Die neue alte Wehrpflicht
8. Januar 2026
„Dieser Beschluss entspricht den Forderungen der Wehrwirtschaftsführer Hitlers, der Herren der Rüstungsindustrie, die sich an einem neuen Krieg gesundstoßen möchten. Sie verlangten die Aufstellung einer 500.000-Mann-Armee, sie organisierten die Soldaten- und SS-Verbände, sie riefen die Hitler-Generale und SS-Kommandeure!“
Mit diesen deutlichen Worten bezogen wir als VVN damals Stellung zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 26. Juli 1956 unter Verteidigungsminister Theodor Blank, unter dem auch schon die Bundeswehr gegründet wurde. Sein Amtsnachfolger Franz Josef Strauß, der noch im selben Jahr Verteidigungsminister wurde, erklärte im Jahr 1949 noch: „Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen“.
Doch die Lehren aus der Nazizeit waren schnell vergessen: Adolf Heusinger, ehemals Chef der Operationsabteilung des Oberkommando des NS-Heeres wurde in den Führungsstab der Bundeswehr und später in den Ständigen Militärausschuss der NATO berufen. Hans Speidel, Generalstabchef der 8. Armee an der Ostfront wurde als Vertreter der Bundeswehr zum Oberkommandierenden der NATO-Landstreitkräfte in Mitteleuropa berufen. Hannes Trautloff, mitverantwortlicher für die Bombardierung von Guernica wurde Generalmajor und Befehlshaber der Luftwaffengruppe Süd.
Der Beschluss der Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 1956 hatte zum Ziel die neu-geschaffene Bundeswehr zu einer konventionellen Streitkraft zu rüsten, die in einem Krieg auf europäischem Boden das Fußvolk für die Konfrontation mit den Warschauer Vertragspartnern liefert. Die Bundesrepublik war als Grenzstaat im NATO-Blockgebilde dazu prädestiniert das Kanonenfutter für einen konventionellen Krieg zu stellen. Durch diese Konstellation wurden die Wiederbewaffnung und Hochrüstung des rechtlichen Nachfolgestaates des NS-Regimes vom Westen gebilligt. Das deutsche Kalkül, die eigenen Streitkräfte als Bollwerk gegen den Bolschewismus zu formieren und so die Duldung oder sogar Unterstützung westlicher Staaten zu erschleichen, war nicht neu: Mit dieser Masche bestritten die alten Hitler-Generäle und Herren der Rüstungsindustrie bereits ihren ersten Anlauf zur Weltmacht.
In unserer damaligen Erklärung verwiesen wir auf die ökonomischen Zusammenhänge hinter der Einführung der Wehrpflicht, darauf dass sich die Herren der Rüstungsindustrie an einem neuen Krieg gesundstoßen möchten. Gemeint war damit, dass das Profitinteresse der Großindustriellen sie schlussendlich zur Expansion über die eigenen Ländergrenzen hinaus treibt. Da die Wurzeln des Faschismus, so auch die ökonomischen, in der Bundesrepublik stets unangetastet blieben, hatte auch damals der Drang zur Militarisierung System.
Die Einführung der Wehrpflicht war der damals notwendige Schritt, um die Bundeswehr zu einem Machtfaktor in einem konventionellen Krieg auf europäischen Boden aufzubauen, zog aber auch Konsequenzen mit sich: Mit der Einführung der Wehrpflicht änderte sich die soziale Zusammensetzung der Bundeswehr stark – vereinzelt gelang es antifaschistischen Kräften Widerstand in den Reihen der Bundeswehr selbst zu bilden und in den Kasernen Aufklärungsarbeit zu betreiben. Der Aufbau von festen Kaderstrukturen durch Rekrutierung von Freiwilligen beziehungsweise die Übernahme dieser Kaderstrukturen aus den Reihen der Hitlerfaschisten war also notwendige Voraussetzung, um zu verhindern, dass mit der Einführung der Wehrpflicht die Bundeswehr unkontrollierbar wird. Ergo wurde mit dieser Vorarbeit auch schon früher begonnen.
Bekanntermaßen wurde die Wehrpflicht 2011 vorerst wieder ausgesetzt. Hintergrund dieser Entwicklung war, dass sich die Anforderungen an die Bundeswehr Ende der 90er Jahre gravierend geändert hatten: Deutschland war nicht mehr Grenzstaat der Systemkonfrontation, sondern stieg neben Frankreich und England in den Kreis der Führungsmächte innerhalb der EU auf. Auch die Art der Kriegsführung und die Anforderungen an einen militärischen „Global Player“ haben sich über die Jahre geändert. Nicht mehr konventionelle Truppengröße, sondern Flexibilität und technologische Überlegenheit in asymmetrischen Interventionskriegen garantierten den „Platz an der Sonne“. Folglich änderte sich auch die deutsche Militärstrategie: Aus dem trägen Rekrutenheer sollte eine befehlstreue und hochqualifizierte Interventionsarmee werden, die nicht für den Krieg auf europäischen Boden aufgestellt war, sondern dafür, eingebettet in die NATO-Strukturen, in aller Welt für deutsche Großmachtinteressen zu operieren.
Genau damit soll jetzt aber wieder Schluss sein. Pistorius warnt, Deutschland müsse bis 2029 für den Kriegsfall mit Russland ertüchtigt worden sein. Diese Warnung lässt sich genauso gut als Drohung interpretieren. Sicherlich werden hybride Kriegsführung und Interventionskriege weiterhin ihre Bedeutung behalten, neu hinzu kommt jetzt aber, dass die aktuell-bestehende Berufsarmee durch Zwangsrekrutierte ergänzt werden soll. Das sind Vorbereitungen auf einen konventionellen Krieg.
Für uns ist es dabei aber wichtig festzustellen, dass die Wiedereinführung der Wehrpflicht nichts daran ändert, dass die Befehls und Kommandostrukturen der Bundeswehr sich aus gut-ausgebildeten und in Interventionseinsätzen erprobten Handlangern deutscher Großmachtinteressen zusammensetzen und nebenbei bemerkt von Neofaschisten zersetzt sind. Es gilt also auch heute als VVN-BdA dagegenzuhalten, wenn sich, wie schon damals erklärt, „die Herren der Rüstungsindustrie an einem neuen Krieg gesundstoßen möchten“.






