Würdige Gedenkfeier am Volkstrauertag am Mahnmal in Stuttgart-Feuerbach

geschrieben von Gudrun Greth, 16.11.2025

14. April 2026

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Trotz kühlen Herbstwetters versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger am Mahnmal auf dem Feuerbacher Friedhof, um gemeinsam der Opfer von Krieg und Faschismus zu gedenken. Die Gedenkveranstaltung, die in diesem Jahr von den Stolperstein-Initiativen der Stuttgarter Stadtteile Feuerbach und Ost organisiert wurde, bot einen würdigen Rahmen für Erinnerung, Besinnung und das klare Bekenntnis zu Antifaschismus und Frieden.

Schon kurz nach der Befreiung, am 25. November 1945, hatte in Stuttgart eine Gedächtniskundgebung für die Opfer des Faschismus stattgefunden. Viele Überlebende, wie Karl Keim, ein ehemaliger Bosch-Arbeiter aus Feuerbach, der das KZ Buchenwald überlebt hatte, engagierten sich sofort für den Wiederaufbau und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

Das 1947 von ehemaligen Stuttgarter Widerstandskämpferinnen und -kämpfern initiierte Mahnmal stellt einen wichtigen Ort des Erinnerns für Stuttgart dar, bei dessen Einweihung am 13. September 1947 ein langer Zug von mehr als tausend Menschen vom Bahnhof Feuerbach bis zum Friedhof ihren Willen zu „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ bekannten.

Die treibende Kraft für das Feuerbacher Mahnmal war die Widerstandskämpferin Gertrud Müller (geb. Wieland, 1915–2007). Sie begründete ihr Engagement mit dem Satz: „Das Wichtigste war für mich, die Opfer nicht zu vergessen und deren Vermächtnis zu erfüllen: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.“ Dank ihrer Initiative und der Spenden vieler Feuerbacher Bürger konnte das Mahnmal für zunächst zwölf ermordete Widerstandskämpfer realisiert werden. In den 1980er Jahren setzte Gertrud Müller schließlich durch, dass die Namen weiterer 18 Verfolgter, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten, auf zusätzlichen Bodenplatten hinzugefügt wurden. Insgesamt sind auf dem Mahnmal 28 Namen verzeichnet. Gertrud Müller steht beispielhaft für den Mut und die Entschlossenheit derer, die sich der nationalsozialistischen Diktatur entgegenstellten.

Nach einer Begrüßung der Anwesenden, darunter der Bezirksbürgermeister, Vertreter der Stadt, eine Pfarrerin, Mitglieder verschiedener Organisationen, sowie engagierter AnwohnerInnen, trug die Musikgruppe ZuSpiel sehr stimmungsvoll das 1954 von Boris Vian geschriebene Antikriegs-Chanson „Le Déserteur“ vor.

In ihrer Gedenkrede erinnerte Hildegard Wienand von der Stolperstein-Initiative Stuttgart-Feuerbach an die bewegte Entstehungsgeschichte des Mahnmals und auch an das Deserteurdenkmal, das seit mittlerweile 18 Jahren vor dem Theaterhaus in Feuerbach „zwischengeparkt“ steht, weil die Stadt Stuttgart dafür bisher keinen Platz frei gegeben hat. Das betagte Ehepaar Hildegard und Heinz Wienand hat die Biografien der Menschen, die auf dem Mahnmal verzeichnet sind, erforscht und für viele bereits Stolpersteine verlegt. In zähem Ringen gelang es Ihnen 2014, dass vor Tor 1 des Boschwerks in Feuerbach eine große Gedenktafel zur Erinnerung an die Menschen installiert wurde, die bei Bosch Zwangsarbeit leisten mussten. 

Hildegard Wienand stellte die Frage: „Was würde Gertrud Müller, die mahnte: „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“  heute sagen angesichts der Kriege in der Ukraine, im Gazastreifen, im Sudan? Angesichts der vielen Konflikte in aller Welt?

Hildegard Wienand zitierte am Ende ihrer Rede der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano: “Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Daher müssen wir unsere Geschichten aufschreiben, weitergeben und versuchen, möglichst viele von Euch zu erreichen. Ihr müsst dann unsere Geschichte weitertragen, Ihr müsst dann unsere Stimme sein.“

Das Partisanenlied „Bella Ciao“ sangen die Anwesenden gerne mit. Anschließend schilderte Anna Cordi in ihrer Gedenkansprache für die VVN-BdA Baden-Württemberg, eindrücklich die Situation, in der junge Menschen – Mädchen wie Jungen – momentan der massiven Militarisierung und Werbung für Bundeswehr und Kriegsdienst ausgesetzt sind. Dem stellte sie die massiven Einsparungen im Haushalt der Stadt Stuttgart vor allem in den sozialen und kulturellen Bereichen gegenüber. Sie betonte die Bedeutung des aktiven Engagements für eine friedliche Zukunft.

Anschließend legten der Bezirksvorsteher für die Landeshauptstadt Stuttgart und Anna Cordi für die VVN-BdA Kränze vor dem Mahnmal nieder.

Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Die Moorsoldaten“ und den Einladungen zur Nachmittagsveranstaltung „Reden erst die Völker selber“ im Haus der Humanisten und den Stolpersteinverlegungen am 21. November in verschiedenen Stuttgarter Stadtteilen endete die offizielle Gedenkfeier.

Bei anschließenden Gesprächen und dem Austausch über die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, war man sich einig, dass die Gedenkveranstaltung am Feuerbacher Mahnmal auch in diesem Jahr ein eindrucksvoller Beweis für die lebendige Erinnerungskultur im Stadtteil und die Bereitschaft war, gemeinsam für ein friedliches Miteinander einzutreten.