Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus in Karlsruhe

4. November 2021

Sonntag, den 21. November 2021 (Totensonntag), 11.00 Uhr

Treffpunkt: 10.45 Uhr am Eingang des Hauptfriedhofs Haid-und Neu-Str. 35/39

Ansprachen

  • Dieter Behringer, Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis
  • Fredrik Mikaelsson, VVN – Bund der Antifaschist*innen Karlsruhe

Kranzniederlegung

  • am Mahnmal für Euthanasieopfer am Gedenkstein für die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter
  • Musik Helmut Ciesla (Trompete)

Wir laden alle Mitglieder und FreundInnen der VVN – Bund der AntifaschistInnen, alle FriedensfreundInnen, DemokratInnenen und demokratischen Organisationen zu dieser Gedenkveranstaltung ein.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Kreisvereinigung Karlsruhe

Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Pflicht

3. November 2021

,

Sonntag, 14. November 2021, 12 Uhr

Gedenkfeier auf dem Feuerbacher Friedhof am Mahnmal für die Opfer des Faschismus

Das Mahnmal steht seit 1947 auf dem Feuerbacher Friedhof. Jedes Jahr findet eine Erinnerung an die Opfer statt, die uns allen Mahnung sein soll, dass nie wieder passiert, was damals geschah.

Interessierte sind herzlich eingeladen zur Teil-nahme an der Gedenkfeier der VVN, Vereini-gung der Verfolgten des Naziregimes, unter Mitwirkung des Friedenstreffs Stuttgart-Nord.

Die Gedenkrede hält dieses Jahr der Zeitzeuge Heinz Hummler, dessen Vater als Widerstands-kämpfer 1944 im Zuchthaus Brandenburg hin-gerichtet wurde.

Anfahrt nach Feuerbach mit S4, S5, S6.

Bus Nr. 91 ab Bahnhof Feuerbach um 11.10 Uhr zum Friedhof Feuerbach.

Gedenkveranstaltung an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt

2. November 2021

Dienstag, 9. November 2021 um 18.00 Uhr auf dem Cannstatter Marktplatz

Bündnis zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen im gesamten Deutschen Reich sowie in Österreich und in der Tschechoslowakei.
Angezündet von SA und SS, organisiert, vorbereitet und angeleitet von Partei, Regierung und Behörden des faschistischen Staates. Am nächsten Tag wurden mehr als 7.000 jüdische Geschäfte geplündert, zehntausende jüdische Menschen verhaftet und über 100 ermordet. Die Polizei verschleppte 26.000 jüdische Männer aus ganz Deutschland vor allem in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald.

Die Pogromnacht in Stuttgart

In Stuttgart legte der Branddirektor, in zivil und ausgestattet mit einem Eimer Waschbenzin, selbst den Brand; in Cannstatt war es der Leiter der Feuerwache. Fast alle männlichen Stuttgarter Juden zwischen 18 und 65 Jahren wurden verhaftet, auch Kranke und Jugendliche unter 18 Jahren.
Das jüdische Ehepaar Karl und Emilie Oppenheimer wohnte in der Daimlerstraße 56, nur 100 m von der Cannstatter Synagoge entfernt. Nach der Pogromnacht erließ der NS-Staat die „Judenvermögensabgabe“, mit der die jüdischen Menschen gezwungen wurden, den Schaden des Staatsterrors in der Pogromnacht selbst zu bezahlen. Allein den Oppenheimers wurden mit dieser Zwangsmaßnahme 7.800.- Reichsmark geraubt, die in Wirklichkeit von den Faschisten zur Vorbereitung ihrer Kriege benötigt wurden. Am 26. April 1942 wurden sie vom Stuttgarter Nordbahnhof in überfüllten Waggons ins KZ Theresienstadt deportiert und mussten für ihr „Altersghetto“ Theresienstadt 2.000.- Reichsmark Eintrittsgeld zahlen und für fünf Jahre im Voraus 180.- Reichsmark Pflegegeld je Monat. Ein halbes Jahr später starb Karl Oppenheimer, seine Frau wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und überlebte dies nicht.

Die Gedenkreden werden gehalten von:

  • Julia Friedrich, Geschäftsführerin DGB Ba.-Wü.
  • Ulrich Schneider, (Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer)
  • Stuttgarter Jugendlichen aus verschiedenen Jugendorganistionen
  • Einem/einer Vertreter/in des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Stuttgart und Region (AABS)

Kulturprogramm:

  • Freier Chor Stuttgart mit jüdischen und antifaschistischen Liedern

Anschließend gemeinsamer Zug zum Platz der ehemaligen Synagoge – 19.00 Uhr Kranzniederlegung

Es gelten die Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht

Im Anschluss:

Antisemitismus – Von der Ausgrenzung zum Völkermord!

Lesung mit Ulrich Schneider aus seinem aktuellen Buch „Antisemitismus im Dritten Reich – Von der Ausgrenzung zum Völkermord“

Yidishe Lieder mit Albert Kunze (Gesang) und Vladimir Romanov (Klavier).

