Antisemitisch, rassistisch und völkisch: Der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ und sein Domizil in Kirchberg/Jagst-Herboldshausen

11. Mai 2022

Der Rechtsextremismus-Experte Timo Büchner (Recherche Nordwürttemberg) informiert am 01. Juni 2022 um 19.30 Uhr über den „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ (BfG) und sein „Jugendheim Hohenlohe“ in Kirchberg/Jagst-Herboldshausen.

Büchner informiert über das antisemitische, rassistische und völkische Weltbild des BfG und verdeutlicht, welche Rolle der BfG und sein „Jugendheim Hohenlohe“ in der extremen Rechten spielen. Das Domizil geriet im Herbst 2021 in die Schlagzeilen – denn im Haus veranstaltete die deutsche Neonazi-Szene ein geheimes Vernetzungstreffen. Angekündigt wurde beispielsweise die NSU-Rechtsanwältin Nicole Schneiders.

Der Vortrag findet im „Club Alpha 60“ statt
Spitalmühlenstraße 13/27

4523 Schwäbisch Hall

Aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen ist eine Anmeldung mit Vor- und Nachname per E-Mail an VVN-sha@skymail.de erforderlich. Die Anmeldefrist endet am Dienstag, 31. Mai 2022 um 19.30 Uhr. Hinweis: Erst mit der Bestätigung der Anmeldung ist eine Teilnahme an der Veranstaltung gestattet.Vor Ort gelten 2G+ und Maskenpflicht.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Veranstaltet wird der Informationsabend von:

AK Politik/AK Programm des Club Alpha 60, VVN-Bund der AntifaschistInnen, KZ Gedenkstätte Hessental und DGB- KV Schwäbisch Hall

Schluss mit Krieg!

10. April 2022

Statt 100 Milliarden für die Bundeswehr:
Abrüsten! Atomwaffen abschaffen! Klima retten!

Aufruf zum Ostermarsch 2022 in Stuttgart:

Der Krieg in der Ukraine hat Entsetzen, Ohnmacht, Angst, Solidarität und Mitgefühl ausgelöst und ist in diesem Jahr unser wichtigstes Thema beim Ostermarsch.

Die russische Armee ist am 24. Februar völkerrechtswidrig in die Ukraine einmarschiert. Wir verurteilen diesen kriegerischen Angriff scharf. Der Überfall Russlands ist durch nichts zu rechtfertigen, auch nicht durch den 8-jährigen Bürgerkrieg in der Ostukraine.

Unsere Solidarität gilt den Menschen, die Opfer dieses Krieges sind und denjenigen in der Ukraine, in Belarus und Russland und weltweit, die für einen Stopp des Krieges und eine friedliche Zukunft eintreten. 

Bereits 1999 führte die NATO gegen Jugoslawien mitten in Europa Krieg. 

Auch dieser neue Krieg zeigt, dass Friedensicherung größte Priorität haben muss.

Die jahrelange Politik der Aufrüstung, der Konfrontation und der NATO-Osterweiterung hat nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu Krieg und einer andauernden Gefahr auch der atomaren Konfrontation geführt. Die Gefahr eines Atomkrieges ist heute so groß wie zuletzt in der Kuba-Krise. Nicht nur die Zahl der einsatzbereiten Atomwaffen steigt, sondern auch die der Kampfdrohnen und Hyperschallraketen.

Die jetzt von der NATO, der EU und der Bundesregierung beschlossenen militärischen Maßnahmen werden das gegenseitige Wettrüsten und die Kriegsgefahr nicht bannen, sondern befeuern.

Die gigantische Erhöhung des deutschen Rüstungshaushaltes um 100 Milliarden, die sogar im Grundgesetz verankert werden soll, zusätzlich zu 2% des Bruttoinlandprodukts für Rüstung lehnen wir entschieden ab.

Diese 100 Mrd brauchen wir dringend für die Energiewende, für Bildung und Gesundheit.

Zusammenarbeit statt Konfrontation!

Auch angesichts der zahlreichen Kriegsopfer und Gräuel führt an Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und allen anderen beteiligten Staaten kein Weg vorbei.

Was wir brauchen, sind Abrüstung und eine Politik der Entspannung. Angesichts der gravierenden Menschheitsprobleme wie menschengemachter Klimawandel und die Pandemie ist die Zusammenarbeit aller Staaten für das Wohlergehen der Weltgemeinschaft notwendig.

Sicherheit neu denken!

Es zeigt sich immer wieder: Wir müssen Frieden neu denken – umfassend, global, sozial, ökologisch, gerecht und nachhaltig. Wir sind uns sicher: Nicht ein Gegeneinander schafft Sicherheit! Für Sicherheit und umfassenden Frieden braucht es ziviles Engagement und ein fruchtbares Zusammenwirken zum gemeinsamen Nutzen. Wir brauchen eine neue Politik der vertrauensbildenden Maßnahmen, die zu Entspannung und Abrüstung führt.

Wichtig bleiben der kulturelle Austausch, die Städtepartnerschaften und Begegnungen, auch mit den Menschen der Ukraine, Belarus und Russland.

Deshalb fordern wir:

  • den sofortigen Stopp der Angriffe auf die Ukraine, sofortigen Waffenstillstand, den Rückzug russischer Truppen und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Von der Bundesregierung fordern wir vertrauensbildende Maßnahmen zur Beilegung des Konflikts. 
  • Abrüsten statt aufrüsten! Statt mehr Geld für Waffen und Militär auszugeben, fordern wir mehr Geld für Bildung, Gesundheit, Klimaschutzmaßnahmen und ein solidarisches Sozialsystem, für zivile internationale Solidarität, zur Angleichung der weltweiten Lebensverhältnisse auf einem menschenwürdigen Niveau!
  • Flüchtende und Deserteure aufzunehmen und auch Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern Asyl zu gewähren. FRONTEX abschaffen!
  • Sofortige Freilassung aller Antikriegsdemonstrant*innen.
  • den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und den Beitritt Deutschlands zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag.
  • Gemeinsame Sicherheit statt NATO und andere Militärbündnisse. Keine weiteren NATO-Osterweiterungen.
  • die Bewaffnung von Drohnen für die Bundeswehr stoppen – autonome Waffensysteme ächten!
  • Rüstungsexporte stoppen! Keine Waffenlieferungen an die Ukraine! Konversion von Rüstungsunternehmen und militärischen Liegenschaften! 
  • die in Stuttgart liegenden US-Kommandozentralen EUCOM und AFRICOM schließen!
  • sofortige Beendigung aller Auslandseinsätze und Missionen der Bundeswehr!
  • keinen weiteren Ausbau der EU zur Militärunion! Nein zu den gemeinsamenen Rüstungsprojekten wie Z.B. FCAS (Future Combat Air System) unter PESCO, und nein zu ihrem Finanzierungstopf, dem europäischen Verteidigungsfonds!
  • Mehr Friedensbildung! Keine Bundeswehr in Bildungseinrichtungen, auf Ausbildungsmessen und in unserem Stadtbild. „Kein Werben fürs Sterben“ – keine Militarisierung der Gesellschaft.

