Buchen Sie Europa, solange es noch steht!

geschrieben von Rüdiger Jungkind

8. Januar 2026

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Auszug aus einem Redebeitrag der Kreisvereinigung Pforzheim im Gedenken an Hiroshima

Foto: Rolf Neff

Am 6. August 1945 wurde in Hiroshima das erste Mal eine Atom­bombe für militärische Zwecke eingesetzt. 100.000 Menschen starben sofort; bis zum Jahresende 1945 weitere 130.000 Men­schen. Zu diesen kommen weitere Tote nach 1945. Genetische Schäden führen bis heute zu Fehlgeburten und schwer geschädigten Neugeborenen.

Der US-Präsident Truman befahl am 26. Juli 1945 den Abwurf. So könne Japan zur Kapitulation gezwungen und Men­schenleben gerettet werden.

Wie oft bei militärischen Einsätzen gibt es eine offizielle Erklärung und Hintergrün­de, über die nicht so gerne geredet wird.

Am 7. Juli 1937 fiel Japan in China ein. In den Vereinigten Staaten wurde die Expansion mit Sorge betrachtet. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es politisch einflussreiche Kräfte, die einen „pivot to asia“ forderten. Die Philippinen waren seit 1901 amerikanische Kolonie. In den USA wur­den zunehmend Vorbereitungen für ein Eingreifen gegen Japan getroffen. Die Kriegsstimmung in den USA war jedoch wenig ausgeprägt.

Die japanische Luftwaffe griff die US-Pazifikflotte auf Pearl Harbour an. Am 8. Dezember 1941 erklärte die US-Regierung Japan den Krieg.

International waren Befürchtungen berechtigt, dass die Nazifaschisten in der Lage sein könnten, eine Atombombe zu bauen. 1938 war die gezielte Kernspaltung gelungen. Deutsche Physiker gehörten zu den inter­national be­kanntesten. Einige von ihnen emigrierten.

Der Physiker J. Robert Op­penheimer war 1904 in den USA geboren. Die Situation war so besorgniserregend, dass viele demokratisch gesinnte Wissenschaftler aktiv wurden.

(In Los Alamos) arbeiten unter größter Geheimhaltungs­stufe Atomwissen­schaftler unter Lei­tung von Oppenheimer daran, den Deut­schen beim Bau der Atomwaffe zuvorzukommen. Schließlich konnte am 16. Juli 1945 eine Testbombe gezündet werden. Die verheerenden Auswirkungen waren deutlich erkennbar.

Wir müssen jetzt nach Europa blicken.

Bei der Konferenz von Jalta hatte die Sowjetunion im Februar 1945 zugesagt, dass sie drei Mo­nate nach der Kapitulation Nazideutschlands Japan angreifen würden. Es war sehr bald erkennbar, dass die UdSSR Wort halten würde: Im April 1945 kün­digte sie das 1941 mit Japan geschlossene Neutralitätsabkommen. Am 28. Mai, seit der deutschen Ka­pitulation waren also noch nicht einmal drei Wochen vergangen, informierte der US-Botschaf­ter aus Moskau die Truman-Regierung, dass die Sowjetunion Truppen gegen Ja­pan zusammengezogen hätte. Der Botschafter empfahl, das weitere Vorgehen mit der sowjetischen Regierung abzustimmen.

Seine Empfehlung wurde ignoriert. Am 9. Juli 1945 bat der japanische Botschafter in Moskau um Friedensverhandlungen. Truman wurde zu Beginn der Konferenz von Potsdam (17. Juli bis 2. August 1945) über den erfolg­reichen Test informiert.

Dazu stellt der US-General und spätere Präsident Eisenhower fest: Die Entschei­dung zum Einsatz der Atombomben hat am 16. Juli bereits festgestanden. Er habe Tru­man davon abgeraten, weil die Japaner kapitulationsbereit waren.

Der Kriegseintritt der Sowjetunion war für die US-Regierung nun unerwünscht. Am 26. Juli gab Truman den Befehl zum Abwurf der Atombomben.

Nachfolgend gab es Bestrebungen, den Einsatz von Atomwaffen völkerrechtlich zu äch­ten. An die Spitze dieser Forderung stellten sich Atomwissenschaftler. Die US-Regierung wollte an ihrem Monopol festhalten. Schon 1949 wurde es durch die UdSSR gebrochen: Das Zeitalter des „Gleichgewicht des Schreckens“ begann.

„Buchen Sie Europa, solange es noch steht!“

warb 1983 ein US-amerikanisches Reisebüro. Dazu hatte es allen Grund. Auf dem Höhepunkt des damaligen „Kalten Krieges“ entwarf der Militär­berater Colin S. Gray im Dezember 1980 das Szenario vom führbaren und gewinnbaren Atomkrieg. So absurd sich das anhört: Daran sollten wir immer denken.

Nie wieder Hiroshima, nie wieder Nagasaki! Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.