19.30 Uhr im Verwaltungsgebäude des Bezirksrathauses – Marktplatz 10, 70372 Cannstatt

Der Antisemitismus war keine Erfindung der Nazis. Er hatte seine Vorläufer und wurde von diesen ins Extreme gesteigert. Der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Isolierung schon zu Beginn des „Dritten Reichs“, der Entrechtung durch die „Nürnberger Rassegesetze“ von 1935 und der damit verbundenen „Arisierung“ der Wirtschaft und Säuberung des Kulturlebens folgten die Novemberpogrome von 1938 sowie der forcierte Raub jüdischen Eigentums und mit dem Krieg die Ghettoisierung und Deportation in den Osten. Dieser Prozess kulminierte schließlich in der „Endlösung der Judenfrage“ durch die Massenvernichtung. Ulrich Schneider ordnet die Judenverfolgung in die Gesamtpolitik des deutschen Faschismus ein: politische und gesellschaftliche Gleichschaltung als Voraussetzung kriegerischer Expansion zur Realisierung internationaler Vorherrschaft.

Ulrich Schneider ist Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer FIR

Der Yidish-Forscher und Hobbysänger Albert Kunze hat sich mit dem Profipianisten und Komponisten Vladimir Romanov zusammengetan, um yidishe Lyrik und Klezmersongs zu erarbeiten. Die beiden am festival yidishe muzik Beteiligten, das am Samstag, 27.11.2021 zum 4. Mal stattfindet, werden yidish-sprachige Gedichte und Lieder vortragen, darunter Lieblingsstücke von der leider dieses Jahr verstorbenen Esther Bejarano.

Für die Abendveranstaltung im Rathaus gilt die 2G-Regel, eine Anmeldung ist erforderlich unter www.pogromnachtcannstatt.wordpress.com. Dort stehen auch weitere Informationen zur Verfügung.

80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Feutschlands auf die SOWJETUNION

17. Juni 2021

KUNDGEBUNG AMSAMSTAG, DEN 26. JUNI UM 15:00 UHR AUF DEM SCHILLERPLATZ IN STUTTGART

Am 22.6.1941 überfiel die deutsche Wehrmacht mit 5 Millionen Soldaten die Sowjetunion – unter Bruch des erst zwei Jahre zuvor bgeschlossenen Nichtangriffsvertrags. Die Nazi-Truppen überrannten die Verteidigungsstellungen der Sowjetunion, töteten bereits in den ersten Monaten Millionen sowjetischer Soldaten und Zivilisten oder verschleppten sie als Arbeitssklaven. Doch imNov./Dez. 1941 wurde der Vormarsch vor Moskau gestoppt und zurückgeworfen. Ein Jahr später besiegelte dann die vernichtende Niederlage in Stalingrad die Wende des 2. Weltkriegs

Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Kampfs gegen den Faschismus!

Der Nazi-Faschismus verfolgte als Haupt-Kriegsziele die Vernichtung des Sozialismus (Nazi-Jargon: „jüdischer Bolschewismus“) und die Eroberung riesiger Gebiete in Osteuropa bis zum Ural als neues Kolonialreich („Lebensraum im Osten“) sowie die Versklavung des russischen und anderer Völker der Sowjetunion („Untermenschen“). Dieser Krieg kostete 27 Millionen Menschen der Sowjetunion ihr Leben, davon fast die Hälfte Zivilisten, Kinder, Frauen, Alte … Über 3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene wurden entweder direkt oder durch Zwangsarbeit, v.a. in der deutschen Rüstungsindustrie, ermordet. Riesige materielle Zerstörungen sowjetischer Städte/ Dörfer/ Infrastruktur wurden bewusst angerichtet („verbrannte Erde“) … Neben den anderen Armeen der Anti-Hitler-Koalition war es v.a. die Rote Armee, die nicht nur ihr eigenes Land befreite, sondern wesentlich zur Befreiung Europas und der ganzen Welt von der faschistischen Geisel beitrug. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg Nie wieder sollte Krieg von deutschem Boden ausgehen: Das war nach 1945 Konsens in der deutschen Bevölkerung. Wir haben heute die besondere Verpflichtung gegenüber den Menschen in Russland, dafür Sorge zu tragen, dass von deutschem Boden Friedenspolitik ausgeht. Frieden in Europa und der Welt kann es nur mit und nicht gegen Russland geben! Dieses Prinzip kann es nur miteinander und nicht gegeneinander geben. Russland ist zweifellos eine Großmacht und betreibt dementsprechend Interessenpolitik. Es ist aber vor allem die Politik der NATO mit ihrer Ausdehnung bis an die Grenzen Russlands, die die Konfrontation vorantreibt. Gleichzeitig handelt sie damit im Widerspruch zum 2+4-Vertrag.Auch das zur Zeit stattfindende Großmanöver “Defender 2021“, bei dem die NATO 30.000 Soldaten in Nachbarländern Russlands und im Schwarzen Meer aufmarschieren lässt, verstößt gegen das Prinzip der gemeinsamen Sicherheit. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Im Interesse der Fortexistenz der Menschheit muss dieKonfrontations-Strategie der NATO beendet werden, bevorsie in einen großen Krieg gegen Russland mündet und zum atomaren Weltkrieg eskaliert. Das EUCOM in S-Vaihingen spielt bei den Kriegsplanungen der NATO als US-Kommando-Zentrale für ganz Europa eine entscheidende Rolle.