Deshalb rufen wir auf zum Ostermarsch 2022!

separater Infokasten als Bestandteil des gemeinsamen Ostermarschflyers:

Wussten Sie,

  • dass sich die globalen Rüstungsausgaben 2021 auf knapp 2 Billionen US-Dollar belaufen, wodurch den Staaten dringend benötigte Ressourcen für Bildung, Gesundheit, Maßnahmen gegen den Klimawandel und zur Armutsbekämpfung entzogen werden?
  • dass mehr als die Hälfte dieser Ausgaben auf die NATO-Staaten entfallen?
  • dass die Militärausgaben in Deutschland schon vor dem Ukrainekrieg im Jahr 2022 um rund 3,4 Milliarden Euro auf etwa 50,3 Milliarden Euro steigen sollten, und jetzt aber um weitere 30 Milliarden auf 2% des BIP steigen sollen und die Bundeswehr zusätzlich weitere 100 Milliarden als „Sondervermögen“ erhält?
  • dass weltweit 1.800 Atomwaffen in ständiger Bereitschaft gehalten werden? Der Einsatz eines Bruchteils von ihnen würde alles Leben auf der Erde auslöschen.
  • dass der UN-Vertrag zum Verbot aller Atomwaffen seit einem Jahr in Kraft getreten ist, die neue Bundesregierung sich aber weigert, ihm beizutreten und an der Stationierung von Atomwaffen in Deutschland und der Beschaffung neuer Trägerflugzeuge für die Bundeswehr festhält?
  • dass im Nato-Krieg in Afghanistan 240.000 Menschen starben, und dass von 38 Millionen Afghan*innen mehr als 12 Millionen von Hunger bedroht sind? Die auferlegten Sanktionen verschlimmern das Schicksal der Zivilbevölkerung.
  • dass das Militär zu den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen gehört? Eine Flugstunde des Eurofighters verbraucht z.B. 3.500 kg Treibstoff. Zudem hat das Militär einen enormen Flächenverbrauch mit großer Boden- und Grundwasserverseuchung.
  • dass die Bewaffnung von Drohnen eine autonome Waffenführung und eine von Algorithmen gesteuerte Kriegsführung ermöglicht?

Unterzeichner:

attac Ludwigsburg-Besigheim

DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

DFG-VK Stuttgart

DIDF Jugend Stuttgart

DIDF Stuttgart – Freundschafts-und Solidaritätsverein Stuttgart e.V.

Die LINKE Kreisverband Schwäbisch Hall

Die LINKE Kreisverband Stuttgart

Die LINKE Kreisverband Stuttgart

DIE LINKE Landesverband Baden-Württemberg

DKP Baden-Württemberg

DKP Rems Murr

DKP Stuttgart

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba Regionalgruppe Stuttgart

Friedensbündnis Esslingen

Friedensbündnis Karlsruhe

Friedensinitiative Waiblingen

Friedensplenum / Antikriegsbündnis Tübingen e.V.

Friedenstreff Bad Cannstatt

Friedenstreff Stuttgart-Nord

Gesellschaft Kultur des Friedens

GEW Kreis Stuttgart

Informationsstelle Militarisierung (IMI)

Naturfreunde Esslingen

Naturfreunde Radgruppe Stuttgart e.V.

Naturfreunde Stuttgart e.V

Naturfreunde Württemberg

Ohne Rüstung Leben

pax christi Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

Rote Peperoni – Kinderferien und -freizeit Verein e.V.

Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Stuttgart

Stuttgarter Bündnis „Mehr Personal für unsere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen“

Stuttgarter Krisenbündnis

Vaihingen Ökologisch Sozial (VÖS)

ver.di-Bezirk Stuttgart

ver.di-Jugend Stuttgart

ver.di-Ortsverein Böblingen

ver.di-Ortsverein Stuttgart

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Baden Württemberg e.V. (VVN-BdA)

Wählervereinigung Tübinger Linke e.V

Waldheim Gaisburg e.V. „Friedrich-Westmeyer-Haus“

Waldheim Stuttgart e.V. „Clara Zetkin Haus“

Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften

Gökay Akbulut, MdB, DIE LINKE Mannheim

Walter Burkhard, Plüderhausen

Heike Hänsel, Tübingen

Norbert Heckl, Stuttgart

Reiner Hofmann, Stuttgart

Barbara Huber, Stuttgart

Gerhard Jüttner, Tamm

Dieter Keller, Fellbach

Maria Kraushaar-Jettinger, Karlsruhe

Dieter Lachenmayer, Stuttgart

Bernhard Mainz, Heilbronn

Hans Rettig, Bruchsal

Bernd Riexinger MdB Die Linke, Stuttgart

Paul Russmann, Beirat Ohne Rüstung Leben. Stuttgart

Heidi Scharf, Schwäbisch Hall

Jessica Tatti, MdB Die Linke, Reutlingen

Lydia und Thomas Trüten, Esslingen

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus in Karlsruhe

4. November 2021

Sonntag, den 21. November 2021 (Totensonntag), 11.00 Uhr

Treffpunkt: 10.45 Uhr am Eingang des Hauptfriedhofs Haid-und Neu-Str. 35/39

Ansprachen

  • Dieter Behringer, Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis
  • Fredrik Mikaelsson, VVN – Bund der Antifaschist*innen Karlsruhe

