Presseerklärung vom Bündnis 8. Mai in Stuttgart zum 75 Jahrestag der Befreiung

5. Mai 2020

Presseerklärung anlässlich des 75. Jahrestages zur Befreiung von Krieg und Faschismus

Am 8. Mai, dem 75. Jahrestag zur Befreiung von Krieg und Faschismus, gedenken wir der Opfer des II. Weltkriegs und des Faschismus und ehren den antifaschistischen Widerstand. Ein Bündnis von über 30 Organisationen, darunter auch verdi und DGB Stuttgart, rufen dazu auf, am Freitag, 8. Mai zwischen 17 und 19 Uhr Blumen und Kränze am Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Stauffenbergplatz) niederzulegen. Die Aktion wird vom Bündnis mit Friedens- und antifaschistischen Liedern und kurzen Texten begleitet. Sie wird entsprechend den Corona-Schutzmaßnahmen (Abstand, Mundschutz) durchgeführt.

Im Aufruf des Bündnisses heißt es u.a.:

„Tatsächlich gibt es keinen Tag in der Geschichte Europas, der so viel Freude und Erleichterung ausgelöst hat, der gleichzeitig so teuer errungen werden musste, wie dieser 8. Mai 1945. Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Die Hauptlast des Krieges und der Befreiung trugen dabei die Menschen in der Sowjetunion. Millionen alliierte Soldaten, Frauen und Männer aus dem Widerstand, PartisanInnen und Kriegsverweigerer haben für diesen Tag ihr Leben riskiert und geopfert. Sie alle kämpften als Teil der Anti-Hitler-Koalition für eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung. Ihnen danken wir… Das Vermächtnis und der Auftrag des 8. Mai gebieten es, die Forderung „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!“ in den Mittelpunkt aller politischen Kämpfe zu rücken. Die vielen Opfer, die für den Tag der Befreiung erbracht werden mussten, geben uns diesen Auftrag: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ So lautete der Schwur der befreiten Häftlinge von Buchenwald. Diesem Schwur fühlen auch wir uns weiterhin verpflichtet: Nie wieder Faschismus und Krieg!“

In diesem Sinne ruft das Bündnis alle friedensliebenden und antifaschistischen Kräfte dazu auf, das Mahnmal am 8. Mai als einen Gedenkort sichtbar zu machen.

Demokratisch durch die Pandemie

9. April 2020

Demokratisch durch die Pandemie !

Die Corona-Pandemie stellt die Welt plötzlich vor tödliche Gefahren.
Das Virus interessiert sich dabei nicht für Politik. Politisch sind
allerdings die Reaktionen der Regierungen und Parteien.
Zahlreiche Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten wurden innerhalb
kurzer Zeit weltweit eingeführt. Diese Maßnahmen sind objektiv
notwendig, um ein Massensterben zu verhindern. Gleichzeitig wird
erkennbar, dass in dieser Krise in vielen Ländern bereits zuvor
erkennbare autoritäre und restriktive Entwicklungstendenzen verstärkt
und beschleunigt werden.
Innerhalb der EU gilt dies insbesondere für die Regierung Ungarns, die
die parlamentarische Arbeit auf unbestimmte Zeit hat aussetzen lassen.
Auch in Deutschland gibt es von Seiten der Bundes- und Landesregierungen
problematische Äußerungen, Erwägungen, Gesetzesvorhaben und teilweise
auch Maßnahmen.
Begleitet werden diese Tendenzen ebenfalls in vielen Ländern durch
extrem rechte, xenophobe, rassistische und insbesondere antisemitische
Verschwörungstheorien, die sich auf Ursprung, Verbreitung und Folgen der
Corona-Pandemie beziehen.

Zu dieser Situation fordert die VVN-BdA folgendes:

• Begriffe wie „Ausgangssperre“, „Ausnahmezustand“ und „Krieg“ haben
in der Krisenbewältigung nichts zu suchen. Sie machen unnötig Angst und
suggerieren militärische Lösungen für medizinische und gesellschaftliche
Probleme.

