Wehrpflicht? Wehrt Euch!
8. Januar 2026

Geschichte
Das Deutsche Reich wurde am 18. Januar im Spiegelsaal von Versailles nach einem blutigen Krieg gegen Frankreich gegründet. Prompt wurde nach diesem militärischen Höhenflug dann bereits am 16. April 1871 reichsweit auch die allgemeine Wehrpflicht in die Verfassung aufgenommen.
Sie diente, wie heute, ausschließlich der „Verteidigung“, führte allerdings 1914 zum Ersten Weltkrieg, einem offenen Angriffskrieg der deutschen Achsenmächte gegen Frankreich und Russland.
Hundertausende zerfetzter und verröchelter zwangsverpflichteter junger Menschen, eine ganze Generation, deckten die Schlachtfelder in Verdun und anderswo.
Danach war erst Mal Schluss mit Lustig: Ebenfalls in Versailles legten die Siegermachte dem deutschen militärischen Drang zur Weltmacht strenge Beschränkungen auf.
Das dauerte aber nur bis zum 16. März 1935, dem Tag, an dem die Nazis erneut die Wehrpflicht wiedereinführten und gleichzeitig ein atemberaubendes Hochrüstungsprogramm auf den Weg brachten.
Auch das diente nur der „Verteidigung“: Am 1. Sept. 1939 verkündigte der „verteidigungsentschlossene“ Adolf Hitler „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“
Auch dieses Ergebnis ist bekannt: Wieder eine ganze (nicht nur die junge) Generation weltweit dahingemetzelt und abgeschlachtet.
Aber nach dem blutigen Ende dieses Infernos haben wir dazugelernt?
Gott behüte! Kaum waren die ersten Trümmer weggeräumt, ging‘s (im Westen) schon wieder los: Wir müssen uns „verteidigen“! Gegen die Sowjets!
Zwar hatte der „parlamentarische Rat“ 1949 die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, nicht aber eine Wehrpflicht, in das Grundgesetz aufgenommen.
Das passierte dann gänzlich ohne Grundgesetz kurz nach der eigentlichen Aufstellung der Bundeswehr am 21. Juli 1956 durch den Bundestag.
Am 1. April 57 wurde die erste Generation der Wehrpflichtigen in die alten Nazi-Kasernen einbefohlen und dort von „verdienten“ Nazi-Offizieren und Unteroffizieren zur erneuten „Kriegstüchtigkeit“ zurechtschikaniert.
Erst ganze elf Jahre später, 1968, wurde die Wehrpflicht auch ins Grundgesetz, aufgenommen.
Im März 2011 wurde die Wehrpflicht vom Bundestag „ausgesetzt“. Das hatte keine pazifistischen oder antimilitaristischen Gründe, sondern rein pragmatische:
Ein militärisches Comeout sollte das werden. Kriegseinsätze der Bundeswehr in neokolonialer Absicht: Angefangen vom „Sanitätseinsatz“ in Kambodscha (2011) „Brunnenbohren“ in Somalia, in Afghanistan, Krieg gegen Jugoslawien … Dazu brauchte es keine Wehrpflichtigen. Dazu brauchte die Bundeswehr „archaische Kämpfer“ wie sich der damalige General und Inspekteur der Bundeswehr, Hans-Otto Budde schon 2004 outete.
Zum „archaischen Kämpfer“ taugen Wehrpflichtige, deren Eltern und Angehörige in der Gesellschaft verwurzelt sind, sich Sorgen machen und ggf. Unbehagen und Unruhe stiften, gar nicht.
Geschichten
Jetzt sollen wir wieder mal „kriegstüchtig“ gemacht werden. Der Russe greift an!
Ja, wir haben das Recht auf Kriegsdienstverweigerung in den Buchstaben des Grundgesetzes. Ich rufe alle auf, es für sich in Anspruch zu nehmen!
Das kann aber schief gehen!
Zu meiner Zeit gab es damals zwei „Prüfungsausschüsse“ zur Prüfung des Gewissens der „Wehrunwilligen“. Die stellten damals Fragen wie: „Sie sind mit Ihrer Freundin im Park, dann kommen irgendwelche Bösewichte, die sich bereit machen Ihre Freundin zu vergewaltigen… Alles genau, wie im Lied von Franz-Josef Degenhardt. „Befragung eines Kriegsdienstverweigerers“
Meine Antwort kurz: die Situation ist absurd, ich habe keine Waffe und ich tue gar nix. Aber: schlussendlich durchgefallen!