Kranzniederlegung

  • am Mahnmal für Euthanasieopfer am Gedenkstein für die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter
  • Musik Helmut Ciesla (Trompete)

Wir laden alle Mitglieder und FreundInnen der VVN – Bund der AntifaschistInnen, alle FriedensfreundInnen, DemokratInnenen und demokratischen Organisationen zu dieser Gedenkveranstaltung ein.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Kreisvereinigung Karlsruhe

Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Pflicht

3. November 2021

,

Sonntag, 14. November 2021, 12 Uhr

Gedenkfeier auf dem Feuerbacher Friedhof am Mahnmal für die Opfer des Faschismus

Das Mahnmal steht seit 1947 auf dem Feuerbacher Friedhof. Jedes Jahr findet eine Erinnerung an die Opfer statt, die uns allen Mahnung sein soll, dass nie wieder passiert, was damals geschah.

Interessierte sind herzlich eingeladen zur Teil-nahme an der Gedenkfeier der VVN, Vereini-gung der Verfolgten des Naziregimes, unter Mitwirkung des Friedenstreffs Stuttgart-Nord.

Die Gedenkrede hält dieses Jahr der Zeitzeuge Heinz Hummler, dessen Vater als Widerstands-kämpfer 1944 im Zuchthaus Brandenburg hin-gerichtet wurde.

Anfahrt nach Feuerbach mit S4, S5, S6.

Bus Nr. 91 ab Bahnhof Feuerbach um 11.10 Uhr zum Friedhof Feuerbach.

Gedenkveranstaltung an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt

2. November 2021

Dienstag, 9. November 2021 um 18.00 Uhr auf dem Cannstatter Marktplatz

Bündnis zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen im gesamten Deutschen Reich sowie in Österreich und in der Tschechoslowakei.
Angezündet von SA und SS, organisiert, vorbereitet und angeleitet von Partei, Regierung und Behörden des faschistischen Staates. Am nächsten Tag wurden mehr als 7.000 jüdische Geschäfte geplündert, zehntausende jüdische Menschen verhaftet und über 100 ermordet. Die Polizei verschleppte 26.000 jüdische Männer aus ganz Deutschland vor allem in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald.

Die Pogromnacht in Stuttgart

In Stuttgart legte der Branddirektor, in zivil und ausgestattet mit einem Eimer Waschbenzin, selbst den Brand; in Cannstatt war es der Leiter der Feuerwache. Fast alle männlichen Stuttgarter Juden zwischen 18 und 65 Jahren wurden verhaftet, auch Kranke und Jugendliche unter 18 Jahren.
Das jüdische Ehepaar Karl und Emilie Oppenheimer wohnte in der Daimlerstraße 56, nur 100 m von der Cannstatter Synagoge entfernt. Nach der Pogromnacht erließ der NS-Staat die „Judenvermögensabgabe“, mit der die jüdischen Menschen gezwungen wurden, den Schaden des Staatsterrors in der Pogromnacht selbst zu bezahlen. Allein den Oppenheimers wurden mit dieser Zwangsmaßnahme 7.800.- Reichsmark geraubt, die in Wirklichkeit von den Faschisten zur Vorbereitung ihrer Kriege benötigt wurden. Am 26. April 1942 wurden sie vom Stuttgarter Nordbahnhof in überfüllten Waggons ins KZ Theresienstadt deportiert und mussten für ihr „Altersghetto“ Theresienstadt 2.000.- Reichsmark Eintrittsgeld zahlen und für fünf Jahre im Voraus 180.- Reichsmark Pflegegeld je Monat. Ein halbes Jahr später starb Karl Oppenheimer, seine Frau wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und überlebte dies nicht.

Die Gedenkreden werden gehalten von:

  • Julia Friedrich, Geschäftsführerin DGB Ba.-Wü.
  • Ulrich Schneider, (Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer)
  • Stuttgarter Jugendlichen aus verschiedenen Jugendorganistionen
  • Einem/einer Vertreter/in des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Stuttgart und Region (AABS)

Kulturprogramm:

  • Freier Chor Stuttgart mit jüdischen und antifaschistischen Liedern

Anschließend gemeinsamer Zug zum Platz der ehemaligen Synagoge – 19.00 Uhr Kranzniederlegung

Es gelten die Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht

Im Anschluss:

Antisemitismus – Von der Ausgrenzung zum Völkermord!

Lesung mit Ulrich Schneider aus seinem aktuellen Buch „Antisemitismus im Dritten Reich – Von der Ausgrenzung zum Völkermord“

Yidishe Lieder mit Albert Kunze (Gesang) und Vladimir Romanov (Klavier).

19.30 Uhr im Verwaltungsgebäude des Bezirksrathauses – Marktplatz 10, 70372 Cannstatt

Der Antisemitismus war keine Erfindung der Nazis. Er hatte seine Vorläufer und wurde von diesen ins Extreme gesteigert. Der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Isolierung schon zu Beginn des „Dritten Reichs“, der Entrechtung durch die „Nürnberger Rassegesetze“ von 1935 und der damit verbundenen „Arisierung“ der Wirtschaft und Säuberung des Kulturlebens folgten die Novemberpogrome von 1938 sowie der forcierte Raub jüdischen Eigentums und mit dem Krieg die Ghettoisierung und Deportation in den Osten. Dieser Prozess kulminierte schließlich in der „Endlösung der Judenfrage“ durch die Massenvernichtung. Ulrich Schneider ordnet die Judenverfolgung in die Gesamtpolitik des deutschen Faschismus ein: politische und gesellschaftliche Gleichschaltung als Voraussetzung kriegerischer Expansion zur Realisierung internationaler Vorherrschaft.

Ulrich Schneider ist Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer FIR

Der Yidish-Forscher und Hobbysänger Albert Kunze hat sich mit dem Profipianisten und Komponisten Vladimir Romanov zusammengetan, um yidishe Lyrik und Klezmersongs zu erarbeiten. Die beiden am festival yidishe muzik Beteiligten, das am Samstag, 27.11.2021 zum 4. Mal stattfindet, werden yidish-sprachige Gedichte und Lieder vortragen, darunter Lieblingsstücke von der leider dieses Jahr verstorbenen Esther Bejarano.