• Alle Verordnungen und Maßnahmen müssen konkret begründet, zeitlich
befristet, auch durch unabhängige Experten bewertet und ausgewertet
werden und auf das notwendige Maß beschränkt sein. Dies gilt jeweils
auch für zeitliche Verlängerungen.

• Verordnungen und Maßnahmen müssen Gegenstand parlamentarischer
Kontrolle sein.

• Gesetzgeberische Prozesse, insbesondere die sich auf
Krisenbewältigung beziehen, sind auf die Zeit nach der Pandemie zu
verschieben. Gute Gesetze brauchen Zeit zur Reflexion.

• Notwendige Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum sind mit
Augenmaß durchzusetzen. Spaziergänger sind keine Verbrecher.

• Politische Aktivitäten im öffentlichen Raum, die die notwendigen
Einschränkungen beachtet, müssen selbstverständlich möglich sein.

• Besonders gefährdet sind Obdachlose und Geflüchtete. Sie bedürfen
einer besonders guten Fürsorge, nicht martialischer Abschottung. Es
müssen Maßnahmen für eine angemessene Unterbringung ergriffen werden, z.
B. in Hotels.

• Die gefährlichen Lagern an der EU-Außengrenze und in Griechenland
müssen aufgelöst und die Geflüchteten evakuiert und dezentral
untergebracht und versorgt werden.

• Deutschland muss endlich den Kindern und Jugendlichen, zu deren
Aufnahme sich „Solidarische Städte“ bereiterklärt haben, aufnehmen.

• Das Militär kann Transport- und Hilfsdienste leisten, aber nicht
Ordnungsmacht im Inneren sein. Die Trennung von Polizei und Militär ist
unabdingbar. Bundeswehrsanitätskräfte sind der zivilen Leitung zu
unterstellen.

• Die EU muss den Missbrauch der Pandemie zur Festschreibung
strukturell antidemokratischer Ziele in ihren Mitgliedsstaaten
unterbinden.

• Verschwörungstheoretische Erklärungsmuster, auch wenn sie vorgeben
„für das Volk“ zu sprechen, sind zurückzuweisen. Die Krise nutzen
wollende faschistische Gruppen sind aufzulösen.

• Nach Abschluss der Pandemie bedarf es einer breiten
gesellschaftlichen Auswertung: Welche Maßnahmen haben sich im Nachhinein
als richtig erwiesen, auf welche könnte in einem ähnlichen Fall
verzichtet werden?

Cornelia Kerth, Axel Holz

https://vvn-bda.de/demokratisch-durch-die-pandemie/

VVN-BdA startet Petition, damit der 8. Mai als Feiertag anerkannt wird

8. April 2020

Pressemitteilung

Unterschriftensammlung „Den 8. Mai zum Feiertag machen!“ gestartet

Esther Bejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) starteten heute eine Unterschriftensammlung und eine Social Media Kampagne mit dem Ziel den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu machen.
75 Jahre nach dem wichtigsten Tag des 20. Jahrhunderts ist es an der Zeit und auch bitter notwendig endlich konsequent Lehren aus den Verbrechen des NS-Regimes zu ziehen. Ein gesetzlicher Feiertag würde dies symbolisieren und könnte Ausgangspunkt für entsprechendes politisches Handeln sein.

Die Petition ist erreichbar unter: change.org/8Mai

Die Petition im Wortlaut:

„Den 8. Mai zum Feiertag machen!
Was 75 Jahre nach Befreiung vom Faschismus getan werden muss!

