80 Jahre Generalstreik in Mössingen:

27. März 2013

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„Politischer Streik hätte Hitler gestürzt und den Krieg verhindert“ 

 

Die KPD hatte dazu am 31. Januar 1933 aufgerufen, aber nur an einem einzigen Ort kam es zum Generalstreik. Im kleinen von Textilindustrie geprägten Mössin­gen bei Tübingen legten 800 Arbeiterinnen die Arbeit nieder und zogen unter der Losung „Heraus zum Massenstreik“ durch die Strassen.

Zum 80. Jahrestag dieses Ereignisses riefen die VVN-BdA DGB, ver.di und IG Metall der Region Tübingen unterstützt von vielen anderen erneut zur Demonstration nach Mössingen. Nicht nur, um an die mutige Aktion der Mössinger Arbeiterinnen und Arbeiter zu erinnern, sondern um auch für heute die Notwendigkeit des Widerstands gegen Faschismus und Krieg zu unterstreichen, der zunehmenden Behinderung und Kriminalisierung von Antinaziaktionen entgegenzutreten und das Recht auf politischen Streik zu reklamieren, der auch heute noch in Deutschland als illegal gilt.

Genau auf diesen Punkt ging der Arbeitsrechtler Prof. Wolfgang Däubler dann auf der Abschlusskundgebung ein: Es bringt nichts, das Recht auf politischen Streik von den Juristen zu verlangen. Es kommt drauf an, es wahrzunehmen.

Der DGB Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf erinnerte an das Widerstandsrecht des Grundgesetzes und forderte erneut das Verbot der NPD. Junge Antifaschisten aus Mössingen riefen dazu auf, den Widerstand gegen Neofaschismus und Krieg gemeinsam zu leisten und sich nicht z.B. durch die „Extremismusdok­trin“ spalten zu lassen. Zuvor hatte Gerhard Bialas als langjähriger Tübinger Gemeinderat wohl bekanntestes VVN-Mitglied der Tübinger Gegend die 1200 Demonstranten am Jakob-Stotz-Platz begrüßt, der nach einem der Generalstreikteilnehmer benannt ist. Er erinnerte daran, wer verantwortlich war für die faschistische Diktatur: „Die Mössinger Streikenden wussten, dass Banken-, Groß- und Rüstungskapital die Nazis für ihre Zwecke in den Sattel gehoben haben. Und heute ist es Zeit, dass endlich der Kreislauf Kapitalismus-Krise-Krieg durchbrochen wird!“

Zum Höhepunkt der gemeinsame Aktion aber wurde die Rede von Andrea Ayen, deren Vater, Großvater und Onkel am Generalstreik teilgenommen hatten. Sie wiederholte die Worte, die ihr Onkel Jahre später in hohem Alter in seinem schwäbischen Dialekt gesprochen hatte:

„Doch, das war richtig zu streiken, und heut’, sag’ ich, heut’ muss man wieder wachsam sein, dass sowas nicht wiederkommt, … Nein, wenn Faschismus, wenn’s das heißt, da bin ich dabei, nochmal dabei zu demonstrieren, aktiv, in vorderster Reih’, ja …“