Für die Abendveranstaltung im Rathaus gilt die 2G-Regel, eine Anmeldung ist erforderlich unter www.pogromnachtcannstatt.wordpress.com. Dort stehen auch weitere Informationen zur Verfügung.

Stuttgart: Kundgebung zum Tag der Befreiung

29. April 2022

Sonntag, 8. Mai 2022, 17.00 Uhr
am Mahnmal für die Opfer des Faschismus
(Stuttgart, Stauffenbergplatz)

8. Mai – 77. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg:
Unser Auftrag:
Antifaschismus! Solidarität! Frieden!

Der 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung vom faschistischen Terror und
vom Krieg.
An diesem Tag hatten die Nazis, ihre Förderer und Parteigänger den Krieg
verloren. Für die Mehrheit der Menschen in Europa bedeutete er die
Hoffnung auf Frieden, Freiheit und Zukunft.
Die Befreiten von damals erlebten den 8. Mai als „Morgenröte der
Menschheit“ wie es Peter Gingold, ein jüdischer Antifaschist und
Kommunist, einst formulierte.
Nach 77 Jahren ist es Zeit, dass der 8. Mai auch in Deutschland ein
gesetzlicher Feiertag wird!
Tatsächlich gibt es keinen Tag in der Geschichte Europas, der so viel
Freude und Erleichterung ausgelöst hat, der gleichzeitig so teuer errungen
werden musste, wie dieser 8. Mai 1945.
Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und
Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der
Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben.
Millionen – alliierte Soldaten, Frauen und Männer aus dem Widerstand,
Partisaninnen und Kriegsverweigerer haben für diesen Tag ihr Leben riskiert und geopfert. Sie alle kämpften als Teil der Anti-Hitler-Koalition für eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung. Ihnen danken wir. Ihr Einsatz hat den Menschen in Europa nach den bitteren und schmerzhaften Jahren der Verfolgung und Unterdrückung den Neuanfang, die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft, den Aufbau eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt ermöglicht. Dieses Vermächtnis des 8. Mai 1945 scheint heute keine Rolle mehr zu spielen. Die Hauptlast des Krieges und der Befreiung trugen die Menschen in der Sowjetunion. Während damals ukrainische und russische Rotarmisten Seite an Seite mit Kämpferinnen aus allen Teilen der Sowjetunion in der Roten
Armee für die Befreiung Europas von Faschismus und Krieg ihr Leben
opferten, stehen sie sich heute in einem blutigen Krieg gegenüber.
Seit Jahren wurden die Chancen verspielt, die sich nach der Befreiung mit
der Gründung der UNO und der Erklärung der Menschenrechte für das
friedliche und solidarische Zusammenleben der Menschen und Staaten
eröffnet hatten. An die Stelle eines weltweiten Systems der gegenseitigen
Sicherheit und Zusammenarbeit, für die es Mitte der 70er Jahre mit der
KSZE gute Ansätze gab, trat eine Politik der Konfrontation um
Rohstoffe,Märkte und Vorherrschaft. Dafür führten die USA und die NATO
ebenfalls blutige Kriege im Irak, in Afghanistan, in Jugoslawien, in Libyen, in

Syrien und anderswo. Die NATO dehnte sich, entgegen allen
Versprechungen, bis an die heutige russische Grenze aus, fast alle
Rüstungskontrollverträge wurden gekündigt.
Nicht nur in der Ukraine, auch in vielen anderen Ländern, im Jemen, in
Mali, im nördlichen Irak toben heute Kriege. Millionen Menschen sind auf
der Flucht.
Während es 1945 hieß: „Nie wieder Krieg von deutschem Boden!“ sind
heute deutsche Waffen und deutsches Militär fast überall beteiligt.
Statt den Krieg in der Ukraine mit diplomatischen Methoden beenden zu
helfen, setzt auch die Bundesregierung auf kriegsverlängernde Waffenlieferungen
und auf ein gigantisches Hochrüstungsprogramm für die
Bundeswehr.
Gemeinsam mit allen NATO-Staaten weigert sie sich weiterhin, dem seit
Januar 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten
Nationen beizutreten.
Gleichzeitig erleben wir einen rasanten Aufstieg neofaschistischer Kräfte.
So konnte die Naziterrorgruppe „NSU“ jahrelang unbehelligt eine blutige
Spur faschistischen Terrors durch unser Land ziehen.
Brennende Unterkünfte für Geflüchtete, rassistische, antisemitische
Terrorakte und Morde wie in Kassel, Halle und Hanau werden immer
häufiger.
Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus und Antiziganismus,
Islamfeindlichkeit, Lesben-/Schwulen- und Transfeindlichkeit – alle
möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und
gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur.
Mit dem Krieg in der Ukraine macht sich eine neue Variante der
Ausgrenzung und der Hassbotschaften gegen alles Russische breit.
Künstler und Sportler werden gekündigt, ausgeladen, ausgeschlossen nur,
weil sie russische Wurzeln haben. Mahnmale, die an die sowjetischen
Opfer der Befreiung erinnern werden geschändet.
Wir dagegen wollen am 8. Mai, an alle erinnern, die damals unter großen
Opfern zur Befreiung von Faschismus und Krieg beigetragen haben. Ihnen
gilt unser Dank.
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der
Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ So
lautete der Schwur der befreiten Häftlinge von Buchenwald.
Stoppt den Krieg! Stoppt die Hochrüstung!
Nie wieder und nirgendwo
weder Faschismus noch Krieg!

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Baden-Württemberg e.V.
ViSdP: Dieter Lachenmayer, Böblinger Str. 195, 70199 Stuttgart

Freiburg: Kultur gegen das Vergessen

29. April 2022

8. Mai 2022 – 77. Jahrestag der Befreiung

28. April 2022

EINLASS ab 18:00 Uhr – mit BÜCHERTISCH der Buchhandlung josfritz

Singen, bis es keine Nazis mehr gibt!