Deshalb fordern wir:

  • Eine neue Entspannungspolitik weltweit! Schluss mit dem militärischen Aufmarsch nach Osten. Deutschland muss raus aus dieser selbstmörderischen Nato-Strategie!
  • Beendet den atomaren Wahnsinn! Beitritt Deutschlands zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag und Initiativen zu seiner Durchsetzung! Schluss mit der „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands an US-Atomwaffen in Büchel in Rheinland-Pfalz! Keine neuen Atombomber für die Bundeswehr!
  • Abrüsten statt aufrüsten! 53 Milliarden brauchen wir nicht für die Rüstung, sondern für Soziales, Gesundheit und Bildung!
  • Schließung der US-Kommandozentralen EUCOM und AFRICOM in Stuttgart!
  • Dies sind auch die Forderungen, die wir als Kriterien für alle Kandidat*innen zur Bundestagswahl anlegen. Keine Stimme für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung!

Lothar Letsche,Historiker, VVN zu historischen Aspekten und Hintergünden des Überfalls

Günther Baltz, evangelischer Pfarrer i.R., spricht über die Verantwortung der Christen für den Frieden, die sich aus ihrem Versagen während des Deutschen Faschismus ergibt

Jürgen Wagner,Informationsstelle Militarisierung (IMI) Tübingen, zur friedenspolit. Aktualität und der heutigen Friedensbedrohung

Cuno Brune-Hägele,Geschäftsführer ver.di Stuttgart, zu Gewerkschaf- ten und Friedenspolitik

Musik und Begleitung: „Die Marbacher“

WEITERE VERANSTALTUNGEN:

Aktion der DKP am 22.6. um 15.00 Uhr

Kranzniederlegung auf dem Hauptfriedhof
(Steinhaldenfeld) in Bad Cannstatt an der Grabstätte für sowjetische Kriegsgefangene und sowjetische Zwangsarbeiter.
17.00 Uhr Kundgebung beim Denkmal für die Zwangsarbeiter von Daimler in der Nähe des Museums Mercedes-Jellinek-Straße,gegenüber der smart-Niederlassung

Die“ Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber“ bereitet eine Veranstaltung mit dem Historiker und Autor Erich Später vor:
Darstellung der Ereignisse 1941 und die Bedeutung in der Gegenwart.( Erich Später ist Geschäftsführer der Heinrich-Böll- Stiftung in Saarbrücken, veröffentlicht u.a. in „konkret“) Termin steht nicht fest, voraussichtlich noch im Sommer.

Näheres unter: www.hotel-silber.de

Rundgang zum Thema „Zwangsarbeiter/innen während der NS-Zeit in Stuttgart – Zuffenhausen“ Veranstalter: Friedenstreff Stuttgart Nord und Zukunftswerkstatt e.V.

24. Juni 2021, Beginn 18 Uhr (Dauer des Rundgangs 60 – 90 Minuten) Treffpunkt: Schlotwiese Zuffenhausen beim Denkmal für das Zwangsarbeiterlager (Hirschsprungallee 16 – 18, Bus Nr. 99, Haltestelle Schlotwiese)

Da noch nicht bekannt ist, wie bis dahin die Corona-Regelungen sind, bitten wir um Anmeldung unter kontakt@friedenstreff-nord.de, wir werden dann vorab alle über ggf. notwendige Maßnahmen

informieren

Aufruf zur Gedenkkundgebung Lilo Herrmann

17. Juni 2021

Gedenkkundgebung am So., 20. Juni 2021 – 15 Uhr am Gedenkstein Lilo Herrmann im Unipark Stadtmitte

Nicht nur in Zeiten des Rechtsrucks ist es wichtig, den antifaschistischen Kampf aktiv zu führen. Für uns heißt das neben der Organisation von Protesten gegen rechte Akteure, Bekämpfung von Rassismus im Alltag und Aufklärung über die Zuspitzung der herrschenden Verhältnisse auch, dass wir auf diejenigen Bezug nehmen, die bereits vor uns eben diesen Kampf geführt haben. Die Erinnerung an diejenigen lebendig zu halten, die damals ihr Leben riskierten im Kampf für eine Welt ohne Krieg und Faschismus ist unsere Pflicht.

Daher erinnern wir am 20. Juni an Liselotte Herrmann
Lilo wuchs in Stuttgart auf und war schon in ihrer Jugend politisch aktiv. Als Studentin wurde sie aufgrund ihrer kommunistischen Überzeugung von der Uni suspendiert. Daraufhin arbeitete sie im Büro ihres Vaters hier in Stuttgart und war clandestin für die KPD aktiv und schmuggelte Kriegspläne in die Schweiz. In Schutzhaft und im Verhör in der Gestapo-Zentrale Hotel Silber verlor sie kein Wort über die Strukturen des „Abwehrapparates“ der KPD.

