Jugendbündnis sagt „Nein zur Wehrpflicht!“
8. Januar 2026

Seit mehr als einem Jahr wird über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert.
Noch in diesem Herbst soll das „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“ vom Bundestag verabschiedet werden. Gisela Kehrer-Bleicher sprach deshalb für die Antifa Nachrichten mit Ronja Fröhlich vom bundesweiten Bündnis „Nein zur Wehrpflicht!“.
Gisela Kehrer-Bleicher: Warum will die Bundesregierung zurück zur Wehrpflicht und einen „neuen Wehrdienst“, der zunächst noch freiwillig sein soll. Was steht dazu im Gesetz und was hältst du davon?
Ronja Fröhlich: Im Gesetzentwurf des Verteidigungsministeriums sind verpflichtende Fragebögen und Musterungen für alle Männer, die nach dem 31.12.2007 geboren sind festgeschrieben. Sie müssen Auskunft über ihre Kriegstüchtigkeit geben. Gleichzeitig soll die rechtliche Grundlage für die Wiedereinführung der Wehrpflicht so geändert werden, dass diese zukünftig durch einfache Rechtsverordnung und ohne Zustimmung des Bundesrates ermöglicht und Jugendliche zum Kriegsdienst gezwungen werden können. Pistorius und Co. erhoffen sich mit ihrer Erzählung von Freiwilligkeit und dieser schrittweisen Wiedereinführung vor allem den Widerstand möglichst gering zu halten. Dem sollten wir nicht auf den Leim gehen – deswegen ist es jetzt so wichtig dagegen zu protestieren. Das alles lässt sich in die Militarisierung, die wir in den letzten Jahren unter dem Schlagwort „Zeitenwende“ erleben, einordnen.
Mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011, war von herrschender Seite v.a. das Ziel verbunden mit der Berufsarmee eine hochprofessionalisierte spezielle Einsatztruppe zu schaffen, die sich, mit dem im Weißbuch der Bundeswehr formulierten Ziel, Rohstoffe, Handelsrouten und Absatzmärkte zu sichern, in aller Welt einsetzen lässt. Mit der Wiedereinführung soll diese Fähigkeit nicht aufgegeben, sondern ergänzt werden. Die Kriegsfähigkeit soll hergestellt werden, in dem billiges Kanonenfutter in großer Menge für die Front rangeschafft wird. Damit steigt auch die Gefahr eines Krieges auf europäischem Boden. Unsere Antwort darauf lautet: Wehrpflicht – ohne uns! Wir sterben nicht für ihre Kriege!
Oft wird argumentiert, dass junge Menschen ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten sollen und zur Kriegstüchtigkeit und damit zur Kriegsvorbereitung beitragen. Und wegen der Gleichstellung sollen auch junge Frauen in die Rekrutierung einbezogen werden. Wie sehen das die jungen Frauen und Männer selbst?
Wir sind uns als Bündnis einig: Gleichberechtigt im Krieg zu sterben ist keine Emanzipation der Frau. Eine mögliche Wehrpflicht auch für Frauen, also der gemeinsame Dienst in der Kaserne oder im Zweifel im Schützengraben bringt keine Gleichberechtigung. Wir kämpfen stattdessen für die tatsächliche ökonomische, juristische und politische Emanzipation der Frau.
Neben der Lüge von angeblicher Gleichstellung durch eine Frauenwehrpflicht, ist das Narrativ,
dass junge Menschen etwas zurückgeben oder ihren Beitrag leisten müssten, wohl eines der
Hauptargumente in der Debatte. Ich finde das unverschämt und verlogen. Mit dieser Argumentation werden jung und alt gegeneinander ausgespielt. Dabei sind es dieselben Politiker, die Renten kürzen und Schulgebäude verfallen lassen, während das Militär einen Blankoscheck bekommt. Sie sind verantwortlich für Massenentlassungen, Bürgergeldkürzungen und die Verarmung der ganzen Gesellschaft, zugunsten der Militarisierung. Die Einführung der Wehrpflicht nützt nicht der Gesellschaft, denn dann würden wir über bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne besonders im Bereich Soziales, Gesundheit und Erziehung sprechen, wir würden über mehr Geld für Schulen und Kitas sprechen, wir würden über sichere Renten sprechen. In dem wir die Wiedereinführung der Wehrpflicht bekämpfen leisten wir Jugendlichen unseren Beitrag und sichern unser aller Zukunft.
