter der Kriminalpolizeidirektion Tübingen und somit oberster Kriminalpolizist für den Regierungsbezirk Tübingen.[15] Wir haben gesehen, dass schon in Nürnberg Mitarbeiter des „Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS“, des „Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“ und des „Lebensborn e.V.“ auch wegen „Kidnapping of Children of Foreign Naionality“ angeklagt und verurteilt worden waren. Dieses Verbrechen galt den amerikanischen Richtern zu recht als eines der Crimes against Humanity. Umso unverständlicher, dass sich Bundesregierung und Bundestag weigern, die Opfer dieses Verbrechens zu entschädigen. Möglicherweise hat das Bundesfinanzministerium sogar recht, wenn es behauptet, das Schicksal der geraubten Kinder erfülle „als solches keinen Tatbestand einer speziellen Wiedergutmachungsregelung.“ Aber was bedeutet das? Das heißt, das man einen solchen Tatbestand dann eben schaffen muss, und zwar jetzt, denn die Opfer sind alle bereits betagt, auch die, die damals im Säuglingsalter waren. Und eine Entschädigungsregelung darf keine übergroßen Darlegungsanforderungen an die Opfer stellen, denn angesichts der Täuschungs-, Fälschungs-  und Vertuschungspraktiken der Nazis haben die Opfer oft kaum Dokumente zur Hand. Österreich hat diejenigen ehemaligen geraubten Kinder, die dort waren oder sind, inzwischen entschädigt. Das Gesetz, das die Grundlage dafür bot, trat im November 2000 in Kraft. Insgesamt 22.693 Entschädigungsanträge wurden positiv beschieden – wie viele Anträge insgesamt gestellt worden waren, wurde allerdings nicht veröffentlicht. Und die Beträge von durchschnittlich 1.453,- Euro [16] waren auch eher symbolisch angesichts des Leids, das die Opfer erfahren haben. Ich zitiere die frühere Vorsitzende des „Verbands der polnischen Kinder, die durch das Hitlerregime eingedeutscht wurden“, : Die „Eindeutschung“ der dem polnischen Volk entrissenen Kinder vernichtete die Psyche dieser Kinder. Auch wenn die „Eindeutschung“ erfolglos durchgeführt wurde, die Kinder zurückkehrten und in Polen blieben. Aber die Seele ist wie ein gebrochener Ast: Er wächst nie mehr wieder zusammen und findet nie mehr seine Lebensruhe.[17] Barbara Paciorkiewicz hatte übrigens selbst zu den geraubten Kindern gehört. In einer Akte des VVN-Archivs im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart fand ich ein Entschädigungsgesetz für die US-amerikanische Zone von 1949, dessen Formulierung eine Entschädigung der geraubten Kinder vielleicht ermöglicht hätte.[18] Aber wahrscheinlich ist keines der geraubten Kinder jemals nach diesem Gesetz entschädigt worden. Der Nürnberger Prozess gegen die Verantwortlichen war gerade abgeschlossen, und die deutsche Öffentlichkeit interessierte sich für ihn nicht – die Württembergische Landesbibliothek offenbar auch nicht: Sie schaffte die 15-bändige Dokumentation der zwölf Nürnberger Nachfolgeprozesse nicht einmal an. Die einzige wissenschaftliche Bibliothek in Baden-Württemberg, die die berühmten „Grünen Bände“ hat, ist die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe; die hat aber auch nicht die Originalausgabe von 1950 damals erworben, sondern einen Reprint, der 1997 in New York erschien. Heute gibt es übrigens alle 15 Bände eingescannt auf einer Internetseite der US-Regierung.[19] In der vom Zonensekretariat der VVN für die US-Zone herausgegebenen Ausgabe des Gesetzes, für die übrigens Alfred Hausser verantwortlich zeichnete, schrieb der damalige Vorsitzende der VVN in der US-Zone, Artur Ketterer – Alfred Hausser war erst seit 1961 Vorsitzender der VVN Baden-Württemberg – in seinem Vorwort: Es wäre falsch, wenn wir uns der Illusion hingeben würden, dass mit der Verkündung des Gesetzes schon alles getan wäre. Es bedarf auch weiterhin der Wachsamkeit und Aktivität der VVN. Bei gutem Willen kann mancher Nachteil des Gesetzes noch gemildert werden.[20] Die Akte übrigens, in der ich das Gesetz fand, wird wohl Alfred Hausser angelegt haben, der wie kein Zweiter sich um die Entschädigung der Verfolgten des Naziregimes verdient gemacht, auch um die Entschädigung „vergessener“ Opfergruppen. In diesem Jahr wäre er 104 geworden. Ich gratuliere Ihnen zur Verleihung des Alfred-Hausser-Preises 2016 und darf Ihnen sagen, dass auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Baden-Württemberg Ihr Anliegen, die ehemaligen geraubten Kinder zu entschädigen, unterstützt. Vorhin hat unsere heutige Landesdelegiertenkonferenz das beschlossen.