Aufgrund ihres Widerstandes wurde sie im Juni 1937 in Berlin als erste Frau wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 20. Juni in Plöttensee hingerichtet.

Um an Lilo und ihren entschlossenen Kampf zu erinnern findet am 20. Juni 2021 um 16 Uhr eine Kundgebung am von Studierenden der Uni Stuttgart 1988 illegal errichteten Gedenkstein statt.

Erinnern heißt kämpfen!

Aufruf von:
AABS, Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart,
DKP,
Linkes Zentrum Lilo Herrmann
VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Stuttgart

Heinz Hummlers Ansprache am 76. Jahrestag der Befreiung

11. Mai 2021

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Gedenkveranstaltung.

Heute ist der 76. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus in ganz Europa. Am 8. Mai 1945 siegte die Anti-Hitler-Koalition über Nazi-Deutschland und beendete damit den vom deutschen Faschismus entfesselten 2. Weltkrieg.

Für Millionen Menschen kam dieser Tag zu spät. Juden , Sinti und Roma, politische Gegner aus humanistischer, kommunistischer, sozialdemokratischer oder christlicher Überzeugung, Homosexuelle, Behinderte, sowjetische und polnische Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge aus ganz Europa waren bis dahin in den Vernichtungslagern der Nazis und von der Nazi-Justiz gequält und ermordet worden.

Befreiend war dieser Tag, nicht nur für die aus Konzentrations- und Vernichtungslagern befreiten Männer, Frauen und Kinder, erlösend war er auch für unzählige Menschen, hier und in den von der deutschen Wehrmacht okkupierten Ländern, die aus Kellern und Bunkern hervor kriechen konnten, um nach ihren Lieben zu suchen oder sie wenigstens beerdigen zu können, die froh waren, das Inferno des Krieges überlebt zu haben.

Ich bin mir bewusst dass ich heute über Vorgänge aus unserer Geschichte rede, welche viele vergessen wollen, manche verdrängt und etliche nie gehört haben.

Die diesjährige Veranstaltungsreihe beginnt hier an einem Ort an dem die Justiz der Nazis während des II. Weltkrieges mehrere hundert Menschen aus nichtigen Gründen umbringen ließ. Im Hof dieses Gerichtes starben über 450 Menschen aus vielen Ländern Europas unter der immer wieder extra dafür aufgestellten Guillotine.

Zum Bedauern der Hinterbliebenen ist die hier an der Mauerkrone eingemeiselte Inschrift der einzige vage öffentliche Hinweis auf die hier im Hause stattgefundenen Verbrechen. Erst seit dem Jahr 2019, also 74 Jahre nach Kriegsende, gibt es wenigstens im Innern eine Dauerausstellung „NS-Jusiz in Stuttgart“.

Übertroffen wird diese Verniedlichung von Naziverbrechen für mich allerdings bei weitem durch das was ich beim Besuch der Hinrichtungsstätte meines Vaters in der so genannten Nachwendezeit im Zuchthaus Brandenburg-Görden erleben musste. In dieser, sich noch im Betrieb befindlichen JVA war es nur möglich, nach besonderer Anmeldung, die innerhalb liegende Gedenkstätte in Begleitung eines Betreuers zu besuchen.

Dort wurden bis Ende April 1945 1722 Nazi-Gegner umgebracht.

Vor der JVA kein Hinweis auf die Gedenkstätte mit dem noch vorhandenen Fallbeil. Dafür steht aber, an öffentlich zugänglicher Stelle vor dem Tor eine Tafel mit der Inschrift „Den Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft 1945 – 1989“.

Ich war empört über diese Art von Nicht-Aufarbeitung der Nazivergangenheit, zugunsten des aktuellen politischen Main-Streams.

Dazu ein weiteres Beispiel:

Alle in Stuttgart beteiligten Richter wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in Spruchkammerverfahren entlastet oder als Mitläufer qualifiziert und machten abermals Karriere im Justizdienst. Die einzige Ausnahme war der zu 6 Jahren Zuchthaus verurteile Vorsitzende des hier ansässigen Sondergerichts, Hermann Cuhorst, unter dem über 200 Todesurteile verhängt und vollstreckt wurden. Aber schon 1950 wurde er unter der Adenauer-Regierung begnadigt .

Wir wissen, dass das was hier geschah nur einen kleinen, ja fast winzig kleinen Teil der Verbrechen umfasste, welche im Namen Deutschlands von den Nazis begangen wurden. Manche der Opfer konnten es kaum fassen, warum und wofür sie umgebracht werden sollten. Viele verbanden aber auch ihren Tod mit der Hoffnung auf ein besseres Deutschland nach dem Ende der Nazi-Diktatur.

So schrieb mein Vater vor seiner Hinrichtung in einem letzten Brief an meine Mutter: „Wenn dann eine andere Zeit kommt, dann weißt Du ja, wohin Du Dich wenden musst und kannst sagen für was ich gefallen bin und es wird Dir bestimmt Hilfe“.