Ich überlebte als Mitglied des „Mädchenorchesters“ das deutsche Vernichtungslager Auschwitz und konnte vor 75 Jahren auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Ravensbrück der SS entkommen. Ich bin Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD e.V und Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.
Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Dies schrieb ich in einem offenen Brief am 26. Januar 2020 „an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“.
Die militärische Zerschlagung des Faschismus durch die Alliierten, Partisan*innen und Widerstandskämpfer*innen als Befreiung zu begreifen, bedeutet die richtigen Schlüsse zu ziehen und auch so zu handeln. Es ist nicht hinnehmbar, dass 75 Jahre danach extreme Rechte in allen deutschen Parlamenten sitzen und in immer rascherer Folge Mord auf Mord folgt.
Die Lehren des 8. Mai umzusetzen, bedeutet für uns:
• AfD, NPD und ihre Verbündeten aufzuhalten,
• das Treiben gewalttätiger und mordender Neonazis zu unterbinden, ihre Netzwerke in Polizei, Bundeswehr aufzudecken und aufzulösen,
• einzugreifen, wenn Jüdinnen und Juden, Muslime, Roma und Sinti und andere, die nicht in das Weltbild von Nazis passen, beleidigt und angegriffen werden,
• Geflüchtete in Deutschland aufzunehmen,
• die Logik des Militärischen zu durchbrechen und Waffenexporte zu verhindern und
• die Diffamierung und Behinderung demokratischer und antifaschistischer Gruppen und Organisationen durch Geheimdienste und Finanzämter zu beenden.
Sonntagsreden, die Betroffenheit zeigen, reichen nicht. Es muss gestritten werden für die neue Welt des Friedens und der Freiheit, die die befreiten Häftlinge im Schwur von Buchenwald als Auftrag hinterlassen haben. Ein offizieller bundesweiter Feiertag wäre dafür die regelmäßige Verpflichtung. – Nicht nur, aber eben auch an jedem 8. Mai.
Deshalb: Achter Mai – arbeitsfrei! Zeit für Antifaschismus!
Esther Bejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)“

#TagderBefreiung #8Mai #achterMai #Feiertag #vvnbda

Pressekontakt: Florian Gutsche, Bundessprecher der VVN-BdA:
Florian.Gutsche@vvn-bda.de, Tel.: 0163-6931935

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Bundesvereinigung Magdalenenstr. 19
10365 Berlin

030-5557-9083-2
bundesbuero@vvn-bda.de

Ostermarsch in Stuttgart abgesagt

20. März 2020

Der für den 11.4. geplante Ostermarsch in Stuttgart ist gestern abgesagt worden. In einer ersten Erkklärung des Friedensnetzes Baden-Württemberg werden alle Friedensfreunde aufgefordert über Ostern Friedensfahnen aus den Fenstern zu hängen.

Friedensfahne

Für die Demonstration am 9. Mai in Stuttgart zur Befreiung vom Faschismus sollen friedenspolitische Forderungen sichtbar sein, fordert das Friedensnetz Baden-Württemberg.

Der Frieden ist und bleibt wichtig.

 

Proteste gegen den AfD Landesparteitag am 15. / 16. Februar in Böblingen

10. Februar 2020

Die VVN-BdA Baden-Württemberg unterstützt die Kundgebung gegen den AfD Landesparteitag am 15. / 16. Februar in Böblingen.

Das Bündnis „Böblingen bleibt bunt“ ruft für den 15. Februar, zusammen  mit anderen Gruppen, zu Prostesten an der Kongresshalle in Böblingen auf. Unter dem Motto: „Buntes Böblingen – Für Vielfalt, Tolerant und Offenheit“ findet eine Kundegbung statt. Beginn ist um 9 Uhr.

15.2. Kundgebung vor der Kongresshalle

Beginn um 9 Uhr

Wir nehmen Abschied von unserem Mitglied Heinrich Müller

10. Februar 2020

Lebenslanges Engagement für eine solidarische Gesellschaft, gegen Faschismus und Krieg

Nachruf auf Heinrich Müller

 

Wir nehmen Abschied von unserem Kameraden Heinrich (Henri) Müller. Er ist Ende Januar nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren verstorben.