Die Pläne für die Wehrpflicht sind auf heftige Kritik gestoßen. Insbesondere Jugendorganisationen organisieren politischen Widerstand und haben im Sommer die bundesweite Kampagne „Nein zur Wehrpflicht!“ gestartet. Ronja, du bist aktiv in der Kampagne. Was wollt ihr erreichen? Wer arbeitet mit und was plant ihr an konkreten Aktionen?
Als Bündnis sagen wir: Wir wollen keinen Zwangsdienst! Nein zu Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit! Nein zur Wehrpflicht!
Wir haben uns das große Ziel gesetzt, die Wehrpflicht zu verhindern und dabei möglichst viele junge Menschen für ihre eigenen Interessen in Bewegung zu bringen. Mittlerweile haben sich bundesweit lokale Bündnisse gegründet, die mit verschiedenen Aktionen z.B. dem Stören von Bundeswehrauftritten in Schulen oder auf Berufsmessen, Infoständen an Schulen oder Demonstrationen, alle auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten. Und auch bundesweit werden wir aktiv, wir haben die Petition „Gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht und anderer Zwangsdienste“ ins Leben gerufen und bei den Protesten der Friedensbewegung am 3.Oktober sind wir in Stuttgart und in Berlin mit großen Jugendblöcken am Start
Die Zusammensetzung der lokalen Bündnisse ist oft ganz unterschiedlich. Grundsätzlich können alle mitmachen, die ehrlich mit uns gegen die Wehrpflicht kämpfen möchten. In den allermeisten Städten sind neben Jugendorganisationen, wie der SDAJ, der Solid und dem SDS auch Gewerkschaftsjugenden beteiligt, in ersten Städten ist auch der Schulterschluss mit kirchlichen Jugendorganisationen oder den Pfadfindern gelungen. Wir wollen zwischen allen den Austausch herstellen und gemeinsam in Aktion kommen.
Von einigen Politikern der SPD und der Grünen wird eine allgemeine Dienstverpflichtung in Form eines Sozialen Dienstes oder anderer Dienste für die Gemeinschaft gefordert. Warum lehnt ihr nicht nur die Einführung der Wehrpflicht, sondern auch alle anderen Dienstpflichten ab?
Die Wiedereinführung von sozialen oder anderen Ersatzdiensten für die Wehrpflicht, die gerade in Diskussion ist, verbessert die Situation in den unterbesetzten Bereichen nicht. Denn statt qualifizierten Fachkräften werden Ungelernte eingestellt. Für uns Jugendliche bedeutet das, als billige Arbeitskräfte und unter miesen Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Wir brauchen stattdessen Entlastung durch mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und mehr zivile Ausbildungsplätze! Statt Aufrüstung braucht es mehr Geld für Soziales, Bildung und Gesundheit!
Die VVN-BdA ist seit Jahrzehnten, seit den Kämpfen gegen die Wiederbewaffnung verlässlicher Bündnispartner der Friedensbewegung. Wie können wir heute, wie können unsere Kreisvereinigungen und unsere Mitglieder die Bewegung „Nein zur Wehrpflicht“ unterstützen?
Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung und alle Verbündeten im Kampf gegen die Wehrpflicht. Dies kann ganz unterschiedlich aussehen, das Organisieren gemeinsamer Veranstaltungen, das Bewerben und Verbreiten von Protesten und Aktionen des Bündnisses, aber auch selbst mitmachen und Unterschriften für unsere Petition sammeln oder sie bei eigenen Aktionen mit auslegen. Was viel bringt, ist vor Ort ins Gespräch zu gehen und zu prüfen, wo brauchen die Jugendlichen in den lokalen Bündnissen grade Unterstützung, sei es bei Aktionen, sei es mit Veranstaltungen, beim Vermitteln von Kontakten oder auch finanziell. Klar ist: die VVN-BdA, die uns als junge Menschen im Kampf gegen die Wehrpflicht unterstützt, stärkt den Kampf gegen die Wehrpflicht und damit auch den Kampf für die Losung: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“.
Wir bedanken uns für das Gespräch!