Mehr als 55 Millionen Tote sind eine Bilanz, die alle bisherigen Dimensionen sprengt, weshalb dieser Tag nie vom bedeutsamsten Platz in der Skala unserer Erinnerungen verdrängt werden darf. Die Überlebenden des KZs Buchenwald schworen am 19. April 1945 nach ihrer Befreiung auf dem Appellplatz des KZs:

Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig“

Dieser Erklärung folgte keine wie auch immer geartete Aufarbeitung. Im Gegenteil – schon wenige Jahre später wurden in der BRD Verfolgte des Naziregimes von dem, aus ehemaligen Nazis gebildeten sogenannten Verfassungsschutz beobachtet und von einer ohne Unterbrechung weiterbestehenden Justiz wegen ihrer politischen Gesinnung verfolgt.

„Über den 8. Mai wissen viele Deutschen nichts“ stand vor einigen Jahren in den Stuttgarter Nachrichten.

Ja woran liegt das nur? Wer hat es ihnen verschwiegen? Die Schule? Die Medien? Die Politik? Und warum ist der Tag der Befreiung noch immer kein Feiertag?

Die 12 Jahre Naziherrschaft in Deutschland waren kein Betriebsunfall und erst recht kein Vogelschiss in der deutschen Geschichte. Hitlerdeutschland war nicht ein Unrechtsstaat wie jeder andere x-beliebige.

Der von den Nazis geplante und angefangene II. Weltkrieg mit zig Millionen Toten, die systematische Liquidierung von über 6 Millionen Menschen in den Gasöfen der Vernichtungslager, die gezielte Ausrottung von Hunderttausenden Andersdenkenden, Andersartigen oder Andersgläubigen, sind das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit.

Deshalb kommt auch jeder Vergleich mit anderen Exzessen nur einer Verharmlosung des deutschen Faschismus gleich.

Als die Nazi-Justiz meinen Vater und seinen Freund Max Wagner zum Tode verurteilte, erhielten wir die Todesnachricht mit dem Vermerk „Die Veröffentlichung einer Traueranzeige ist nicht erlaubt“. Für mich, den damals 12-jährigen Jungen war dies der endgültige Offenbarungseid eines Regimes von Verbrechern.

Die deutsche Justiz aber, genauer gesagt die bundesdeutsche Justiz, hat nie die Konsequenzen aus ihren Untaten während der Naziherrschaft gezogen. Kein einziger Nazi-Jurist, und auf das Konto der Nazijustiz gehen 60- bis 80-Tausend Todesurteile, wurde jemals von einem bundesdeutschen Gericht für seine Untaten belangt! Dies aufzuarbeiten ist dringend notwendig, Gerade wir Deutschen dürfen es nicht dulden, dass nur dem Teil unserer Vergangenheit Beachtung geschenkt wird, der den in unserem Land Herrschenden genehm ist? Die erste Schlussfolgerung an diesem Jahrestag kann nur heißen:

NIE WIEDER FASCHISMUS!

Als 9-jähriger Bub erlebte ich,wie in den Sondermeldungen im Radio am 22. Juni 1941 behauptet wurde, die deutsche Wehrmacht hätte. um einem plötzlichen russischen Angriff zuvorzukommen mit dem Einmarsch in die Sowjetunion begonnen.

Nachdem 1940 noch gesungen wurde: Siegreich wolln wir Frankreich schlagen, sterben als ein tapferer Held, sang man im Radio jetzt: Von Finnland bis zu Schwarzen Meer, vorwärts nach Osten du stürmend Heer – Führer befiehl wir folgen dir.

Seit diesem Sommer 1941, also seit nunmehr bald 80 Jahren, beginnend mit den Nazis, behaupten die jeweils Regierenden hierzulande, die Russen würden bei uns bedrohen und wollten bei uns einmarschieren.

Mit dieser Begründung wurde die Bundeswehr geschaffen, ging man in die NATO, führte als Teil dieser Nato einen Angriffskrieg auf das damalige Rest-Jugoslawien, obwohl unser Grundgesetz genau einen solchen ausdrücklich verbietet.

Die Gefahr, dass die militärische Umzingelung Russlands und Chinas und das Kriegsgeschrei der Nato zu einem neuen Krieg führen kann, steigt von Tag zu Tag.

Kriege brechen nicht aus, etwa wie ein Vulkan ausbricht. Man schliddert auch nicht nur so mal hinein, sondern Kriege werden geplant und sie werden aus meist durchsichtigen Gründen planmäßig angefangen, und Menschen kommen darin nicht einfach nur um, sie werden vorsätzlich umgebracht

Der erste Weltkrieg war schon lange vorbereitet als die Schüsse in Sarajewo fielen. Hitler hatte seinen Krieg schon mit dem Eingreifen der Legion Condor in Spanien, der Annektierung Österreichs und der Besetzung der Tschechoslowakei – übrigends mit Duldung der Westmächte, und lange vor dem angeblichen polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz geplant.

Der von den USA ausgelöste Tonking-Zwischenfall vor Vietnam, die angeblich aus Brutkästen gerissenen Kinder in Kuweit, die erfundenen Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein, die Kriegslügen reihen sich aneinander wie Perlen an einer Schnur.