Henri war seit Ende der 1960er Jahre in linken Gruppen politisch aktiv. Gegen Militarismus und Krieg engagierte er sich in den 1980er und 1990er Jahren unter anderem im Friedenarbeitskreis Wiesloch. Dort war er auch Mitgründer der alternativen „Statt-Zeitung“ (1992-2001) sowie des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Wiesloch/Walldorf (1992-1997), das sich nach den Ereignissen um das rassistische Pogrom von Rostock-Lichtenhagen zusammengefunden hatte. Im November 2005 wurde Henri Mitglied der VVN-BdA. In den Jahren 2012 bis 2018 war er Teil des Kreisvorstandes Heidelberg und nahm für unsere Kreisvereinigung unter anderem an den Sitzungen des Landesvorstands Baden-Württemberg teil. Als Gewerkschafter (IG Metall) setzte sich Henri selbstlos und mit Herz für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Auch die Partei „Die Linke“ hatte in ihm ein aktives Mitglied und engagierten Funktionär.

Anfang 2018 zog sich Henri gesundheitsbedingt aus dem VVN-Kreisvorstand zurück, dennoch war er hin und wieder bei Veranstaltungen und Kundgebungen dabei. Trotz seiner Krankheit ließ er es sich nicht nehmen, noch am 1. November 2019 an der traditionellen Gedenkfeier für die ermordeten WiderstandskämpferInnen auf dem Heidelberger Bergfriedhof teilzunehmen.

Wir verlieren mit Henri einen unermüdlichen Kämpfer gegen Faschismus und Krieg. Wir werden ihn als engagierten Antifaschisten in guter Erinnerung behalten.

 

Andy Herrmann für die VVN-BdA Kreisvereinigung Heidelberg

Soll die VVN-BdA zerschlagen werden?

22. Januar 2020

Die Fianzämter Thüringen und Saarland drohen den Landesvereinigungen die Gemeinnützigkeit zu entziehen, wenn sie weiter Zahlungen an die Bundesvereinigung leisten. Ausserdem fordern die Finanzämter, dass die Satzungen entsprechend geändert werden sollen.

 

Die VVN-BdA hat darauf mit einer Presseerklärung reagiert:

Droht die Zerschlagung der VVN-BdA Bundevereinigung durch die Finanzämter?

 

Am 6. Januar 2020 wurde der thüringischen Landesvereinigung (TVVdN-BdA e.V.) der VVN-BdA vom Finanzamt Erfurt die Gemeinnützigkeit erneut bescheinigt.

Allerdings macht das Erfurter Finanzamt zur Auflage, dass der Thüringer Landesverband an die Bundesvereinigung keine Mittel mehr abführen darf. Damit sind die der Bundesvereinigung zustehenden Anteile am Beitragsaufkommen gemeint.

Darüber hinaus fordert das Finanzamt Erfurt nun „aus gemeinnützlichkeitsrechtlicher Sicht“, dass der Thüringer Verband dieser Auflage nicht folgen, wird ihm mit Aberkennung der Gemeinnützigkeit gedroht, denn – so die Begründung – gemeinnützige Vereine dürfen nur an andere „steuerbegünstigte Körperschaften“ Mittel weitergeben.

Hintergrund ist, dass der Bundesvereinigung am 4.11.2019 vom Berliner Finanzamt für Körperschaften 1 die Gemeinnützigkeit entzogen worden ist, wogegen diese Widerspruch eingelegt hat.

Am 16. Januar forderte zudem das Finanzamt Saarbrücken die Landesvereinigung im Saarland auf, binnen drei Wochen zu erklären, wie sie künftig mit der Mittelweitergabe an die nunmehr nichtmehr gemeinnützige Bundesvereinigung verfahre.

Sollte die Aberkennung der Gemeinnützigkeit Rechtskraft erlangen ist also mit ähnlichen Auflagen wie in Thüringen in anderen Bundesländern zu rechnen.

Dies würde den Verlust der Haupteinnahmen der Bundesvereinigung und damit das Aus für den Verband bedeuten.

Unser Landesverband Thüringen wird gegen diese Auflage Einspruch einlegen und beantragen, die Angelegenheit bis zur Entscheidung über den Einspruch der Bundesvereinigung gegen den Berliner Bescheid ruhen zu lassen. Der Anwalt wird auch zur Anfrage im Saarland entsprechend Stellung nehmen.

