Ehrung für Antifaschistin: Sophie-Berlinghof-Platz in Heidelberg eingeweiht

geschrieben von Silke Makowski

8. Januar 2026

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Es war langer Atem nötig, bis es geschafft war: Am 30. Juli 2025 konnte endlich der neue Sophie-Berlinghof-Platz eingeweiht werden. Damit erfuhr die kommunistische Widerstandskämpferin und zeitlebens engagierte Antifaschistin aus Heidelberg-Handschuhsheim endlich eine öffentliche Würdigung. Zur Platzeinweihung aufgerufen hatten die VVN-BdA Heidelberg, Die Linke, SPD, Bunte Linke, Linksjugend [’solid], DGB und das Friedensbündnis Heidelberg.

Vorausgegangen war im letzten Winter ein mehrmonatiges intensives Bemühen, dieses Ziel zu erreichen. Vor allem rechtskonservative und rechte Kreise reagierten mit massiven Verunglimpfungen und antikommunistischer Stimmungsmache, um die Platzumbenennung zu verhindern. Mit breiter Öffentlichkeitsarbeit und dank der Unterstützung aus Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisationen beschloss aber der Gemeinderat am 20. Februar 2025 Sophie Berlinghof als neue Namensträgerin.

Obwohl das regnerische Wetter nicht gerade einladend war, versammelten sich über 120 Menschen zu der Feier am Handschuhsheimer Ortsrand: Anwohner*innen aus dem Stadtteil, Vertreter*innen verschiedener politischer Organisationen und Parteien, unterschiedliche Generationen und vor allem auch Angehörige von Sophie Berlinghof. Nach einleitenden Worten von Joachim Guillard vom Kreisvorstand der VVN-BdA trugen Martin Hornung und Traudel Polzer gemeinsam die Hauptrede vor, und Die Linke, SPD, Bunte Linke, Linksjugend [’solid] und der DGB hielten Grußworte. Mit Trompete, Querflöte, Gitarre und Gesang sorgten Rike Fießer, Helmut Ciesla und Michael Csaszkóczy für musikalische Umrahmung. Anschließend erlebte das Publikum mit, wie der zuvor nach dem Nazi-Anhänger Karl Kollnig benannte kleine Platz nun stattdessen endlich die Widerstandskämpferin und langjährige Sprecherin unserer Kreisvereinigung Sophie Berlinghof ehrt: Unter großem Beifall enthüllten Christiane Schmidt-Sielaff (SPD), Hildegard Lutz (VVN-BdA Heidelberg) und Rainer Benz, Großneffe der Antifaschistin, das neue Schild mit der Aufschrift „Sophie-Berlinghof-Platz“. Den Abschluss bildete das gemeinsam gesungene Lied „Die Moorsoldaten“.

Damit ist ein vorläufiger Abschluss im Kampf für einen Sophie-Berlinghof-Platz erreicht, aber die Erinnerung an die Aktivistin bleibt ein dauerhaftes Thema. Unter anderem wird am 8. Oktober 2025 ein Stolperstein für Sophie Berlinghof verlegt, um ihr damit vor ihrem früheren Obstgeschäft in Handschuhsheim ein bleibendes Zeichen zu setzen. Die VVN-BdA Heidelberg hat die Patenschaft für den Stolperstein übernommen und macht mit einem Beitrag direkt vor Ort bei der Verlegung sowie in der Begleitbroschüre nochmals die Biografie der Aktivistin bekannt.

Vier Tage später wollen wir nochmals in größerer Runde gemeinsam an Sophie Berlinghof erinnern. Weil die frühe Uhrzeit an einem Werktag es vielen unmöglich macht, an der Stolpersteinverlegung teilzunehmen, lädt die VVN-BdA Heidelberg für den 12. Oktober zu einem Gedenkabend ein, bei dem Lesungen aus ihren Texten, Fotos und Filmausschnitte der Handschuhsheimerin Stimme und Gesicht geben.

Doch die VVN-BdA Heidelberg ist im Herbst auch zu vielen anderen Themen aktiv: So beteiligt sie sich am 2. Oktober 2025 an der Straßeneinweihung für den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Emil Henk, der ebenfalls früh aktives VVN-Mitglied wurde, und organisiert antifaschistische Stadtrundgänge in Heidelberg und Walldorf. Und nicht zuletzt findet am 1. November 2025 auf dem Bergfriedhof die jährliche Gedenkveranstaltung für die von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer*innen statt, zu der die VVN-BdA und der DGB gemeinsam aufrufen.

Gerade in Zeiten wie diesen ist engagierte antifaschistische Gedenk- und Öffentlichkeitsarbeit wichtiger denn je!