Seit mehr als 70 Jahren gilt bei uns nun das Grundgesetz. Darin steht: Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Da fragt man sich, in welchem Gesetz die Strafe für das Führen eines Krieges festgelegt ist, wenn schon die Vorbereitung strafbar sein soll.

Alle Regierungen, welche die BRD je hatte haben bisher diesen Verfassungs-Auftrag ignoriert.

Und das Bundesverfassungsgericht hat nie einen Termin für ein solches Gestz verlangt. Für das Verbot der KPD, in der viele der Naziopfer organisiert waren, und die konsequent gegen die Wiederaufrüstung kämpfte, war es allerdings der Regierung Adenauer schon zu Diensten. Die zweite Forderung an diesem Tag ist deshalb:

NIE WIEDER KRIEG !

Die Verbrechen des deutschen Faschismus, seine Ideologie der Vernichtung seiner politischen Gegner, der Liquidierung Andersrassischer, der Versklavung so genannter Untermenschen und der Entfesselung eines Weltkrieges mit dem Ziel des Sieges der sich selbst ernannten Herrenmenschen, dürfen nicht länger bagatellisiert und mit dem Mantel des Vergessens zugedeckt werden.

Als Sohn eines von der Nazi-Justiz zum Tode verurteilten und hingerichteten Widerstandskämpfers, dem das Andenken an seinen Vater Verpflichtung ist, komme ich nicht umhin festzustellen, dass nicht nur die Rolle der deutschen Justiz bei den Verbrechen der Nazis immer ausgeblendet, sondern der politische Widerstand dagegen immer stärker kriminalisiert wird, um so Rechts und Links gleich zu setzen.

Dies unter dem Begriff des Extremismus zu verstecken, wirkt, bezogen auf den deutschen Faschismus und dessen Geisteshaltung, nicht anders als verharmlosend.

Faschismus war und ist keine Meinung, und schon gar keine auf die man einen Rechtsanspruch hat,

Faschismus – und das hat er mit den 55 Millionen Toten bewiesen – ist das organisierte Verbrechen.

Dies ist mit nichts Anderem vergleichbar!

Und seine Protagonisten waren, sind und bleiben Verbrecher.

Die Erinnerung daran wurde so gut wie nie von Regierungen oder Parlamenten betrieben oder aufrechterhalten, sondern blieb Einzelinitiativen überlassen.

Und die mussten immer darum kämpfen.

Das war so beim Mahnmal am Alten Schloss,

bei der Inschrift hier am Landgericht

bei den Stolpersteinen,

beim Deserteursdenkmal

und beim Hotel Silber.

Der größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts, Berthold Brecht,schrieb 1952:

Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen,
damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!
Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!“

Wir mahnen hier und heute, an diesem 8. Mai:den in den Öfen von Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern verbrannten Menschen,

den massakrierten Geiselopfern von Sant’Anna di Stazzema in Italien,

um nur eines von Hunderten Massakern der Nazi-Wehrmacht zu nennen,

den in der Atomhölle von Hiroshima zerschmolzenen Frauen, Kindern, Greisen,

den europaweit wegen ihres Widerstands gegen den Faschismus Ermordeten aus allen Ländern,

können wir nur gerecht werden,

wenn wir lauter als je zuvor,

immer und überall in unserem Land sagen und verlangen:

Nie mehr und nirgendwo – weder Faschismus noch Krieg

Unser Auftrag: Antifaschismus! Solidarität! Frieden!

6. Mai 2021

8. Mai 2021 – 76. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg

Auch in Stuttgart wird den 76. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg gefeiert.

14.00 Uhr Auftakt Landgericht Stuttgart (Urbanstraße 20)

  • Redebeitrag von Heinz Hummler (Zeitzeuge, dessen Vater im Widerstand war und von den Faschisten ermordet wurde)
  • Redebeitrag vom AABS (Antifaschistisches Aktionsbündnis)

Demonstration

Zwischenkundgebung am Gedenkort Hotel Silber (ehemalige Gestapo-Zentrale)

  • Redebeitrag von Elke Banabak (Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.)

15.00 Uhr Abschlusskundgebung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Stauffenberg-Platz)

  • Redebeitrag von Martin Kunzmann (DGB-Landesvorsitzender)
  • Redebeitrag von Ilse Kestin (VVN-Landessprecherin)
  • Redebeitrag von Henning Zierock (Gesellschaft Kultur des Friedens)
  • Redebeitrag von Anthony Nicola Cipriano (SDAJ)
  • Kulturbeiträge: u.a. Theodorakis Ensemble mit Mauthausen-Kantate

Bitte haltet euch an die Hygiene- & Schutzmaßnahmen am Kundgebungsort, damit alle Interessierten an der Veranstaltung teilnehmen können!

Wir fordern: Der 8. Mai muss endlich Feiertag werden!

5. Mai 2021

Am 8. Mai 1945 wurde das Nazi-Regime durch den militärischen Sieg der Anti-Hitler-Koalition – der Streitkräfte der Alliierten, der Partisaninnen und Widerstandskämpferinnen – über die Wehrmacht zerschlagen. Wir erinnern an die Befreiung Europas vom deutschen Faschismus und an die Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an die mutigen Männer und Frauen die dem Nazi-Regime auch in Deutschland Widerstand geleistet haben.