Herzliche Einladung zur Veranstaltung „Kultur wider das Vergessen“

am Tag der Befreiung:  Sonntag, 8. Mai 2022, 18.30 Uhr, Alemannische Bühne

Liebe Freund*innen und Mitglieder der VVN-BdA Freiburg,

77 Jahre sind vergangen, seit am 8. Mai 1945 die finsterste und verbrecherischste Epoche der deutschen Geschichte endete. Doch während wir seit Jahren ein bedrohliches Wiedererstarken faschistischer und anderer rechtsextremer Gruppierungen und Parteien erleben, sind von den Menschen, die die Gräuel des NS-Regimes erlebt und überlebt haben, nur noch wenige unter uns.

In dieser Situation initiierte Esther Bejarano, Überlebende des KZ Auschwitz und langjährige Ehrenvorsitzende der VVN-BdA, die Kampagne, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung auch in Deutschland zum offiziellen Feiertag werden müsse: Zur steten Mahnung an die Opfer der Verbrechen der Nazis gegen die Menschheit und als Auftrag, dafür zu sorgen, dass der Faschismus nie mehr an die Macht gelangt.

Bei ihrem letzten Auftritt in Freiburg sagte sie, dass sie singen wolle, „bis es keine Nazis mehr gibt“.  Da war sie 94 Jahre alt. Zwei Jahre später starb sie; seit Juli 2021 ist ihre Stimme verstummt. Ihr Anliegen lebt indessen weiter. Und wir, die wir sie und die anderen Zeitzeugen noch persönlich kannten, wollen ihre Erfahrungen und ihr Vermächtnis weitergeben. Und gleichfalls gegen Rechts ansingen.

Anders als in den vergangenen Jahren planen wir am Sonntag, 8. Mai 2022 deshalb keine große Kundgebung am antifaschistischen Mahnmal, sondern laden ab 18.30 Uhr zu einer Veranstaltung in die Alemannische Bühne ein:

„Kultur wider das Vergessen“ lautet der Titel des Abends mit einem breit gefächerten Programm, das unser Mitglied, der Staufener Liedermacher Wolfgang Gerbig (Woger) zusammengestellt und organisiert hat. Teilnehmende sind außer den Liedermachern Jan Degenhardt und Manfred Maurenbrecher auch Freiburger Künstler*innen, etwa der Kabarettist Matthias Deutschmann, das Acoustic-Trio „the brothers“, die Sängerin Anita Morasch & der Violinist Georgy Dzharashneli, die Autorin Sylvia Schmieder und die Schauspielerin Natalia Herrera, die Texte der Freiburger Zeitzeuginnen Lotte Paepcke und Käthe Vordtriede zur Lesung bringt.

Wir laden Sie und Euch herzlich ein, dabei zu sein. Eintrittskarten gibt es ab sofort in der Buchhandlung Jos Fritz und bei der Alemannischen Bühne.

Preis: 10 Euro, ermäßigt: 8 Euro

Wir freuen uns auf euer Kommen und Mitwirken.

Mit antifaschistischen Grüßen

Erika Weisser

80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Feutschlands auf die SOWJETUNION

17. Juni 2021

KUNDGEBUNG AMSAMSTAG, DEN 26. JUNI UM 15:00 UHR AUF DEM SCHILLERPLATZ IN STUTTGART

Am 22.6.1941 überfiel die deutsche Wehrmacht mit 5 Millionen Soldaten die Sowjetunion – unter Bruch des erst zwei Jahre zuvor bgeschlossenen Nichtangriffsvertrags. Die Nazi-Truppen überrannten die Verteidigungsstellungen der Sowjetunion, töteten bereits in den ersten Monaten Millionen sowjetischer Soldaten und Zivilisten oder verschleppten sie als Arbeitssklaven. Doch imNov./Dez. 1941 wurde der Vormarsch vor Moskau gestoppt und zurückgeworfen. Ein Jahr später besiegelte dann die vernichtende Niederlage in Stalingrad die Wende des 2. Weltkriegs

Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Kampfs gegen den Faschismus!

Der Nazi-Faschismus verfolgte als Haupt-Kriegsziele die Vernichtung des Sozialismus (Nazi-Jargon: „jüdischer Bolschewismus“) und die Eroberung riesiger Gebiete in Osteuropa bis zum Ural als neues Kolonialreich („Lebensraum im Osten“) sowie die Versklavung des russischen und anderer Völker der Sowjetunion („Untermenschen“). Dieser Krieg kostete 27 Millionen Menschen der Sowjetunion ihr Leben, davon fast die Hälfte Zivilisten, Kinder, Frauen, Alte … Über 3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene wurden entweder direkt oder durch Zwangsarbeit, v.a. in der deutschen Rüstungsindustrie, ermordet. Riesige materielle Zerstörungen sowjetischer Städte/ Dörfer/ Infrastruktur wurden bewusst angerichtet („verbrannte Erde“) … Neben den anderen Armeen der Anti-Hitler-Koalition war es v.a. die Rote Armee, die nicht nur ihr eigenes Land befreite, sondern wesentlich zur Befreiung Europas und der ganzen Welt von der faschistischen Geisel beitrug. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg Nie wieder sollte Krieg von deutschem Boden ausgehen: Das war nach 1945 Konsens in der deutschen Bevölkerung. Wir haben heute die besondere Verpflichtung gegenüber den Menschen in Russland, dafür Sorge zu tragen, dass von deutschem Boden Friedenspolitik ausgeht. Frieden in Europa und der Welt kann es nur mit und nicht gegen Russland geben! Dieses Prinzip kann es nur miteinander und nicht gegeneinander geben. Russland ist zweifellos eine Großmacht und betreibt dementsprechend Interessenpolitik. Es ist aber vor allem die Politik der NATO mit ihrer Ausdehnung bis an die Grenzen Russlands, die die Konfrontation vorantreibt. Gleichzeitig handelt sie damit im Widerspruch zum 2+4-Vertrag.Auch das zur Zeit stattfindende Großmanöver “Defender 2021“, bei dem die NATO 30.000 Soldaten in Nachbarländern Russlands und im Schwarzen Meer aufmarschieren lässt, verstößt gegen das Prinzip der gemeinsamen Sicherheit. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Im Interesse der Fortexistenz der Menschheit muss dieKonfrontations-Strategie der NATO beendet werden, bevorsie in einen großen Krieg gegen Russland mündet und zum atomaren Weltkrieg eskaliert. Das EUCOM in S-Vaihingen spielt bei den Kriegsplanungen der NATO als US-Kommando-Zentrale für ganz Europa eine entscheidende Rolle.

