Train de Loos
14. April 2026
Alfred Hausser Preis, AN26-1, Gedenken
Ein deutsch-französisches Schüler*innen-Projekt des Kepler-Gymnasiums Tübingen

Foto: La Coupole
Begegnung der französischen und deutschen Projektteilnehmer*innen in Nordfrankreich. Die Schülerinnen und Schüler halten vorm Geschichtszentrum La Coupole zum ersten Mal die gedruckten Exemplare des Dictionnaire biographique des déportés in ihren Händen. Mit dabei sind beteiligte Kolleg*innen und die Schulleitung.
Am 1. September 1944 wurden wenige Tage vor der Befreiung des Nord-Pas-de-Calais noch 866 Résistance-Kämpfer und andere Widerständige aus dem Gefängnis des nordfranzösischen Loos in einem letzten Zug zusammengepfercht und in deutsche Konzentrationslager, allen voran das KZ Sachsenhausen, deportiert. Die meisten von ihnen starben auf dem Transport oder im Konzentrationslager.
Mehrere Jahre arbeiteten deutsche und französische Schüler*innen an einem Projekt des französischen Forschungs- und Geschichtszentrums La Coupole zur Erstellung eines umfangreichen Lexikons mit den Biografien der Deportierten mit. Auf der Basis historischer Quellen recherchierten die Schüler*innen des Kepler-Gymnasiums Tübingen im Tandem mit Schüler*innen ihrer Partnerschule vom Lycée Blaise Pascal in Longuenesse die Schicksale von 77 Résistance-Kämpfern und schrieben deren Biografien. Begleitet wurden sie von ihrer Französisch- und Geschichtslehrerin Miriam Polack.
Das biografische Lexikon Histoire et mémoire des déportés du Train de Loos (La Voix Éditions) wurde im Sommer 2024 veröffentlicht und zusammen mit einer von den Schüler*innen erarbeiteten Ausstellung im April und Mai 2025 am Tübinger Institut Culturel Franco-Allemand (ICFA) vorgestellt.
Das Projekt „Train de Loos“ ist bemerkenswertes Beispiel für lebendige Erinnerungsarbeit, die gemeinsame deutsch-französische Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der grausamen Geschichte des NS-Faschismus in Frankreich, insbesondere der Rolle und Bedeutung der Résistance und der Erinnerung an die deportierten Widerstandskämpfer.
Die qualifizierte Zusammenarbeit der deutschen und französischen Schüler*innen, ihr intensives Quellenstudium und der Austausch mit dem wissenschaftlichen Forschungszentrum La Coupole verdient große Anerkennung. Sie wollten den Toten einen Namen geben und die Geschichte, die hinter jedem Namen steckt, veröffentlichen. Ihnen ist es beispielhaft gelungen, die Geschichte der Deportationen in deutsche Konzentrationslager und das Schicksal der Deportierten zu erschließen und nicht nur in Frankreich, sondern auch im Täterland Deutschland bekannt zu machen.
Im 80. Jahr nach der Befreiung von Faschismus und Krieg haben die Schüler*innen eine wertvollen Beitrag zur Würdigung des antifaschistischen Kampfs geleistet, die Erinnerung und das Gedenken an die französischen Widerstandskämpfer für die heutige Generation lebendig erhalten. Während ihrer gemeinsamen Arbeit entstanden persönliche Freundschaften und in beiden Ländern geben die Schüler*innen auch nach der Fertigstellung des Biografischen Lexikons ihre dabei gewonnenen Kenntnisse weiter. In Tübingen wurde das Projekt am Holocaust-Gedenktag im Landratsamt mit dem Lilly-Zapf-Preis ausgezeichnet. Die Ausstellung ist dort noch bis zum 13. März zu sehen.






