Das war unsere VVN-BdA Landesdelegiertenkonferenz in Mannheim

geschrieben von geschäftsführender Landesvorstand

14. April 2026

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Am letzten Oktoberwochenende trafen sich rund 40 Delegierte aus elf Kreisvereinigungen unseres baden-württembergischen Landesverbandes in der Jugendherberge Mannheim International.

Ein umfangreiches Programm stand auf der Tagesordnung. Dank guter Vorbereitung, klar strukturiertem Ablauf und kameradschaftlicher Diskussionen konnten alle TOP bewältigt werden, und es blieb in den Pausen auch noch Raum für Gespräche untereinander.

Die Grußworte von 14 befreundeten Organisationen von Gewerkschaften bis Jugendverbänden – die meisten wurden auf der Konferenz auch persönlich vorgetragen -, zeigten die breite Anerkennung für die Arbeit unseres Verbandes. Alle sprachen sich für die Weiterführung und den Ausbau der Zusammenarbeit in antifaschistischen und antimilitaristischen Bündnissen und in der Erinnerungspolitik aus.

Eröffnet wurde die Konferenz von einem Impulsreferat, in dem der Generalsekretär der FIR, Ulrich Schneider, über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Aufgaben der Gedenkstätten und die Erinnerungsarbeit unseres Verbandes referierte und wichtige weiterführende Impulse für die Arbeit in den Kreisen gab. Er ging insbesondere auf die zunehmenden rechten Angriffe auf Gedenkstätten und Vorstöße aus der Politik ein, die mit geschichtsrevisionistischen Konzepten die Bedeutung des antifaschistischen Widerstands in der Gedenkarbeit abwickeln möchten. Es ist unsere Aufgabe, diese mit den Erfahrungen und Lehren aus der Geschichte der VVN-BdA zurückzuweisen.

Im Mittelpunkt der LDK stand die Diskussion und Beschlussfassung unseres Leitantrags „80 Jahre Befreiung von Faschismus und Krieg – Zukunftsentwurf Antifaschismus verwirklichen!“ Die Diskussion wurde sehr zielorientiert und solidarisch geführt. Alle Kreisvereinigungen brachten sich ein, und auch bei einzelnen kontroversen Themen blieb sie sachlich und respektvoll gegenüber anderen Meinungen; es wurde einander zugehört. Deutlich wurde die grundlegende Übereinstimmung in der Einschätzung unseres gemeinsamen antifaschistischen Auftrags. Deutlich wurde aber auch, dass in einigen wenigen Fragen unterschiedliche Positionen vertreten werden und es noch Bedarf für weitere Diskussionen gibt, die wir in unseren Kreisvereinigungen und im gesamten Verband führen müssen. Dies zeigte sich bei der Einschätzung der Politik der NATO und der daraus resultierenden Schlussfolgerungen für unsere Arbeit in der Friedensbewegung und die Bewertung konkreter friedenspolitischer Forderungen. Unterschiedliche Einschätzungen werden auch zu der Frage vertreten, ob die Forderung nach einem AfD-Verbot im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen solle oder Teil mehrerer Strategien im Kampf gegen rechts sei.

Ein weiterer Schwerpunkt des Leitantrags bezieht sich auf die Stärkung unseres Landesverbandes und die Unterstützung der Kreisverbände, die in den kommenden Monaten mit konkreten Angeboten des Landesvorstandes angegangen werden.

Am Ende der Tagung beschlossen die Delegierten mit breiter Mehrheit den Leitantrag.

Bei den Wahlen zum Geschäftsführenden Landesvorstand wurde ein Problem deutlich, das auch schon bei der Zusammensetzung der Delegierten auffiel: Jüngere Aktive sind in der Minderheit. Die Aufgabe des Generationenwechsels stellt sich mit großer Dringlichkeit. Auch wenn in den letzten Jahren viel junge Menschen eingetreten sind, ist es noch nicht überall gelungen, diese in die aktive Arbeit und in die Verantwortung einzubinden. Erfreulich ist, dass einige Kreisverbände schon auf dem Weg der Verjüngung sind – ihre Erfahrungen können allen helfen, weiterzukommen.