Es bleibt dabei: Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben!

 

Droht die Zerschlagung der VVN-BdA Bundesvereinigung durch die Finanzämter?

VVN-BdA ruft zur Kundgebung gegen rechte Medienhetze am 4.1.2020 in Baden-Baden auf

2. Januar 2020

 

Die VVN-BdA Baden-Württemberg unterstützt die Kundgebung von Verdi Baden-Württemberg gegen die rechte Medienhetze von Stefan Räple und der AfD.

Stefan Räpple,Landtagsabgeordneter der AfD, hat für Samstag, 4.1. um 14 Uhr zu einer Demonstration mit Kundgebung beim SWR in Baden-Baden aufgerufen. Er will laut Ankündigung gegen linken Journalismus und die GEZ demonstrieren. Er versucht damit eine Kundgebung von Rechten vor einigen Tagen vor dem WDR zu kopieren.

Verdi Baden-Württemberg hat eine Gegenkundgebung angemeldet.

Samstag 4.1.2020,

13 Uhr 30 – 15 Uhr 30

SWR in Baden-Baden vor dem Haupteingang Fernsehen

 

Zeigen wir dass die Rechten ihre Hetze nicht ohne Widerstand verbreiten können.

 

 

 

Wir trauern um Dietrich Schulze

31. Dezember 2019

Nachruf auf Dietrich Schulze von Helmut Woda

Wir nehmen Abschied von unserem Kameraden Dietrich Schulze. Dietrich war ein Urgestein der neuen Generation der Antifaschistinnen und Antifaschisten, die durch die Öffnung der VVN zum Bund der Antifaschisten gestoßen war.

Am 19. Dezember ist der Karlsruher Gewerkschafter, Friedensaktivist und Antifaschist Dietrich Schulze in seiner Wahlheimat Karlsruhe gestorben. Er wurde am 27. Juni 1940 in Borkum geboren. Seine Jugend verbrachte er im sächsischen Wilthen. 1958 machte er in Bautzen das Abitur. Zum Studium ist er danach in den Westen gegangen. Weil das Abitur der DDR nicht anerkannt wurde, musste er 1959 in Essen die Prüfung noch einmal machen. Er studierte in Hannover und Karlsruhe Elektrotechnik. Ab 1966 arbeitete er im Kernforschungszentrum Karlsruhe und wurde bald Betriebsrat.

In Karlsruhe, wohin es ihn beruflich verschlagen hatte, lernte er 1971 den Stuttgarter Antifaschisten, Kommunisten und Widerstandskämpfer Karl Wagner kennen. Er wurde für Dietrich Lehrer, politischer Weggefährte und Leitbild. Nicht nur dessen Verfolgungsgeschichte während der Nazi Zeit faszinierte ihn. Karl Wagner 1936 nach Dachau, wo er Mitglied der illegalen internationalen Lagerleitung wurde. Von Dachau nach Buchenwald überstellt erlebte er dort die Befreiung. Karl hatte als Kappo im KZ Dachau nicht nur überlebt, sondern mit viel Mut und  revolutionärer Klugheit die von den Häftlingen in Zwangsarbeit zu leistenden Projekte erfolgreich sabotiert. Mut und Klugheit hatte sich Karl auch für die politischen Auseinandersetzungen in den Nachkriegsjahren bewahrt und vermittelte sie der neuen Generation von Antifaschisten. Dietrich blieb diesen Tugenden treu. 1974 war er in die VNN Bda eingetreten und entwickelte lange Jahre als Vorsitzender im engen Kreis mit Karl und dessen Frau Hilde, seiner Frau Silvia und andern die VVN – Bda in Karlsruhe zu einer tragenden und treibenden Kraft in der Antifa- und der Friedensbewegung. Als Betriebsrat in einer Forschungseinrichtung half er mit, die Initiative der Naturwissenschaftler für den Frieden in Karlsruhe aufzubauen. In den 2000er war er bis zu seinem Tod zusammen mit Studenten und Beschäftigten der Uni aktiv für die Erhaltung der Zivilklauseln für Universitäten und organisierte landesweit den Widerstand gegen deren Abschaffung.