Zweiter Prüfungsausschuss: Im Prinzip dasselbe: durchgefallen!
3. Schritt: Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart:
1. Akt: Mein Stuttgarter „Links“-Anwalt ist anwesend, klopft mich nach einer halben Stunde auf die Schulter: „Du machst alles gut und richtig, du wirst es schon schaffen, aber ich habe nun einen anderen Termin. Tschüss!
2. Akt: die bisher schläfrigen (ehrenamtlichen) Beisitzer des Gerichts werden wach:
Frage: Sie sind in Moskau auf dem Roten Platz. Sie wissen um die Wertschätzung, die die Russen dem dort mumifizierten Leichnams Lenis entgegenbringen. Nun beobachten Sie, dass dieser Leichnam aus dem Mausoleum geklaut werden soll. Was tun Sie, wo Sie doch die übliche Kalaschnikow immer bei sich haben?
Meine Antwort: „Häh? Nix!“. Es kommen weitere absurde Fragen: Ich bin dabei, wie Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion die Stuttgarter Trinkwasserspeicher vergiften – mit Kalaschnikow. Antwort „Häh!“
Das schlussendliche Urteil des Verwaltungsgerichtes Stuttgart, zitiere ich mal aus dem Kopf, ich habe es mir lebenslang eingeprägt:
1. Seite: der Kläger hat überzeugend dargelegt, warum er den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert.
2. Seite: „Aber der Kläger täuscht sich über sich selbst, wenn er glaubt, dass all diese überzeugend vorgetragenen Gründe so tief im Inneren seines Gewissens verankert sind, dass sie ihn vom Kriegsdienst mit der Waffe abhalten würden.“ So kann‘s, Grundgesetz hin oder hinüber, gehen.
Geschichten vom individuellen Widerstand.
Ich wurde folglich eingezogen. Der Tagessold betrug 4.50 DM. Das reichte entweder für Zigaretten und Kaffee für den Tag oder für das Bier am Abend, das reichlich floss, weil man es dringend brauchte, um sich die Demütigungen und vor allem den Frust über die Sinnlosigkeit des verbrachten Tages auf die Leber zu saufen.
Nach Hause zu meiner Freundin kam ich übers Wochenende so gut wie nie. Immer hatte ich irgendwelche Streifen am Stiefel, Staub hinter dem Spind oder Haare am Rasierer. Meine trostlosen Abende in der Kaserne verbrachte ich damit, mir die Finger mit Beschwerden wundzuschreiben, in eigener Sache oder auf Bitten der Kameraden und Leidensgenossen. Das brachte zwar mit Ausnahmen nicht besonders viel, machte aber Arbeit für die Vorgesetzten. Als ich beim „politischen Unterricht“ auf die rituelle Frage des Vortragenden „Noch Fragen?“ in der Regel meinen Finger hob und passende Fragen stellte, verließen die vortragenden Jungleutnants häufig mit hochrotem Kopf den Raum und ich wurde sozusagen auf Schultern in die Kantine getragen und dort mit gespendeten Bier freigehalten.
Am Tag der Wahl der Vertrauensleute wurde ich kurzerhand vor der Wahl in eine andere Kaserne versetzt und dort auf einen isolierten Posten (Kleiderkammer) eingewiesen.
Dort zog ich eine Gruppe „Aktion demokratischer Soldaten“ – eine Initiative der SDAJ- um mich, die sich zwar immer aus demnächst zu entlassenden Kameraden zusammensetzte, aber immerhin!
An Wochenenden ging ich in Stuttgart in Uniform in den Demos (1. Mai u.a.) mit – immer „bewacht“ von einer Handvoll SDAJ-GenossInnen, die mich vor dem Zugriff der Feldjäger beschützen sollten.
Ganz am Schluss genoss ich in der Kaserne einen Status „lasst den in Ruh, der macht sonst Ärger.“ Es geht also. Widerspenstigkeit kann sich lohnen!
Kollektiver Widerstand ist besser
Was alles will ich damit sagen:
Wehrpflicht ist Scheiße! Verweigern ist gut und richtig! Kann aber scheitern, weil es eine individuelle Lösung ist.
Der gemeinsame Kampf, jung und alt, gegen Wehrpflicht, Hochrüstung und Kriegsvorbereitung ist angesagt!
Die VVN-BdA hat ihn durch die Geschichte Nachkriegsdeutschlands immer geführt. Lasst ihn uns im heutigen Vorkriegsdeutschland erst recht weiterhin gemeinsam führen!