Deshalb fordern wir:

  • Eine neue Entspannungspolitik weltweit! Schluss mit dem militärischen Aufmarsch nach Osten. Deutschland muss raus aus dieser selbstmörderischen Nato-Strategie!
  • Beendet den atomaren Wahnsinn! Beitritt Deutschlands zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag und Initiativen zu seiner Durchsetzung! Schluss mit der „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands an US-Atomwaffen in Büchel in Rheinland-Pfalz! Keine neuen Atombomber für die Bundeswehr!
  • Abrüsten statt aufrüsten! 53 Milliarden brauchen wir nicht für die Rüstung, sondern für Soziales, Gesundheit und Bildung!
  • Schließung der US-Kommandozentralen EUCOM und AFRICOM in Stuttgart!
  • Dies sind auch die Forderungen, die wir als Kriterien für alle Kandidat*innen zur Bundestagswahl anlegen. Keine Stimme für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung!

Lothar Letsche,Historiker, VVN zu historischen Aspekten und Hintergünden des Überfalls

Günther Baltz, evangelischer Pfarrer i.R., spricht über die Verantwortung der Christen für den Frieden, die sich aus ihrem Versagen während des Deutschen Faschismus ergibt

Jürgen Wagner,Informationsstelle Militarisierung (IMI) Tübingen, zur friedenspolit. Aktualität und der heutigen Friedensbedrohung

Cuno Brune-Hägele,Geschäftsführer ver.di Stuttgart, zu Gewerkschaf- ten und Friedenspolitik

Musik und Begleitung: „Die Marbacher“

WEITERE VERANSTALTUNGEN:

Aktion der DKP am 22.6. um 15.00 Uhr

Kranzniederlegung auf dem Hauptfriedhof
(Steinhaldenfeld) in Bad Cannstatt an der Grabstätte für sowjetische Kriegsgefangene und sowjetische Zwangsarbeiter.
17.00 Uhr Kundgebung beim Denkmal für die Zwangsarbeiter von Daimler in der Nähe des Museums Mercedes-Jellinek-Straße,gegenüber der smart-Niederlassung

Die“ Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber“ bereitet eine Veranstaltung mit dem Historiker und Autor Erich Später vor:
Darstellung der Ereignisse 1941 und die Bedeutung in der Gegenwart.( Erich Später ist Geschäftsführer der Heinrich-Böll- Stiftung in Saarbrücken, veröffentlicht u.a. in „konkret“) Termin steht nicht fest, voraussichtlich noch im Sommer.

Näheres unter: www.hotel-silber.de

Rundgang zum Thema „Zwangsarbeiter/innen während der NS-Zeit in Stuttgart – Zuffenhausen“ Veranstalter: Friedenstreff Stuttgart Nord und Zukunftswerkstatt e.V.

24. Juni 2021, Beginn 18 Uhr (Dauer des Rundgangs 60 – 90 Minuten) Treffpunkt: Schlotwiese Zuffenhausen beim Denkmal für das Zwangsarbeiterlager (Hirschsprungallee 16 – 18, Bus Nr. 99, Haltestelle Schlotwiese)

Da noch nicht bekannt ist, wie bis dahin die Corona-Regelungen sind, bitten wir um Anmeldung unter kontakt@friedenstreff-nord.de, wir werden dann vorab alle über ggf. notwendige Maßnahmen

informieren

Aufruf zur Gedenkkundgebung Lilo Herrmann

17. Juni 2021

Gedenkkundgebung am So., 20. Juni 2021 – 15 Uhr am Gedenkstein Lilo Herrmann im Unipark Stadtmitte

Nicht nur in Zeiten des Rechtsrucks ist es wichtig, den antifaschistischen Kampf aktiv zu führen. Für uns heißt das neben der Organisation von Protesten gegen rechte Akteure, Bekämpfung von Rassismus im Alltag und Aufklärung über die Zuspitzung der herrschenden Verhältnisse auch, dass wir auf diejenigen Bezug nehmen, die bereits vor uns eben diesen Kampf geführt haben. Die Erinnerung an diejenigen lebendig zu halten, die damals ihr Leben riskierten im Kampf für eine Welt ohne Krieg und Faschismus ist unsere Pflicht.

Daher erinnern wir am 20. Juni an Liselotte Herrmann
Lilo wuchs in Stuttgart auf und war schon in ihrer Jugend politisch aktiv. Als Studentin wurde sie aufgrund ihrer kommunistischen Überzeugung von der Uni suspendiert. Daraufhin arbeitete sie im Büro ihres Vaters hier in Stuttgart und war clandestin für die KPD aktiv und schmuggelte Kriegspläne in die Schweiz. In Schutzhaft und im Verhör in der Gestapo-Zentrale Hotel Silber verlor sie kein Wort über die Strukturen des „Abwehrapparates“ der KPD.

Aufgrund ihres Widerstandes wurde sie im Juni 1937 in Berlin als erste Frau wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 20. Juni in Plöttensee hingerichtet.

Um an Lilo und ihren entschlossenen Kampf zu erinnern findet am 20. Juni 2021 um 16 Uhr eine Kundgebung am von Studierenden der Uni Stuttgart 1988 illegal errichteten Gedenkstein statt.

Erinnern heißt kämpfen!

Aufruf von:
AABS, Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart,
DKP,
Linkes Zentrum Lilo Herrmann
VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Stuttgart

Heinz Hummlers Ansprache am 76. Jahrestag der Befreiung

11. Mai 2021

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Gedenkveranstaltung.

Heute ist der 76. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus in ganz Europa. Am 8. Mai 1945 siegte die Anti-Hitler-Koalition über Nazi-Deutschland und beendete damit den vom deutschen Faschismus entfesselten 2. Weltkrieg.

Für Millionen Menschen kam dieser Tag zu spät. Juden , Sinti und Roma, politische Gegner aus humanistischer, kommunistischer, sozialdemokratischer oder christlicher Überzeugung, Homosexuelle, Behinderte, sowjetische und polnische Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge aus ganz Europa waren bis dahin in den Vernichtungslagern der Nazis und von der Nazi-Justiz gequält und ermordet worden.

