Die Russen kommen! Pünktlich!
8. Januar 2026
Die junge Generation wuchs in den Siebzigern mit dem Spruch auf: „Die Russen können in 48 Stunden am Rhein stehen!“. Und die „Russen“ kamen pünktlich: Zum Motoballfreundschaftsspiel der sowjetischen Nationalmannschaft gegen den MSC Philippsburg: Direkt am Rhein!
Heute weiß man: Angriffspläne der UdSSR (damals die „Russen“) auf Deutschland hat es nie gegeben.
Wird Deutschland von Russland bedroht?
Man sollte sich hier zuerst die Frage stellen: Worin liegt die Bedrohung? Trägt sich Russland mit dem Gedanken, in Deutschland einzumarschieren? Kann Russland die parlamentarische Demokratie oder die Wirtschaftsstruktur destabilisieren? Oder hat Russland die Fähigkeit, Deutschland atomar zu vernichten?
Russland hat das Potential, um nicht nur Deutschland, sondern den Globus zu vernichten. Damit steht Russland nicht allein: Die USA haben dieselbe Fähigkeit. Wie auch die UdSSR seit den 1960ern. Der „Kalte Krieg“ war auf dem Höhepunkt. Er wurde nicht durch Hochrüstung, sondern durch Abrüstungsverhandlungen und -verträge entschärft!
Kann Russland die deutsche Demokratie zerstören? Die AfD fährt Wahlsiege ein. Die sich als staatstragend verstehenden Parteien geben sich reaktionäre Programme: Die Gefahr ist doch hausgemacht! Die Herausforderungen zur Verteidigung der Demokratie werden täglich mit Wucht aufgedrückt: Massiver Sozialabbau, Streikrechtseinschränkungen, Polizei- und Versammlungsgesetze, die vom Verfassungsgericht beanstandet werden, die Wiederbelebung der Berufsverbotspraxis …
Destabilisiert Russland „unsere“ Wirtschaft? Welches Motiv hätte Russland dazu, wenn deren Struktur friedenstüchtig gestaltet wäre? Wenn diese geeignet wäre, ökologische und soziale Fragestellungen global mit Erfolg anzugehen? Ist die Kriegstüchtigkeit das Ziel, ist Frage nach einem Motiv anders zu beantworten. Und bei jedem Cyberangriff könnte vermutet werden, dass Russland (oder Putin) dahintersteckt. Der Panikmache folgt. Jeder Systemausfall gibt Anlass, die Bedrohung aus dem Osten zu betonen. Die Boulevardpresse reibt sich die Hände. Wie in den 1960ern.
Will Russland die Bundesrepublik angreifen oder Putin die UdSSR wiederherstellen? Sicher: Er hat mehrfach den Zusammenbruch der UdSSR als Katastrophe bezeichnet. Er hat aber auch gesagt: „Wer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz. Wer sie sich zurückwünscht, keinen Verstand.“ Mit diesem Denken steht Putin in Russland nicht alleine. Seriös müsste die Frage eher lauten: „Ist Russland denn in der Lage, die UdSSR wiederherzustellen?“
Der „Spiegel“ stellt in seiner Ausgabe vom 22.03.2025 (Seite 39) fest: „Die Bedrohung sitzt in Moskau, von wo Wladimir Putin in den kommenden Jahren befehlen könnte, das Baltikum anzugreifen. Oder Polen. Oder sogar Deutschland? Die Bundeswehr muss jetzt schnell stark werden, dass er solche Gedanken verwirft.“ Wie in den 1960ern, zu Zeiten der UdSSR?
Eine Antwort gibt der Botschafter a.D. Hellmut Hoffmann in der „Berliner Zeitung“ vom 25.07.2025:
„Jeder halbwegs Informierte weiß, dass die Nato unter Einschluss der USA Russland militärisch haushoch überlegen ist. Dass es sich so verhält, ergibt sich schon daraus, dass die USA sich selbst als größte Militärmacht der Welt bezeichnen, was sich unter anderem in ihrem gigantischen Verteidigungshaushalt und in Hunderten weltweit verstreuten Militärstützpunkten manifestiert. Die USA sind die einzige Macht, die überall zuschlagen kann, wie jüngst in Iran zu beobachten. Zu den USA kommen 31 (!) verbündete Staaten hinzu, darunter zwei Nuklearmächte und mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien drei Staaten, deren Verteidigungsbudgets zu den acht größten der Welt gehören.“