Anmerkungen:

[1]    Oy, Gottfried, und Christoph Schneider, Die Schärfe der Konkretion. Reinhard Strecker, 1968 und der Nationalsozialismus in der bundesdeutschen Historiografie, Münster 2013, S. 74 [2]    Hopfer, Ines, Geraubte Identität. Die gewaltsame „Eindeutschung“ von polnischen Kindern in der NS-Zeit, Wien, Köln und Weimar 2010, S. 242 [3]    The RuSH-Case (Case 8), in: Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No. 10, Washington 1950, Vol. IV, p. 599-1185, und Vol. V, p. 1-192 [4]    Hrabar, Roman, Zofia Tokarz und Jacek E. Wilczur, Kinder im Krieg – Krieg gegen Kinder. Die Geschichte der polnischen Kinder 1939-1945, Reinbek bei Hamburg 1981 (westdeutsche Lizenzausgabe des im selben Jahr in Warschau unter dem Titel „Kriegsschicksale polnischer Kinder“ erschienenen Werkes) [5]    Lilienthal, Georg, Der „Lebensborn e.V.“. Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, Frankfurt am Main 2003 [6]    Heinemann, Isabel, „Rasse, Siedlung, deutsches Blut“. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, Göttingen 2003 [7]    Koop, Volker, „Dem Führer ein Kind schenken“. Die SS-Organisation Lebensborn e.V., Köln, Weimar und Wien 2007 [8]    Siehe Fußnote 2 [9]    http://www.geraubte.de/biohrafien.html (letzter Abruf 01.11.2016). Beide, Hermann Lüdeking und Helene Buchenauer, werden von Koop erwähnt, der bei Archivrecherchen auf ihre Namen stieß (Koop 2007, S. 175). [10]  Anordnung,Nr. 67/1 vom 19. Februar 1942 zur Eindeutschung von Kindern aus polnischen Familien und Waisenhäusern, auszugsweise abgedruckt in: Röhr, Werner, u.a. [Hrsg.], Die faschistische Okkupationspolitik in Polen [1939-1945], Berlin [DDR] 1989 und zugleich Köln 1989, S. 215f., kurz danach vollständig dokumentiert in: Hansen, Georg (Hrsg.), Schulpolitik als Volkstumspolitik. Quellen zur Schulpolitik der Besatzer in Polen 1939-1945, Münsger und New York 1994, S. 64ff. Die Anordnung bildete die Grundlage für den Kinderraub später auch in anderen Teilen Polens und in anderen besetzten Ländern. [11]  Heinemann 2003, S. 515f., Koop 2007, S. 155ff., vgl. ferner Macardle, Dorothy, Children of Europe. A Study of Children of Liberated Countries: Their War-time Experiences, their Reactions, and their Needs, with a Note on Germany, Boston 1951, S. 236 [12]  Koop 2007, S. 167 [13]  Vgl. u.a. Roth, Markus, Herrenmenschen. Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen – Karrierewege, Herrschaftspraxis und Nachgeschichte, Göttingen 2009 [14]  Vgl. u.a. Birn, Ruth Bettina, Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten, Düsseldorf, 1986. [15]  In den Neunziger Jahren bildete sich in Tübingen eine Initiative mit zwei Zielen, einerseits der Einleitung eines Strafverfahren gegen Gabrysch und andererseits der Entziehung des ihm verliehenen Bundesverdienstkreuzes durch den Bundespräsidenten. Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren wurde nach einigen Jahren eingestellt, weil der Mordvorsatz nicht habe bewiesen werden können und Totschlag verjährt war. Die Einstellungsverfügung war aber so formuliert, dass der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz hätte entziehen müssen. Dem kam Gabrysch jedoch durch dessen freiwillige Rückgabe zuvor. [16]  Hopfer 2010, S. 247f. [17]  Zitiert nach Hopfer 2010, S. 243 [18]  § 1 Absatz 1 des Gesetzes zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts (Entschädigungsgesetz) für die Länder der US-Zone: „Ein Recht auf Wiedergutmachung nach diesem Gesetz hat, wer unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (…) wegen seiner politischen Überzeugung, aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung verfolgt wurde und hierdurch Schaden an Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit, Eigentum, Vermögen oder in seinem wirtschaftlichen Fortkommen erlitten hat.“ (zitiert nach einer vom Zonensekretariat der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) für die US-Zone herausgegebenen Ausgabe, für die Alfred Hausser verantwortlich zeichnete, Stuttgart o.J., Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand VVN, Büschel V 2). Im Regierungsblatt der Regierung Württemberg-Baden wurde das Gesetz am 1. September 1949 verkündet (Gesetz Nr. 951, Regierungsblatt Nr. 20 vom 01.09.1949, S. 187ff.). Vgl. aber auch § 14 Abs. 1 S. 3 des Gesetzes: „Als unerheblich gelten Schäden, die weder die geistige noch die körperliche Leistungsfähigkeit des Verfolgten nachhaltig gemindert haben und nach menschlicher Voraussicht auch künftig nicht mindern werden.“ [19]  https://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/NTs_war-criminals.html (letzter Abruf: 03.11.2016) [20]  Gesetzes zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts (Entschädigungsgesetz) für die Länder der US-Zone, a.a.o., S.2

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