Terrorherrschaft, Vernichtungskrieg und Völkermord hatten mehr als 60 Millionen Menschen das Leben gekostet. Ihrer aller gedenken wir an diesem Tag.

Wie in jedem Jahr finden in diesen Tagen viele Gedenkveranstaltungen statt, an denen wir uns nach Kräften beteiligen. Dabei ist uns wichtig, dass Erinnerung und Gedenken nicht folgenlos bleiben dürfen. Gemeinsam müssen wir Nazis und Rassist:innen entschieden entgegentreten – auf der Straße, in den Parlamenten und in den Institutionen!

· Gemeinsam mit den Angehörigen der Ermordeten von Hanau und anderer Opfer von Nazi-Gewalt fordern wir: Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen!

· Wir fordern systematische unabhängige Aufklärung über rechte Netzwerke in Polizei, Bundeswehr und Geheimdiensten.

· Wir fordern erneut das Verbot und die Auflösung aller (neo-)faschistischen Organisationen und die sofortige Auflösung von Ersatzorganisationen!

· Wir treten für die Stärkung der internationalen Institutionen ein, die nach der Niederringung des Naziregimes durch den Sieg der Anti-Hitler-Koalition entstanden sind, allen voran die UNO, in deren Vollversammlung jedes Land eine Stimme hat. Sie muss eine wichtige Rolle bei der Lösung aktueller und kommender Krisen und Konflikte spielen.

· Mit unseren Freund:innen in der FIR setzen wir uns ein für ein Europa, das für eine Friedenspolitik eintritt, die nicht auf hegemonialer Dominanz in der Außenpolitik, sondern auf nichtmilitärischer Konfliktlösung beruht. Das schließt die Militarisierung der EU aus.

· Wir fordern die Auslandseinsätze der Bundeswehr und den Export von Waffen, Waffentechnologie und -Fabriken zu beenden. Dies gilt auch für multinationale Produktionen.

· Wir fordern ein Ende der Abschottung Europas gegen Menschen auf der Flucht. Das beginnt mit der Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland in den Städten und Gemeinden, die sich dazu bereiterklärt haben, mit der Auflösung der Elendslager auf den Inseln und dem Verzicht auf Abschiebehaft. Frontex muss aufgelöst und durch Seenotrettung ersetzt werden.

· In einer Welt, in der alle Grenzen für Waren- und Kapitalverkehr offen stehen, müssen auch die Grenzen für Menschen in Not offen sein. Wir arbeiten mit allen zusammen, die dafür eintreten.

Für uns bleibt das Vermächtnis der Überlebenden der Konzentrationslager, wie sie es im „Schwur von Buchenwald“ formuliert haben: „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln, Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“, eine politische Verpflichtung für heute und morgen: einzutreten für umfassende politische und soziale Menschenrechte, für Frieden, Freiheit und Demokratie.

In diesem Sinne fordern wir gemeinsam mit unserer Ehrenpräsidentin Esther Bejarano:

„Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“

Mehr als 125.000 Menschen haben diesen Appell bereits unterstützt – es ist an der Zeit

Der 8. Mai muss Feiertag werden!

Wer unsere Forderung unterstützen will, kann hier die Petition unterschreiben: Change.org/8Mai

Am 8. Mai auf die Straße zum Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg!

5. Mai 2021

Die Parole lautet: Nie wieder Faschismus! – Nie wieder Krieg!
8. Mai 2021 – 76. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg

Kundgebung +++ Samstag, 8. Mai 2021 +++ 14 Uhr +++ Holzmarkt ,Tübingen

Am 8. Mai 1945 kapitulierte das faschistische Deutschland. Das besiegelte das Ende des 2. Weltkriegs in Europa sowie den Sieg der Roten Armee und der West-Alliierten. Es besiegelte die Befreiung der Bevölkerung vom faschistischen Terror und Krieg.

Der deutsche Faschismus, den seine Vertreter „Nationalsozialismus“ nannten, ist verantwortlich für die bisher größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte: Im Besonderen die systematische Vernichtung der Jüdinnen und Juden Europas, der Sinti*zze und Roma*nja, der Menschen mit Behinderung und homosexuellen Menschen, sowie die massenhafte Ermordung von Widerständigen, Kommunist*innen und Kriegsgefangenen und die fast vollständige Liquidierung jeder politischen Opposition und kritischen Intelligenz im Inland und in den eroberten Ländern.

Diese Ereignisse stehen in der Geschichte ohne Beispiel da. Sie haben mindestens 55 Millionen Menschenleben gefordert. Über 6 Millionen Menschen jüdischer Abstammung wurden von den Nazis verschleppt, versklavt, misshandelt, zu Tode geschunden, erschlagen, erschossen, vergast und verbrannt. Abertausende Menschen waren darüber hinaus ins Exil getrieben, enteignet und ihrer elementarsten Lebensgrundlagen beraubt worden.