Zentrum seiner Aktivitäten war immer die VVN-BdA. In der schwierigen Zeit zwischen 89 und 91 widerstritt er allen Versuchen, die VVN-BdA an den Mainstream anzupassen. Auf fast allen Bundeskongressen und Landeskonferenzen beeindruckte er mit seinen streitbaren und präzisen Argumentationen für eine prinzipienentreue antifaschistische Politik. Von 2008 bis 2010 war er einer der drei Landessprecher der VVN – Baden Württemberg.

In einem Artikel aus dem Jahr 2009 für die Antifa-Nachrichten schrieb er: „Der für die Landesregierung verantwortliche Minister Peter Frankenberg gießt derweil fleißig Öl ins Feuer. Ende Mai erklärte er laut taz im im Bundesforschungsausschuss, `dass es die Zivilklausel seinethalben überhaupt nicht mehr geben müsse. Die Beibehaltung für den ehemaligen Forschungszentrumsteil habe er sich vom Bund diktieren lassen. ´ Grundsätzlich sei er aber der Meinung, `in einem demokratischen Rechtsstaats mit einer demokratischen Armee sei eine Zivilklausel nicht notwendig. ´“ Er folgerte in dem Artikel: „Im Klartext heißt diese Position: Militärisch ist friedlich. Die demokratische Armee verfolgt nur friedliche Zwecke. Sie schützt die Bürger, egal wie und wo. Wenn der demokratische Rechtsstaat Atomwaffen für erforderlich hält, dann haben Forschung und Rüstungsindustrie dafür zu sorgen. Wenn er es für notwendig hält, seine Soldaten fern der Heimat einzusetzen, kann das nur ein Beitrag zum Frieden sein. Krieg ist Frieden.“

Durch sein unermüdliches Engagement und seine durch hohe Kompetenz ausgezeichneten Sachbeiträge hat er sich große Verdienste um die VVN-BdA, die Antifa- und die Friedensbewegung erworben. Seine Argumente werden uns fehlen.

Helmut Woda (Kreisvereinigung Karlsruhe)

Wir trauern um unser Mitglied Dietrich Schulze

20. Dezember 2019

Gestern verstarb unser langjähriges Mitglied Dietrich Schulze aus Karlsruhe im Alter von 79 Jahren. Er war sowohl im Kreis, als auch viele Jahre im Landesvorstand  der VVN-BdA aktiv. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt seiner Arbeit in der Auseiuandersetzung mit Forschung für Rüstung an Universitäten.

Er wird uns fehlen. Ein ausführlicher Nachruf folgt.

 

 

 

Karlsruhe 20.12.2019

Liebe Kameradinnen und Kameraden,

 

unser Kreisvorstandsmitglied Dietrich Schulze ist gestern Nachmittag verstorben. Dietrich gehörte zur Gründergeneration des „Bundes der Antifaschisten“ (BdA) und war Jahrzehntelang gemeinsam mit Silvia das Gesicht der VVN-BdA in Karlsruhe. Unermüdlich hat er sich gegen Krieg und Faschismus eingesetzt, für eine Welt des Friedens und der Freiheit, wie es im Schwur von Buchenwald heißt. Maßgeblich geprägt wurde er durch den Widerstandskämpfer Karl Wagner. Mit dem Tod von Silvia und Dietrich in diesem Jahr beginnt für unsere Kreisvereinigung eine neue Ära. Es liegt an uns allen – und ist sicherlich auch im Sinne der beiden -, dass wir unsere Kreisvereinigung im kommenden Jahr gemeinsam stärken, für die Kämpfe, die anstehen.

 

Nähere Informationen zu Ort und Zeitpunkt der Beerdigung sind noch nicht bekannt.

 

Mit antifaschistischen Grüßen

Jens Kany

 

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