Befreiend war dieser Tag, nicht nur für die aus Konzentrations- und Vernichtungslagern befreiten Männer, Frauen und Kinder, erlösend war er auch für unzählige Menschen, hier und in den von der deutschen Wehrmacht okkupierten Ländern, die aus Kellern und Bunkern hervor kriechen konnten, um nach ihren Lieben zu suchen oder sie wenigstens beerdigen zu können, die froh waren, das Inferno des Krieges überlebt zu haben.

Ich bin mir bewusst dass ich heute über Vorgänge aus unserer Geschichte rede, welche viele vergessen wollen, manche verdrängt und etliche nie gehört haben.

Die diesjährige Veranstaltungsreihe beginnt hier an einem Ort an dem die Justiz der Nazis während des II. Weltkrieges mehrere hundert Menschen aus nichtigen Gründen umbringen ließ. Im Hof dieses Gerichtes starben über 450 Menschen aus vielen Ländern Europas unter der immer wieder extra dafür aufgestellten Guillotine.

Zum Bedauern der Hinterbliebenen ist die hier an der Mauerkrone eingemeiselte Inschrift der einzige vage öffentliche Hinweis auf die hier im Hause stattgefundenen Verbrechen. Erst seit dem Jahr 2019, also 74 Jahre nach Kriegsende, gibt es wenigstens im Innern eine Dauerausstellung „NS-Jusiz in Stuttgart“.

Übertroffen wird diese Verniedlichung von Naziverbrechen für mich allerdings bei weitem durch das was ich beim Besuch der Hinrichtungsstätte meines Vaters in der so genannten Nachwendezeit im Zuchthaus Brandenburg-Görden erleben musste. In dieser, sich noch im Betrieb befindlichen JVA war es nur möglich, nach besonderer Anmeldung, die innerhalb liegende Gedenkstätte in Begleitung eines Betreuers zu besuchen.

Dort wurden bis Ende April 1945 1722 Nazi-Gegner umgebracht.

Vor der JVA kein Hinweis auf die Gedenkstätte mit dem noch vorhandenen Fallbeil. Dafür steht aber, an öffentlich zugänglicher Stelle vor dem Tor eine Tafel mit der Inschrift „Den Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft 1945 – 1989“.

Ich war empört über diese Art von Nicht-Aufarbeitung der Nazivergangenheit, zugunsten des aktuellen politischen Main-Streams.

Dazu ein weiteres Beispiel:

Alle in Stuttgart beteiligten Richter wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in Spruchkammerverfahren entlastet oder als Mitläufer qualifiziert und machten abermals Karriere im Justizdienst. Die einzige Ausnahme war der zu 6 Jahren Zuchthaus verurteile Vorsitzende des hier ansässigen Sondergerichts, Hermann Cuhorst, unter dem über 200 Todesurteile verhängt und vollstreckt wurden. Aber schon 1950 wurde er unter der Adenauer-Regierung begnadigt .

Wir wissen, dass das was hier geschah nur einen kleinen, ja fast winzig kleinen Teil der Verbrechen umfasste, welche im Namen Deutschlands von den Nazis begangen wurden. Manche der Opfer konnten es kaum fassen, warum und wofür sie umgebracht werden sollten. Viele verbanden aber auch ihren Tod mit der Hoffnung auf ein besseres Deutschland nach dem Ende der Nazi-Diktatur.

So schrieb mein Vater vor seiner Hinrichtung in einem letzten Brief an meine Mutter: „Wenn dann eine andere Zeit kommt, dann weißt Du ja, wohin Du Dich wenden musst und kannst sagen für was ich gefallen bin und es wird Dir bestimmt Hilfe“.

Mehr als 55 Millionen Tote sind eine Bilanz, die alle bisherigen Dimensionen sprengt, weshalb dieser Tag nie vom bedeutsamsten Platz in der Skala unserer Erinnerungen verdrängt werden darf. Die Überlebenden des KZs Buchenwald schworen am 19. April 1945 nach ihrer Befreiung auf dem Appellplatz des KZs:

Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig“

Dieser Erklärung folgte keine wie auch immer geartete Aufarbeitung. Im Gegenteil – schon wenige Jahre später wurden in der BRD Verfolgte des Naziregimes von dem, aus ehemaligen Nazis gebildeten sogenannten Verfassungsschutz beobachtet und von einer ohne Unterbrechung weiterbestehenden Justiz wegen ihrer politischen Gesinnung verfolgt.

„Über den 8. Mai wissen viele Deutschen nichts“ stand vor einigen Jahren in den Stuttgarter Nachrichten.

Ja woran liegt das nur? Wer hat es ihnen verschwiegen? Die Schule? Die Medien? Die Politik? Und warum ist der Tag der Befreiung noch immer kein Feiertag?

Die 12 Jahre Naziherrschaft in Deutschland waren kein Betriebsunfall und erst recht kein Vogelschiss in der deutschen Geschichte. Hitlerdeutschland war nicht ein Unrechtsstaat wie jeder andere x-beliebige.

Der von den Nazis geplante und angefangene II. Weltkrieg mit zig Millionen Toten, die systematische Liquidierung von über 6 Millionen Menschen in den Gasöfen der Vernichtungslager, die gezielte Ausrottung von Hunderttausenden Andersdenkenden, Andersartigen oder Andersgläubigen, sind das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit.

Deshalb kommt auch jeder Vergleich mit anderen Exzessen nur einer Verharmlosung des deutschen Faschismus gleich.

Als die Nazi-Justiz meinen Vater und seinen Freund Max Wagner zum Tode verurteilte, erhielten wir die Todesnachricht mit dem Vermerk „Die Veröffentlichung einer Traueranzeige ist nicht erlaubt“. Für mich, den damals 12-jährigen Jungen war dies der endgültige Offenbarungseid eines Regimes von Verbrechern.