Auch wenn die Nazis von damals heute tot sind, ihre menschenfeindliche Ideologie ist es nicht. Die offene Zustimmung für oder die Ignoranz gegenüber Rassismus, rechter Gewalt und gefährlichen Verschwörungstheorien ist so groß wie schon lange nicht mehr. In dieser Stimmung machen Faschisten Jagd auf Migrant*innen, laufen nahezu unwidersprochen mit tausenden anderen durch Berlin, Leipzig und Kassel und ermorden Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen.

Dem gilt es sich aktiv und organisiert antifaschistisch entgegenzustellen, um die Perspektive einer befreiten Gesellschaft zu formulieren, wie es die Insassen des KZ Buchenwald taten:

„Die Vernichtung des Nazismus ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen
Welt, des Friedens und der Freiheit ist das Ziel.“

8. Mai 2021. 76 Jahre nach der Kapitulation des deutschen Faschismus brennt es in Europa.
Die Corona-Pandemie wütet, bringt als kapitalistische Krise verheerende Folgen mit sich, und rechte Krisenlösungen und Bewegungen wie „Querdenken“ gewinnen rasant an Zulauf. Das alles, während sich die EU abschottet und Flüchtende an ihren Grenzen im Elend sterben lässt, rechte bis faschistische Parteien nahezu in allen Parlamenten sitzen und die Schatten des Kalten Kriegs über Europa kreisen.

Frontex führt sogenannte Pushbacks durch, rechte, autoritäre Krisenlösungen und Verschwörungserzählungen haben Hochkonjunktur, rassistische und antisemitische Übergriffe sind trauriger Alltag, die Bundeswehr beteiligt sich weltweit an, als „Friedensmissionen“ getarnten, Kriegseinsätzen.

80 Jahre nach dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion wird der neue Kalte Krieg angeheizt, die Gefahr einer militärischen Konfrontation in Euopa wächst. Die NATO probt im Manöver Defender Europe 21 den Aufmarsch gegen Russland, mit dem Eucom in Stuttgart und dem NATO-Logistik-Kommando in Ulm als Drehscheibe. Deutschland weigert sich, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Ausgerechnet im Coronajahr wurde ein Rekordhaushalt für das Militär beschlossen. 53 Mrd.€ werden in diesem Jahr für Bundeswehr und Aufrüstung ausgegeben, während Gelder für das Gesundheitswesen und Pflegepersonal fehlen. Unter dem Deckmantel der Pandemiebekämpfung wird die Bundeswehr im Innern eingesetzt. Bundeswehr-Soldaten sind in rechte Netzwerke verstrickt.

Davon nicht genug, ist die Bundesrepublik durch die enge politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der türkischen AKP/MHP-Regierung, die so kein anderes Land pflegt, eine fundamentale Stütze im Krieg gegen die kurdische Bevölkerung im In- und Ausland.

Der 8. Mai – Ein Symbol für den antifaschistischen Widerstand
Von den Partisan*innen in Italien, über die Brigadas Internacionales in Spanien, den Aufstand im Warschauer Ghetto, die Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald bis zum tagesaktuellen antifaschistischen Kampf in Rojava und der Türkei – die Geschichte ist untrennbar mit der des organisierten antifaschistischen und antimilitaristischen Widerstands verbunden. Wenn wir die Geschichte von Faschismus und Krieg ein für alle mal beenden wollen, müssen wir uns zusammen schließen, den Widerstand organisieren und gemeinsam für eine antifaschistische und solidarische Zukunft kämpfen. Im Gedenken an all jene, die ihr Leben durch die Hände der Faschisten verloren haben und in Erinnerung an all jene, die im Kampf gegen Faschismus ihr Leben riskiert haben, wollen wir am 8. Mai Haltung demonstrieren und Position beziehen:

Organisiert antifaschistisch kämpfen – Gegen Krieg – Für eine solidarische und gerechte Gesellschaft – Für eine Welt des Friedens und der Freiheit! – Der 8. Mai muss Feier- und Kampftag werden!

Ein Aufruf von: Antifaschistische Aktion [Aufbau] Tübingen, Friedensplenum Tübingen, Informationsstelle Militarisierung Tübingen, Offenes Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und die Region, VVN BdA Tübingen-Mössingen, Women defend Rojava Tübingen

35. Todestag von Walter Vielhauer

4. Mai 2021

Am 19. April 1986 ist der Heilbronner Walter Vielhauer im Alter von 77 Jahren gestorben. Walter Vielhauer wurde als Mitglied und Funktionär der KPD im März 1933 von den Nazis ins KZ gebracht und war in den 12 Jahren des Hitlerfaschismus in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert. Erst die Befreiung des KZ Buchenwald durch den Häftlingsaufstand und die amerikanische Armee ermöglichten ihm wieder ein Leben ohne Todesdrohung und Folter.

Jahrzehnte war er der Vertreter der VVN-BdA Heilbronn und dadurch einer der namhaftesten Antifaschisten im Kreis Heilbronn.

Deshalb fand am 19. April 2021 eine Gedenkstunde am Grab von Walter Vielhauer statt. Die Rede von Konrad Wanner und einen Link zum Film dazu findet Ihr auf der Homepage der VVN-BdA Heilbronn.

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