„Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch als Vorkämpfer gegen das §175-Unrecht“
8. Januar 2026
AN25-4, Fritz Bauer, Stuttgart

Beim CSD hat die AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“ des Weissenburg e.V. (mit den Initiativen „Der-Liebe-wegen“, IG CSD Stuttgart, LSVD Baden-Württemberg und Weissenburg) die Unterschriften- und Mitmachaktion „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch als Vorkämpfer gegen das §175-Unrecht“ mit folgendem Kerntext gestartet: „Wir fordern die Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer, der als Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse für die Aufklärung über die Verbrechen des Hitlerfaschismus Herausragendes geleistet hat.Mit unserer Unterschriftenaktion erweitern wir die Unterschriftenliste „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer“ des VVN – Bund der Antifaschist:innen Baden-Württemberg e.V. an die Stadt Stuttgart – um das Anliegen, Fritz Bauer auch als Vorkämpfer gegen das §175-Unrecht zu würdigen.“ Die Unterschriften sollen am 23. Januar 2026 beim CSD Neujahresempfang Vertretende des Stuttgarter Gemeinderats übergeben werden. Die Mitgliederversammlung der VVN im Kreis Stuttgart hat diese Initiative begrüßt und unterstützt diese.
Die queeren Vereine schreiben auf der Webseite der-liebe-wegen.org (Auszüge):
„Unsere beim CSD gestartete Unterschriftenaktion (…) hat viel Unterstützung bekommen. (…) Nahezu alle an der CSD-Hocketse beteiligte Organisationen haben die Aktion unterstützt, so dass wir in kurzer Zeit ermutigende erste 500 Unterschriften erzielen konnten. (…)
Wir leben in Zeiten, in denen rassistische und queer-feindliche Narrative im Internet und auf der Straße zunehmen. Vor diesem Hintergrund hat Fritz Bauer mit seinem entschlossenen Kampf zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen für die heutigen Herausforderungen noch eine viel größere Würdigung in seiner Geburtsstadt Stuttgart als bislang verdient. (…)
Dass Bauer auch einer der Ersten in der Bundesrepublik war, der gegen die Bestrafung einvernehmlicher sexueller Handlungen von erwachsenen Männern seine Stimme erhoben hat, ist vielfach noch nicht bekannt. Überlieferte Polizeiakten aus seiner Exilzeit in Dänemark belegen zusätzlich, dass er selbst seine homosexuellen Neigungen nicht leben konnte, sondern unsichtbar machen musste. Queere Rechte sind Menschenrechte, für welche Fritz Bauer einstand. Darum sollte dieser wesentliche Aspekt des Lebens von Fritz Bauer auch in Stuttgart nicht mehr länger ausgeklammert werden. (…)
Wir begrüßen den Vorschlag des Journalisten Jan Sellner, nach Bauer nicht nur ein Sträßchen in Sillenbuch, sondern einen Platz im Stadtzentrum in der Nähe des Amtsgerichts, seiner früheren Wirkungsstätte, zu benennen. Von hier aus wurde Bauer am 24. März 1933 wegen seiner der NSDAP unliebsamen sozialdemokratischen politischen Tätigkeit und seiner jüdischen Herkunft verhaftet und in das erste nationalsozialistische Konzentrationslager Württembergs auf dem Heuberg auf der Schwäbischen Alb verschleppt. Aus Sicht queerer Vereine ist gerade an diesem Ort auch daran zu erinnern, wie die Justiz menschenverachtend zur bundesweiten Vorreiterrolle Baden-Württembergs bei der §175-Verfolgung entscheidend beitrug. KZ-Überlebende wie z. B. Karl Zeh wurden statt entschädigt, dort erneut wegen ihrer Homosexualität zu Gefängnisstrafen verurteilt. (…) Eine solche Platzbenennung wäre eine wichtige Ergänzung der von uns angestrebten Verleihung der Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer. Der Stuttgarter Gemeinderat könnte sich durch Ehrenbürgerschaft und Platzbenennung deutlich zur konsequenten demokratischen Haltung von Bauer bekennen und ein wirkungsvolles Zeichen gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit für heute und für künftige Generationen setzen“.
In der Stuttgarter Zeitung wie auch in den Stuttgarter Nachrichten wurde ohne genaue Quellenangaben verbreitet, dass die Ehrenbürgerschaft an eine verstorbene Person rechtlich nicht möglich sei. Hierzu heißt es auf der Webseite weiter: „Wir haben uns deswegen an die Amtsleitung ‚Grundsatz- und Rechtsangelegenheiten‘ der Stadt Stuttgart mit der Bitte gewandt, uns die Rechtsvorschrift zu nennen, die einer Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer entgegenstehen soll. Wir haben ebenfalls darum gebeten, uns Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese Rechtsvorschrift der Stuttgarter Gemeinderat gegebenenfalls verändern kann. Denn dass Ehrenbürgerschaften an Verstorbene in Baden-Württemberg und im Regierungsbezirk Stuttgart prinzipiell möglich sind, hat die Stadt Straitbach erst im Juni dieses Jahres gezeigt. Damit der Stuttgarter Gemeinderat diesem Beispiel folgt und wir in 2026 das Ziel der ‚Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer‘ erreichen, wollen wir jetzt verstärkt durch unsere Unterschriftenaktion zu einer noch breiteren Diskussion hierzu in der Stadtgesellschaft anregen“.
Wer zum Gelingen der Aktion beitragen möchte, kann den Link zur Unterschriftenaktion – siehe openpetition.de/!zppfw – gerne selbst unterschreiben und weiter verbreiten. Über die Email-Adresse „kontakt@der-liebe-wegen.org“ kann zur AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“ des Weissenburg e.V. Kontakt aufgenommen werden.