Die deutsche Justiz aber, genauer gesagt die bundesdeutsche Justiz, hat nie die Konsequenzen aus ihren Untaten während der Naziherrschaft gezogen. Kein einziger Nazi-Jurist, und auf das Konto der Nazijustiz gehen 60- bis 80-Tausend Todesurteile, wurde jemals von einem bundesdeutschen Gericht für seine Untaten belangt! Dies aufzuarbeiten ist dringend notwendig, Gerade wir Deutschen dürfen es nicht dulden, dass nur dem Teil unserer Vergangenheit Beachtung geschenkt wird, der den in unserem Land Herrschenden genehm ist? Die erste Schlussfolgerung an diesem Jahrestag kann nur heißen:

NIE WIEDER FASCHISMUS!

Als 9-jähriger Bub erlebte ich,wie in den Sondermeldungen im Radio am 22. Juni 1941 behauptet wurde, die deutsche Wehrmacht hätte. um einem plötzlichen russischen Angriff zuvorzukommen mit dem Einmarsch in die Sowjetunion begonnen.

Nachdem 1940 noch gesungen wurde: Siegreich wolln wir Frankreich schlagen, sterben als ein tapferer Held, sang man im Radio jetzt: Von Finnland bis zu Schwarzen Meer, vorwärts nach Osten du stürmend Heer – Führer befiehl wir folgen dir.

Seit diesem Sommer 1941, also seit nunmehr bald 80 Jahren, beginnend mit den Nazis, behaupten die jeweils Regierenden hierzulande, die Russen würden bei uns bedrohen und wollten bei uns einmarschieren.

Mit dieser Begründung wurde die Bundeswehr geschaffen, ging man in die NATO, führte als Teil dieser Nato einen Angriffskrieg auf das damalige Rest-Jugoslawien, obwohl unser Grundgesetz genau einen solchen ausdrücklich verbietet.

Die Gefahr, dass die militärische Umzingelung Russlands und Chinas und das Kriegsgeschrei der Nato zu einem neuen Krieg führen kann, steigt von Tag zu Tag.

Kriege brechen nicht aus, etwa wie ein Vulkan ausbricht. Man schliddert auch nicht nur so mal hinein, sondern Kriege werden geplant und sie werden aus meist durchsichtigen Gründen planmäßig angefangen, und Menschen kommen darin nicht einfach nur um, sie werden vorsätzlich umgebracht

Der erste Weltkrieg war schon lange vorbereitet als die Schüsse in Sarajewo fielen. Hitler hatte seinen Krieg schon mit dem Eingreifen der Legion Condor in Spanien, der Annektierung Österreichs und der Besetzung der Tschechoslowakei – übrigends mit Duldung der Westmächte, und lange vor dem angeblichen polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz geplant.

Der von den USA ausgelöste Tonking-Zwischenfall vor Vietnam, die angeblich aus Brutkästen gerissenen Kinder in Kuweit, die erfundenen Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein, die Kriegslügen reihen sich aneinander wie Perlen an einer Schnur.

Seit mehr als 70 Jahren gilt bei uns nun das Grundgesetz. Darin steht: Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Da fragt man sich, in welchem Gesetz die Strafe für das Führen eines Krieges festgelegt ist, wenn schon die Vorbereitung strafbar sein soll.

Alle Regierungen, welche die BRD je hatte haben bisher diesen Verfassungs-Auftrag ignoriert.

Und das Bundesverfassungsgericht hat nie einen Termin für ein solches Gestz verlangt. Für das Verbot der KPD, in der viele der Naziopfer organisiert waren, und die konsequent gegen die Wiederaufrüstung kämpfte, war es allerdings der Regierung Adenauer schon zu Diensten. Die zweite Forderung an diesem Tag ist deshalb:

NIE WIEDER KRIEG !

Die Verbrechen des deutschen Faschismus, seine Ideologie der Vernichtung seiner politischen Gegner, der Liquidierung Andersrassischer, der Versklavung so genannter Untermenschen und der Entfesselung eines Weltkrieges mit dem Ziel des Sieges der sich selbst ernannten Herrenmenschen, dürfen nicht länger bagatellisiert und mit dem Mantel des Vergessens zugedeckt werden.

Als Sohn eines von der Nazi-Justiz zum Tode verurteilten und hingerichteten Widerstandskämpfers, dem das Andenken an seinen Vater Verpflichtung ist, komme ich nicht umhin festzustellen, dass nicht nur die Rolle der deutschen Justiz bei den Verbrechen der Nazis immer ausgeblendet, sondern der politische Widerstand dagegen immer stärker kriminalisiert wird, um so Rechts und Links gleich zu setzen.

Dies unter dem Begriff des Extremismus zu verstecken, wirkt, bezogen auf den deutschen Faschismus und dessen Geisteshaltung, nicht anders als verharmlosend.

Faschismus war und ist keine Meinung, und schon gar keine auf die man einen Rechtsanspruch hat,

Faschismus – und das hat er mit den 55 Millionen Toten bewiesen – ist das organisierte Verbrechen.

Dies ist mit nichts Anderem vergleichbar!

Und seine Protagonisten waren, sind und bleiben Verbrecher.

Die Erinnerung daran wurde so gut wie nie von Regierungen oder Parlamenten betrieben oder aufrechterhalten, sondern blieb Einzelinitiativen überlassen.

Und die mussten immer darum kämpfen.

Das war so beim Mahnmal am Alten Schloss,

bei der Inschrift hier am Landgericht

bei den Stolpersteinen,

beim Deserteursdenkmal

und beim Hotel Silber.

Der größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts, Berthold Brecht,schrieb 1952:

Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen,
damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!
Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!“

Wir mahnen hier und heute, an diesem 8. Mai:den in den Öfen von Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern verbrannten Menschen,

den massakrierten Geiselopfern von Sant’Anna di Stazzema in Italien,

um nur eines von Hunderten Massakern der Nazi-Wehrmacht zu nennen,

den in der Atomhölle von Hiroshima zerschmolzenen Frauen, Kindern, Greisen,

den europaweit wegen ihres Widerstands gegen den Faschismus Ermordeten aus allen Ländern,

können wir nur gerecht werden,

wenn wir lauter als je zuvor,

immer und überall in unserem Land sagen und verlangen:

Nie mehr und nirgendwo – weder Faschismus noch Krieg

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