Großer Erfolg: Podiumsdiskussion gegen Kriegsdienst
14. April 2026
AN26-1, Heidelberg, Veranstaltung

Bereits seit dem Herbst hatten wir mit jüngeren Mitgliedern, die im „Bündnis Jugend gegen Wehrpflicht“ aktiv sind, über gemeinsame Projekte nachgedacht und uns schließlich für eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wehrpflicht: Mobilmachung für neue Kriege in aller Welt“ entschieden. Auf diese Weise wollten wir verschiedenen Perspektiven aus der Friedensbewegung und aus neueren antimilitaristischen Initiativen Raum geben.
Bei der Veranstaltung, die am 3. Dezember 2025 – nur zwei Tage vor der Entscheidung im Bundestag – stattfand, wurden wir von der regen Nachfrage überwältigt. Der Seminarraum des Welthauses platzte aus allen Nähten.
Die bunte Zusammensetzung des Publikums spiegelte das breite Podium wider, das von der VVN-BdA moderiert wurde: Je ein Mitglied der Linksjugend [’solid] und der Sozialistischen Jugend – Die Falken sprachen für das „Bündnis Jugend gegen Wehrpflicht“, das bereits seit Monaten mit Öffentlichkeitsarbeit und Kundgebungen auf die Reaktivierung des Kriegsdienst-Zwangs aufmerksam machte. Die frisch gegründete Gruppe „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ brachte die Sicht von Schüler*innen ein, die am 5. Dezember bundesweit gegen das neue Gesetz protestierten und dafür kollektiv dem Unterricht fernblieben. Als vierte Diskussionspartnerin vermittelte eine Vertreterin des Friedensbündnisses Heidelberg, dem wir als VVN-BdA ebenfalls angehören, die langjährigen Erfahrungen der Friedensbewegung im Kampf gegen Aufrüstung, Militarisierung und Krieg.
Zum Auftakt gingen die vier Initiativen auf ihre Ansätze, Arbeitsschwerpunkte und aktuellen Kampagnen ein. Dabei zeigte sich, dass sich zwar die Zielgruppen und Werbekanäle unterscheiden, die Aktionsformen und Ziele aber stark ähneln. Die offensive Werbung der Bundeswehr an Schulen und Universitäten sowie im öffentlichen Raum war ebenso Thema wie die allgemeine Militarisierung der Gesellschaft: die zunehmende Normalisierung von Armee und Kriegen in Politik und Diskurs, die Kriegseinsätze der Bundeswehr in aller Welt und die Kürzungen im Sozialbereich zugunsten der Rüstungsausgaben. Weil bereits absehbar war, dass der Bundestag zwei Tage später das Gesetz beschließen würde, stellten die Podiumsteilnehmer*innen ihre Überlegungen für künftige Kampagnen, Proteste und konkrete Hilfestellungen für Verweiger*innen vor.
Nach einer knappen Stunde wurde die Diskussion ins Publikum geöffnet, was sich als sehr bereichernd herausstellte. Aktivist*innen aus weiteren Friedensorganisationen und früheren Beratungsstrukturen für Kriegsdienstverweigerer verwiesen auf die damaligen Erfahrungen und auf bereits existierende Angebote wie das Online-Tool der DFG-VK. Ein konkreter Vorschlag war, gemeinsam Beratungsstunden für Kriegsdienstverweiger*innen anzubieten und neue Aktivist*innen in Workshops für die juristische Beratung zu qualifizieren. Weitere Ideen hoben auf die Aufklärungsarbeit an Schulen – besonders als Kontrapunkt zu Bundeswehr-Werbeveranstaltungen – ab, etwa durch die Möglichkeit, sich in Klassen einladen zu lassen. Doch auch Massenproteste wie weitere Schulstreiks und Friedensdemonstrationen wurden angesprochen. In der Debatte ergaben sich neue Vernetzungsansätze, um den Kampf gegen Musterung und Zwangsdienste, gegen Aufrüstung und Kriege in aller Welt gemeinsam fortzusetzen.
Und tatsächlich fanden sich viele der Anwesenden am 5. Dezember bei der Demonstration des „Schulstreiks gegen Wehrpflicht“ wieder, die mit rund 600 Teilnehmenden in Heidelberg (und rund 50.000 Schüler*innen bundesweit) die Erwartungen weit übertraf. Bei den Protesten gegen den CDU-Landesparteitag, der an diesem Wochenende in Heidelberg stattfand, wurden die antimilitaristischen Positionen mit weiteren Schwerpunkten vereint. Hoffen wir, dass sich viele neue starke Bündnisse gegen Krieg und Militarismus entwickeln.