Auch der Anteil von Frauen in Funktionen ist viel zu gering. Mehr Frauen in Verantwortung und Verjüngung werden somit eine zentrale Aufgabe des Landesvorstands bis zur nächsten Delegiertenkonferenz. In den GLV gewählt wurden als Landessprecher: Michael Dandl, Lothar Letsche und Karl-Martin Matt; als Geschäftsführer Anthony Cipriano und als Landeskassierer Bernhard Mainz. Weitere Mitglieder im GLV sind Gisela Kehrer-Bleicher und Dieter Lachenmayer. Rüdiger Jungkind, Dieter Lachenmayer und Bernhard Mainz vertreten unseren Landesverband zukünftig im Bundesausschuss. Mit lebhaften Beifall bedankte sich die Konferenz bei unseren ausgeschiedenen Landesprecherinnen Erika Weisser und Ilse Kestin für ihre langjährige Arbeit.

Am Abend wurde im Rahmen einer eindrucksvollen Veranstaltung der Alfred-Hausser-Preis an zwei Projekte verliehen. Aktive aus beiden waren dazu nach Mannheim angereist; sie konnten ihre Arbeit vorstellen und den Preis persönlich entgegennehmen.

Schülerinnen des Stuttgarter Wagenburg-Gymnasiums stellten zusammen mit ihrem Lehrer ihre Konzeption für Gedenkfahrten nach Auschwitz vor. Diese werden in einem umfangreichen Arbeitsprozess in Stuttgart und vor Ort in Auschwitz mit mehreren Vortreffen, Recherchearbeiten, Workshops und Exkursionen vorbereitet. Sie sind somit kein kurzfristiges Projekt, sondern auf nachhaltige Auseinandersetzung mit der Geschichte des deutschen Faschismus angelegt.

Mit dem Projekt „Bildungsberatung für Sinti und Roma – Erinnerung, Empowerment und Bewegung“ aus Freiburg wird die Verbindung von der Verfolgung im Faschismus zur aktuellen Situation der Nachfahren der damals Verfolgten geschaffen. Sehr bewegend war die Präsentation durch Coralla und Griassa Christine Reinhardt, die die langjährige und vielfältige Arbeit des Vereins in Freiburg mit Ausstellungen, Geschichtswerkstatt, Schulveranstaltungen, Bildungsberatung für junge Sinti und Roma anschaulich machten.

Der Sonntag begann mit einer antifaschistischen Stadtführung durch den proletarischen Mannheimer Stadtteil Lindenhof. Der Mannheimer Kreisverband führt seit langem Rundgänge mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung durch. Zeitzeug:innen haben sie vor vielen Jahren ausgearbeitet und selbst begleitet. Heute sind auch jüngere Mitglieder dabei. Sie haben sachkundig und mit Hilfe historischer Dokumente und moderner Medien den aufgezeichneten Erfahrungen der Zeitzeug:innen einen spannenden Rundgang verliehen. Gerne hätten die Teilnehmenden noch mehr über die antifaschistische Geschichte Mannheims erfahren, aber die Konferenz musste ja weiter gehen.

Auch am 2. Konferenztag konnte die Arbeit wieder zügig fortgesetzt werden trotz lebhafter, teilweise kontroverser, aber immer sachlicher Diskussion, und am Ende blieb sogar noch etwas Zeit für kurze Berichte aus den anwesenden Kreisverbänden. Nach dem gemeinsamen Singen des Moorsoldaten-Liedes konnten die Delegierten nach zwei anstrengenden Tagen voller intensiver Diskussionen, mit vielen anregenden Gesprächen mit neuen und alten Kameradinnen und Kameraden die Erfahrung des gemeinsamen Kampfes für ihre antifaschistische Arbeit in den Kreisen mit nach Hause nehmen.

Mit diesen Erfahrungen und auf der Grundlage der gefassten Beschlüsse können wir in den kommenden Jahren daran gehen, unseren Landesverband und die Arbeit in den Kreisen weiterzuentwickeln und das Vermächtnis der Gründungsgeneration weitertragen: Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!

Der Landesvorstand hat bereits erste konkrete Vorhaben besprochen, die wir in den kommenden Monaten umsetzen wollen. Dazu zählen u.a. Austausch und Weiterentwicklung der Gedenk- und Erinnerungspolitik, die Erarbeitung eines Bildungsheftes zu unserem antifaschistischen Grundkonsens und das Angebot zur Durchführung regionaler Veranstaltungen zusammen mit interessierten Kreisvereinigungen. In den kommenden LV-Sitzungen werden wir diese Planungen konkretisieren und gemeinsam umsetzen.